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Potsdam Todesstreifen im Weltkulturerbe
Lokales Potsdam Todesstreifen im Weltkulturerbe
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20:12 11.03.2018
Jan Fiebelkorn-Drasen vom Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ vor dem letzten erhaltenen Wachturm am Jungfernsee. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Nauener Vorstadt

„Todesstreifen im Weltkulturerbe“ ist der Titel eines Forschungsprojektes, mit dem die Geschichte des DDR-Grenzregimes am Jungfernsee von Nedlitz bis hinüber zur Babelsberger Enge aufgearbeitet werden soll. Projektträger sind der Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ und das Zentrum für Zeithistorische Forschungen Potsdam.

Die Grenzübergänge auf dem Jungfernsee spielten nach Ansicht von Jan Fiebelkorn-Drasen, Sprecher des Vereins Erinnerungsorte, eine zentrale Rolle bei der Versorgung West-Berlins: „Hier ging der gesamte Schiffsverkehr durch.“ Doch nicht nur diese Tatsache sei in Vergessenheit geraten: „Hier war ein Abschnitt der Grenze, über die viele Menschen geflüchtet und auch umgekommen sind.“

Heute sei das Ufer zwischen Glienicker Brücke und Bertiniweg „eine der touristisch meist frequentierten Ecken in Potsdam“. Doch die Geschichte der Teilung sei für Passanten kaum mehr zu erahnen: „Diese gesamte Geschichte verschwindet heute unter der Schönheit des Weltkulturerbes.“

Seit seiner Gründung vor zwei Jahren warnt der Verein vor dem Verschwinden letzter Zeitzeugnisse aus der Landschaft. Mittelfristiges Ziel ist die Gestaltung eines Erinnerungsweges mit Stelen in Ufernähe und eines Erinnerungsortes im Umfeld des erhaltenen Wachturms an der Bertinistraße. Mit dem Forschungsprojekt, das laut Fiebelkorn-Drasen mit 35 000 Euro vom Kulturministerium gefördert wird, sollen dafür die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen werden.

Schwerpunkt sind zunächst die Grenzanlagen selbst – von den Kontrollstellen für die Frachtschifffahrt bis zu den Sperrsystemen an Land und im Wasser. Zu den vom Verein gesicherten Dokumenten gehört ein „Beschießungsplan" der Grenztruppen für den Jungfernsee. Aufbereitet werden soll die Besetzung und Organisation von Grenztruppen, Zollbehörden und Staatssicherheit.

Dritter Schwerpunkt ist das teils militärische, teils zivile Leben im Sperrgebiet diesseits der Mauer. Aufbereitet werden soll dabei auch die Nutzungsgeschichte namhafter Gebäude – von der Villa Schöningen, in der ein Kinderwochenheim untergebracht war, über die Villa Mendelssohn, die unter anderem einen Konsum für die Grenztruppen beherbergt haben soll, bis zur Villa Gutmann, in der man ein Seniorenheim einrichtete.

Die Geschichte der Villen soll bis in die Mitte der 1990er Jahre hinein recherchiert werden – mit der Rückkehr erster Eigentümer und der Besetzung leer stehender Häuser wie der Gutmann-Villa durch linke Jugendliche. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der damals Jugendamtsleiter war, soll laut Fiebelkorn-Drasen als Zeitzeuge befragt werden.

Stadtpolitik unterstützt Erinnerungsort

Die Stadtpolitik unterstützt die Entwicklung erhaltener Grenzanlagen an der Bertinistraße zum Erinnerungsort. Im November beschlossen die Stadtverordneten auf Antrag der Grünen, dass bis März 2016 ein Konzept vorgelegt werden sollte, das Vorschläge des Vereins „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ berücksichtigt.

Mit dem Beschluss wurde ein Moratotorium für letzte erhaltene Grenzanlagen verabschiedet, das neben dem denkmalgeschützten Wachturm und dem von den Grenztruppen genutzten Wasserwerk auch kleinere Gebäude wie eine Dieselhalle einschloss.

Im März legte der Verein eine umfangreiche Expertise zu den ehemaligen Grenzanlagen am Jungfernsee vor. Auf MAZ-Anfrage zum weiteren Umgang mit den Grenz-Relikten teilte die Rathaus-Pressestelle am Donnerstag mit, die Verwaltung werde „in einem nächsten Schritt ein Konzept vorlegen, das bau- und planungsrechtliche Fragen mit einschließt“.

Von Volker Oelschläger

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