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Tomaccopflanzen im Grenzgebiet

MAZ zu Hause ... in Groß Glienicke Tomaccopflanzen im Grenzgebiet

„A New Pleasure Ground“ ist der Titel einer Aktion von Künstlern der Ateliergemeinschaft Neue Panzerhalle im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke, mit der Barrieren zum benachbarten Flüchtlingswohnheim überwunden wurden. Sinnfällig ist das „Planspiel Hütte“, eine Bretterkonstruktion, die den Drahtzaun zwischen den Grundstücken überbrückt.

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Beret Hamann, Birgit Cauer und Bettina Semmer (v.l.n.r.) im „Planspiel Hütte“.

Quelle: Volker Oelschläger

Potsdam/Groß Glienicke. Kunst kann Grenzen überwinden. In diesem Fall ist die Grenze ein Drahtzaun zwischen dem Garten der Ateliergemeinschaft Neue Panzerhalle und dem Garten des benachbarten Flüchtlingsheims in der Waldsiedlung Groß Glienicke. Die Künstlerinnen Birgit Cauer und Ilse Winkler haben gemeinsam mit Flüchtlingen eine Holzkonstruktion errichtet, die diesen Zaun mit Treppen, Tisch und Dach überbrückt. Die symbolische Begegnungsstätte mit dem Titel „Planspiel Hütte“ ist Teil einer im Juli eröffneten Kunstaktion „A New Pleasure Ground“.

Das Projekt nimmt zum 150. Todesjahr des Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné Bezug auf die seinerzeit beliebte besondere Gestaltung von Parkanlagen in unmittelbarer Nähe herrschaftlicher Wohnräume. Einige der beteiligten Künstler nahmen den Garten wörtlich. So Beret Hamann, die inspiriert von Stadtgartenprojekten an der Stadtmauer von Istanbul einen „Essbaren Garten“ mit Obst und Gemüse anlegte, oder Bettina Semmer, die gemeinsam mit einem syrischen Apotheker dies- und jenseits des Zauns im Halbkreis Heilkräuter mit Erklärungen in Deutsch und Arabisch auf Schiefertafeln anpflanzte.

Bettina Schilling bedeckte den Erdboden um einen Baum herum mit einer im Licht schimmernden Matte aus schwarzen, grauen und weißen Mosaiksteinen, die nun allmählich unter einem Teppich aus Nadeln, Laub und Staub verschwinden. Vera Oxfort füllte einen auf dem Boden liegenden Eisenring mit glatt gestrichenem Sand. Daneben stellte sie eine Bank für Gäste mit Sinn für Meditation. Mittlerweile ist die Oberfläche des Sandes von Wind und Regen aufgeworfen, sprießt Gras, hat der Ring Rost angesetzt.

Federico Guzmán beteiligte sich, inspiriert von der Zeichentrickserie „Die Simpsons“, mit einer Tomaccopflanze, die mit der geschickten gärtnerischen Kreuzung zweier Nachschattengewächse Nikotin in die Tomate bringt. Leider erweist sich Guzmáns „Tomacco Project“ bei näherer Prüfung als Kunststoffmodell.

Enden soll der künstlerische „Pleasure Ground“ am 27. November mit „Aktionen im winterlichen Garten“, so die Einladung, mit einer Ausstellung und Dokumentation. Einige Projekte wie der sandgefüllte Eisenring und die Beete bleiben der Natur überlassen, das „Planspiel Hütte“ hingegen soll demontiert und eingelagert werden. „Im nächsten Jahr“, sagt Birgit Cauer, „wird dafür ein Tor eingebaut – so ist die Vision“.

Info Mehr auf www.neues-atelierhaus-panzerhalle.de

Die Panzerhalle und die Waldsiedlung

1992 zogen die ersten Künstler auf das frühere Kasernengelände der Grenztruppen an der Seeburger Chaussee. Die Gebäude der sogenannten Waldsiedlung stammten noch von der Deutschen Wehrmacht.

1995 eröffnete die wachsende Künstlergemeinschaft in einer aus der Vorkriegszeit stammenden Panzerhalle mit 50 Metern Länge, zwölf Metern Tiefe und acht Metern Höhe ein gewaltiges Gemeinschaftsatelier.

2007 räumten die letzten Künstler die Halle, die später für Villen abgerissen wurde. Neue Arbeitsräume fanden sie in der nahen Waldschule. Heute hat die Gemeinschaft Neues Atelierhaus Panzerhalle rund 25 Mitglieder.

Mittlerweile ist auf dem Gelände der einstigen Kaserne eine Kolonie mit rund 200 Villen errichtet worden. Neben der Waldschule blieben die Preußenhalle und denkmalgeschützte Lkw-Garagen erhalten, die ebenfalls zu Wohnhäusern werden sollen.

Im Sommer 2015 wurde ein Teil der alten Waldschule zur Unterkunft für Flüchtlinge. Zum Jahresanfang wohnten in der vom Internationalen Bund betriebenen Einrichtung 165 Flüchtlinge, aktuell sind es laut Stadt 93.

Weitere Nutzer der Waldschule sind das Stadtarchiv, das Potsdam-Museum, das Naturkundemuseum und die Stadt- und Landesbibliothek, die Räume als Magazin, Archiv und Depot nutzen.

Von Volker Oelschläger

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