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Tickende Zeitbombe unter der Erdoberfläche

Potsdamer Forscher erkunden in Sibirien gefährliche Treibhausgase Tickende Zeitbombe unter der Erdoberfläche

Im Untergrund großer Teile des Globus ticken Zeitbomben. In ihnen schlummern Millionen Tonnen gespeicherter Treibhausgase. Bislang scheint aber noch unklar, welche Sprengkraft sie ‒ einmal freigesetzt ‒ im Klimawandel entfalten könnten.

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Potsdamer Forscher auf Erkundungsgang.

Quelle: AWI/ Georg Schwamborn

Potsdam. Klarheit soll jetzt ein von Potsdamer Forschern koordiniertes Verbundprojekt im Permafrostgebiet Sibiriens bringen. Tiefenbohrungen sollen verlässlichere Prognosen über die weitere Entwicklung der Dauerfrostböden und ihren möglicherweise verheerenden Beitrag zur Erderwärmung liefern. "Wir wollen wissen, wieviel Klimagase in den Böden gespeichert sind und wie stark es taut", sagt der Leiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Potsdam (AWI), Hans-Wolfgang Hubberten.

Die Permafrostteile Sibiriens sind seit vielen Jahren ein spezielles Forschungsgebiet des Potsdamer AWI-Teils. Insgesamt bedeckt weitgehend noch ganzjährig dauerhaft gefrorener Boden Russlands, Kanadas, Alaskas und Grönlands fast ein Viertel der Landflächen der Erde. Gespeichert sind dort Pflanzenreste früherer Flora-Generationen und andere organische Kohlenstoffe, die im Zuge der Erderwärmung auftauen könnten. Durch Mikroorganismen zersetzt, könnten dann riesige Mengen an Methan und anderen Gasen frei werden, die den Klimawandel enorm anheizen würden. Bislang geht die Forschung davon aus, dass die Menge des deponierten Kohlenstoffs in den Permafrostböden in etwa dem 2,5-fachen der in der globalen Vegetation gespeicherten Gase entspricht.

"Es gab bislang konservative Schätzungen und Prognosen, die von viel höheren Mengen des gespeicherten Kohlenstoffs in den Böden ausgingen", sagt Hubberten. "Carboperm" (Kohlenstoff im Permafrost), so heißt das neue vom Bund mit 4,5 Millionen Euro geförderte Projekt, soll nun tragfähige Erkenntnisse liefern. Dabei sollen von April an mit Tiefenbohrungen an zwei Orten auf den Großen Lyakhov-Inseln vor der ostsibirischen Küste 60 bis 100 Meter lange Bohrkerne entnommen werden, deren Zusammensetzung in verschiedenen Laboren überprüft wird. Die Vorarbeiten beginnen in Kürze. Die Leitung des Vorhabens, an dem in Potsdam noch die Universität und das Geoforschungszentrum (GFZ) beteiligt sind, liegt beim AWI in der Landeshauptstadt und russischen Forschern. Biologen, Geologen, Geophysiker und Geochemiker sollen klären, wieviel Methan und Kohlendioxid, bei welchen Temperaturen und in welchem Zeitraum in die Atmosphäre gelangen könnten. Antworten erhoffen sich die Wissenschaftler zudem auf die Frage, ob die Permafrostgebiete im Zuge der fortschreitenden Erderwärmung eigentlich noch Klimagas-Senken, also Speicher oder schon längst zu -Quellen geworden sind.

Von Gerald Dietz

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