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Potsdamer legen bei Handwerkern einen Taler drauf

Potsdamer halten an der guten Sitte des Trinkgeldes für Handwerker fest Potsdamer legen bei Handwerkern einen Taler drauf

Bekommen Handwerker heute noch ein Trinkgeld? Ältere Kunden halten an dieser Sitte fest, weil sie es so gewöhnt sind, sagt die Branche. Für jüngere Leute gilt die Leistung mit der Rechnung als entlohnt. Doch mehr als der kleine Obolus am Rande zählt für die Handwerker das Lob zufriedener Auftraggeber.

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Sylvia Vorwerk bietet Maler Ullrich Geller eine kleine Kaffeepause an.

Quelle: Fotos: Heinz Helwig

Potsdam. Überall in Potsdam und im Umland wird gebaut. Die Baupreise sind günstig, die Zinsen niedrig. Trotzdem sitzt das Trinkgeld für den Handwerker nicht bei jedem Bauherren locker. Es sind vor allem die Älteren, die aus der Gewohnheit heraus dem „Blaumann“ unabhängig von der Schlussrechnung etwas zustecken. Für jüngere Leute unter 40 gilt oft Leistung mit dem Rechnungsbetrag als entlohnt. Sie fühlen sich meist nicht verpflichtet, noch einen Bonus draufzulegen. Die Tasse Kaffee und ein Glas Wasser während der Arbeit oder auch mal ein Frühstück sind allerdings nach wie vor durchgängig üblich.

„Dabei spielt der Umfang des Auftrags nicht so sehr eine Rolle“, sagt beispielsweise der selbstständige Fußbodenleger Volker Habedank. Ausschlaggebend könne bei solchen Nettigkeiten durchaus sein, ob der Kunde seinen Handwerker bereits kenne oder nicht. Habedank verlegt nicht nur den Belag bei seinen Auftraggebern, sondern berät diese bereits vorher bei der Auswahl, so dass ein gewisses Vertrauensverhältnis entsteht. „Wenn die Chemie stimmt, gibt’s auch schon mal ein Frühstück.“ Ein Mittagessen werde dagegen schon seltener angeboten, es sei denn, der Hausherr oder die Hausfrau kochten ohnehin für sich und luden dann den Handwerker dazu ein. „Manchmal muss man auch mal dankbar ablehnen, weil man fertig werden will und schon der nächste Kunde wartet“, meint Habedank. Auch Schokolade und sogar eine Flasche Wein sind ihm schon zugesteckt worden. Das Gläschen in Ehren ist allerdings für den Fußbodenleger tabu. Der Einsatz soll schließlich nicht so enden, wie der von Meister Röhrig und seinen Männern bei Frau Hansen im Comictrickfilm „Werner“.

Trinkgeld ist für Ingo Raboldt auch ein Zeichen der Kundenzufriedenheit

Trinkgeld ist für Ingo Raboldt auch ein Zeichen der Kundenzufriedenheit.

Quelle: Helwig

Trotzdem ist es schön, von Kunden während der Arbeit ein wenig „betuttelt“ zu werden, wie der Installateur Benjamin Knopp findet. „Bei uns heißt es immer: Bei Omi gibt’s noch immer einen Taler drauf.“ Obwohl keiner seiner Kollegen von vornherein erwartet, für seine Arbeit obendrein ein Zubrot zu bekommen. „Wenn wir einen ganzen Tag lang ein Bad eingerichtet haben und von der Hausherrin auch beköstigt wurden, ist es uns schon manchmal peinlich, auch noch ein Trinkgeld anzunehmen“, gibt Knopp zu. Die Beträge lägen je nach Auftrag im Durchschnitt zwischen zehn und zwanzig Euro. Im Umland war eine Eigenheimbesitzerin allerdings so von ihrer neuen Heizungsanlage begeistert, dass sie den Installateuren zusätzlich 200 Euro in die Hand drückte.

„Vom Trinkgeld wird man trotzdem nicht reich“, warnt Trockenbauer Ingo Raboldt vor falschen Schlüssen. Seine Ausbau- und Sanierungsfirma begeht in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Wer mit einem saftigen Betrag rechnen muss, wird nicht noch überdies ans Trinkgeld denken. Dennoch ist für ihn der kleine Obolus auch ein Ausdruck der Zufriedenheit seines Kunden mit der Arbeit.

„Mehr noch als über das Trinkgeld freuen wir uns über eine verbale Würdigung unserer Arbeit. Wenn der Kunde sagt, dass ihm gefällt, was und wie wir es gemacht haben, dann ist das für uns eine größere Anerkennung. Vielleicht empfiehlt er uns ja weiter“, bekennt Fußbodenleger Habedank.

Von Heinz Helwig

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