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Potsdam Tödlicher Unfall: Tram schleift Radler mehrere Meter mit
Lokales Potsdam Tödlicher Unfall: Tram schleift Radler mehrere Meter mit
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22:38 22.09.2017
Das Unglück ereignete sich vor dem Havel-Nuthe-Center. Der Radler wurde von der Tram mehrere Meter mitgeschleift. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Trauer und Schock in Potsdam-Drewitz: Am Freitagnachmittag ist ein Radfahrer beim Überqueren der Schienen in Höhe des Havel-Nuthe-Centers von einer Tram erfasst und getötet worden. Die Bahn traf den 44 Jahre alten Mann frontal und schleifte ihn mehrere Meter mit, wie der Dienstgruppenleiter der Polizei, Karsten Blöss, an der Unfallstelle erklärte. Wie es zu dem Unfall kam, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat einen Gutachter mit der Ermittlung der Unfallursache beauftragt.

Es ist kurz vor 14 Uhr, als der Radfahrer vom Parkplatz am Einkaufscentrum aus über die Gleise fährt. Augenzeugen beobachten den Zusammenstoß, alarmieren die Polizei, doch für den Mann kommt jede Hilfe zu spät. „Er hatte keine Chance“, sagt Einsatzleiter Blöss. Neun Polizisten sind vor Ort, dazu Mitglieder der Feuerwehr. Viele Schulkinder laufen um diese Zeit die Konrad-Wolf-Allee entlang. Vielleicht kam so zunächst das Gerücht zustande, ein Kind sei bei dem Unfall getötet worden. Doch bei dem Opfer soll es sich um einen Familienvater aus dem Stadtteil Am Stern handeln.

Potsdam, 22. September 2017: Am Freitagnachmittag kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu einem schweren Verkehrsunfall eines Radfahrers und einer Straßenbahn im Bereich der Abfahrt Nuthestraße. Der Radfahrer erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

Die Unfallstelle wird abgesperrt, die Konrad-Wolf-Allee ist zeitweise voll gesperrt, der Straßenbahnverkehr eingestellt. Anwohner kommen zur Unfallstelle. Dass die Stelle nicht ungefährlich sei, sagen einige. Früher habe man den Parkplatz von der Konrad-Wolf-Allee aus gar nicht befahren können, sondern nur über die Fritz-Lang-Straße um die Ecke. Dort verlaufen keine Gleise. Am Übergang an der Unglücksstelle macht eine Ampel auf herannahende Züge aufmerksam. Ob sie nicht funktioniert hat oder übersehen wurde, müssen die Ermittlungen zeigen. Tramfahrer würden oft mit hoher Geschwindigkeit die Überquerung passieren, sagen manche Passanten. „Manche feuern hier ganz schön lang“, sagt Jürgen Arndt (78), der direkt gegenüber wohnt. Gleichzeitig betont er: „Viele Radfahrer sind auch unaufmerksam.“ Den Unfall selbst habe er nicht beobachtet, er sei erst später nach draußen gelaufen. Entlang der Gleise führt ein Radweg Richtung Stern. Ob der Radler diesen erreichen wollte, ist unklar. Um den Weg zu erreichen, muss man nicht über die Schienen, sondern kann direkt am Parkplatz abbiegen. Die mit mehreren Fahrgästen besetzte Straßenbahn war in Richtung Stadtteil Am Stern unterwegs. Passagiere kamen nicht zu Schaden.

Straßenbahnfahrer unter Schock

Ob die Stelle ein Unfallschwerpunkt ist, konnte der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) gestern auf Anfrage noch nicht beantworten. „Der Straßenbahnfahrer steht unter Schock und befindet sich derzeit in psychologischer Betreuung“, so Sprecher Stefan Klotz. Der genaue Unfallhergang werde nun ermittelt. ViP-Geschäftsführer Oliver Glaser habe sich ein Bild der Lage gemacht. Er zeigte sich schockiert von dem tragischen Ereignis und erklärt, dass er und das Unternehmen mit den Angehörigen mitfühlen.

Potsdam, 22. September 2017: Am Freitagnachmittag kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu einem schweren Verkehrsunfall eines Radfahrers und einer Straßenbahn im Bereich der Abfahrt Nuthestraße. Der Radfahrer erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Quelle: Julian Stähle

In dieser Woche ist es bereits der zweite Unfall in Potsdam zwischen einem Radfahrer und einer Straßenbahn. Am Mittwochmorgen ist wie berichtet eine Radlerin in der Innenstadt vor eine Straßenbahn gefahren und schwer gestürzt. Die junge Frau überholte die an der Haltestelle wartende Tram verkehrswidrig auf der linken Seite. Als sie wieder auf die Fahrbahn zurückschwenken wollte, blieb sie mit einem Rad im Gleis hängen. Der Straßenbahnfahrer soll ihr nach Augenzeugenberichten nicht zur Hilfe gekommen sein, sondern über den Außenlautsprecher gesagt haben: „Das kommt davon, wenn man die Straßenbahn links überholt.“

Der Verkehrsbetrieb habe den Vorfall am Nauener Tor ausgewertet, so Sprecher Stefan Klotz. Er können bestätigen, „dass sich der Sachverhalt verfestigt.“ Zu Personalangelegenheiten – also zu der Frage, ob das Verhalten des Fahrers Konsequenzen für ihn hat – könnten aber keine weiteren Auskünfte gegeben werden.

Radfahrer bei weiterem Unfall schwer verletzt

Fahrradunfälle haben in Potsdam eine traurige Tradition: Bei einem weiteren schweren Verkehrsunfall in Potsdam ist am Freitagmorgen ein 67-jähriger Radfahrer schwer verletzt worden. Ein Lkw-Fahrer mit Potsdamer Kennzeichen hatte den Radfahrer in der Alleestraße erfasst und war nach der Kollision weiter gefahren. Er habe keinen Aufprall gemerkt, sagte er der Polizei, die ihn dank Zeugen ermitteln konnte.

Am 10. Juli war ein 72-jähriger Radfahrer in der Charlottenstraße mit seinem Rad in die Gleise der Straßenbahn geraten und so schwer gestürzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb. Er hatte keinen Helm getragen und schwere Kopfverletzungen erlitten. Der Mann war unterwegs in Richtung Luisenplatz, als er in die Schienen fuhr, ins Schlingern geriet und vom Rad stürzte.

Von Marion Kaufmann

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