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Behinderte finden zurück ins Leben

Einzigartiges Projekt in Potsdam Behinderte finden zurück ins Leben

Das Potsdamer Thusnelda-von-Saldern-Haus in Potsdam ist bundesweit einzigartig: Menschen mit Behinderungen nach Schlaganfall, neurologischer Erkrankung oder Unfall im Anschluss an eine medizinische Reha werden hier wieder für ein selbstständiges Leben fit gemacht. Das Haus, das zum Oberlinkomplex gehört, besteht mittlerweile seit fünf Jahren.

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Geheimnisverrat wird wohl nicht bestraft

Bewundernswerte Kämpferinnen: Stephanie Kunze (l.) und Annika Nagel im Thusnelda-von-Saldern-Haus.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg.  Sie sprüht vor Lebensmut – inzwischen wieder. „Als ich im August vor drei Jahren hier ankam, hab’ ich geweint, gezittert, hatte Heimweh“ erinnert sich Annika Nagel (26), die an einer so seltenen wie schwerwiegenden Autoimmunkrankheit litt. Ihr Körper kämpfte mit allen Mitteln gegen sie. „Der Aufenthalt hier hat mir auf jeden Fall das Leben gerettet.“ „Hier“ meint das 2010 eröffnete Thusnelda-von-Saldern-Haus im Oberlinkomplex – ein bundesweit einzigartiges Übergangswohnheim, in dem Menschen mit Behinderungen nach Schlaganfall, neurologischer Erkrankung oder Unfall im Anschluss an eine medizinische Reha bis zu drei Jahre lang für ein selbstständiges Leben wieder fit gemacht werden.

 Annika Nagel lag ein komplettes Jahr im Krankenhaus im künstlichen Koma, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Es folgten die Reha in Wandlitz, anschließend das Thusnelda-von-Saldern-Haus. „Ich musste alles neu lernen: laufen, sprechen, mich konzentrieren.“ Lebt sie jetzt schneller als vor der Krankheit, um das verlorene Jahr aufzuholen? Annika Nagel verneint. „Es ist echt hart, so viel verpasst zu haben. Wenn alte Freunde aus dieser Zeit erzählen, werde ich traurig. Aber was weg ist, ist weg“, sinniert sie. „Und jünger wird man ja auch nicht mehr.“

Vor ihrer Krankheit hat sie Friseurin gelernt – das ist vorbei. „Lange stehen, ist nicht mehr.“ Stattdessen macht sie im bald zweiten Jahr eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Aber als Hobby taugen Haare immer noch, wie ihr leuchtendroter Schopf beweist. Die aus Perleberg stammende Frau zieht bald aus, in eine Wohngemeinschaft. Das Reintegrationskonzept ist bei Annika Nagel voll aufgegangen. „Wir passen uns unseren Klienten an“, sagt Heike Judacz, Leiterin des Thusnelda-von-Saldern-Hauses. Am Freitag begehen Bewohner und Beschäftigte das Jubiläum des Projekts mit einer Feierstunde. Mehr als fünf Millionen Euro kostete der Bau, den das Oberlin-Unternehmen aus eigenen Mitteln stemmte. Finanziert werden die Wohnheimplätze über die sogenannte Eingliederungshilfe des Sozialamtes.

67 Frauen und Männer wohnen auf den drei unterschiedlich profilierten Etagen. 34 Klienten sind seither begleitet worden – elf von ihnen leben inzwischen wieder in eigenen Wohnungen, sieben in betreuten Projekten. Ohne das Oberlin-Angebot würden die mehrheitlich jüngeren Bewohner in einem Altenpflegeheim landen, so Heike Judacz: „Es gibt kein angemessenes Angebot außer unserem.“

Einen längeren Weg als ihre Freundin Annika Nagel hat Stephanie Kunze (33) momentan noch vor sich. Eines Abends auf der Couch hatte „ich tierische Kopfschmerzen, als ob jemand mit dem Messer rein sticht“. Ein Blutgefäß platzt, Not-Operationen, künstliches Koma, Reha – jetzt Thusnelda-von-Saldern-Haus. „Ich habe den Tod übersprungen, hier lerne ich das Leben wieder.“ Ihre linke Körperhälfte ist gelähmt. Alles, alles dauert länger. „Ich muss trainieren, wie ich mich mit einer Hand anziehen kann. Oh, ich hab’ anfangs so geflucht. “ Eine ähnliche Herausforderung ist: Gemüse zu putzen. „Kochen ist nicht mehr meine Lieblingsbeschäftigung“, erzählt Stephanie Kunze lächelnd. „Naja, war’s vorher auch nicht.“

Die gelernte Restaurantfachfrau will wieder in ihren Beruf zurück. „Ich kann vielleicht nicht mehr so viel wie früher rumlaufen und bedienen, aber hinterm Tresen stehen und Bier zapfen, das geht.“ Raus aus dem Rollstuhl, rein ins Leben – das ist Stephanies Ziel.

Von Ricarda Nowak

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