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Potsdam Trinkwasserressourcen erschöpft – Prüfung einer Wasser-Pipeline
Lokales Potsdam Trinkwasserressourcen erschöpft – Prüfung einer Wasser-Pipeline
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01:16 28.09.2018
Trinkwasser wird in Potsdam immer mehr gebraucht (Symbolbild). Quelle: dpa/Berg
Potsdam

Die Stadt Potsdam ist reich an Wasser, doch die schönsten Havelseen decken den langfristigen Bedarf an Trinkwasser für die stetig wachsende Bevölkerung nicht.

„So wie wir jetzt aufgestellt sind, wird das dargebotene Wasser nicht reichen. Der Sommer 2018 zeigt neue Dimensionen des Wasserbedarfs und damit Anforderungen an die Potsdamer Wasserversorgung“, sagt Karsten Zühlke. Der Hydrologe ist der Wassermanager der städtischen Energie & Wasser Potsdam GmbH (EWP) und für die kommunale Wasserstrategie verantwortlich.

Bis 1990 wurde an einer Pipeline von Niemegk nach Potsdam geplant

Am Dienstag erklärte er einem Fachpublikum aus Klimaforschern bei der Reklim-Konferenz für Regionale Klimaänderungen auf dem Telegrafenberg die spezifische Potsdamer Situation und brachte als Lösung des wachsenden Bedarfs ein lange vergessenes Projekt aus DDR-Zeiten ins Spiel: die Idee einer Wasserfernleitung über 40 Kilometer aus dem Hohen Fläming bis nach Potsdam. „Wir müssen Maßnahmen einleiten, um den wachsenden Bedarf zu decken. Dazu gehört es auch, das Wasser mit größerem technischen Aufwand über weitere Strecken herzuholen“, sagte Zühlke.

Karsten Zühlke ist Wassermanager der EWP Energie und Wasser Potsdam. Er sprach am Dienstag bei der 8.Reklim-Konferenz im Geoforschungszentrum GFZ auf dem Telegrafenberg. Quelle: Peter Degener

Erkundungen in den 1980er Jahren brachten ein positives Ergebnis

Tatsächlich fanden in den 1980er Jahren in Hohenwerbig bei Niemegk hydrogeologische Erkundungsbohrungen mit positivem Ergebnis statt. „Die Erkundungen waren fertig, die Brunnen sollten schon gebohrt werden“, sagt Zühlke, der seit 1987 in der Potsdamer Wasserversorgung tätig ist. Er war damals sogar bei Bürgergesprächen im Fläming dabei.

Potsdams Wasserverbrauch lag 1990 über dem heutigen Wert

Der Wasserverbrauch lag damals deutlich über dem heutigen, weil es viel mehr industrielle Verbraucher gab. Dazu kam der Verbrauch der sowjetischen Garnison. Bewältigt wurden die damaligen Wassermengen nur, weil die Stadt noch das Wasserwerk Stolpe mitnutzen konnte und aus zahlreichen Notbrunnen Wasser ins Netz pumpte, die heute stillgelegt sind. Doch mit der Wiedervereinigung und dem dramatischen Rückgang des Wasserverbrauchs in Potsdam war das Projekt gestorben. 15 Jahre lang sank der Verbrauch, der erst seit 2005 wieder ansteigt.

Im Sommer 2018 wurde soviel aus den Brunnen gefördert wie nie zuvor

Die Wasserressourcen im Stadtgebiet sind allerdings endlich. Wenn zuviel aus den bestehenden Brunnen gefördert wird, wächst auch der Salzanteil im Wasser. Im zurückliegenden Dürresommer habe man im Wasserwerk Leipziger Straße bereits erhöhte Salzwerte feststellen müssen. Der Verbrauch in diesem Sommer sei für Zühlke weit über allen Erwartungen gewesen.

Es gäbe eine „Schallgrenze“ von einer Million Kubikmeter Wasserverbrauch pro Monat – diese ist seit dem Jahr 2000 in genau zwei Monaten knapp gerissen worden. „In diesem Jahr lagen wir von Mai bis August gleich vier Monate in Folge deutlich über dieser Grenze und förderten bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter pro Monat. Das ist außergewöhnlich“, sagt Zühlke.

Am Havelufer liegt das Gelände des Wasserwerks an der Leipziger Straße. Quelle: Christel Köster

Der Potsdamer Wasserverbrauch wird bis 2035 um ein Drittel steigen

Bei der EWP schätzt man, dass der durchschnittliche Tagesverbrauch in Potsdam bis 2035 um etwa ein Drittel steigen wird – von täglich 27 000 Kubikmetern auf knapp 37 000 Kubikmeter. „Wassersparen ist passé“ begründet Zühlke einen zunehmend höheren privaten Verbrauch. Zugleich erwartet man bei der EWP auch mehr gewerbliche Nutzer. Wenn nicht mit langfristigen Investitionen in die Infrastruktur begonnen werde, sei die Versorgungssicherheit künftig „eingeschränkt“.

„Für Potsdam ist es eine realistische Option, die DDR-Planungen noch einmal zu prüfen. Wir haben das bei den Wasserbehörden auch angesprochen. Letztendlich entscheidet das Landesumweltamt, das uns sagt, wo wir Wasser entnehmen dürfen. Wenn wir es jetzt in Angriff nehmen, werden wir rechtzeitig fertig“, sagt er über die langen Planungshorizonte.

Im Fläming ist die Idee bislang unbekannt

Beim Wasserversorgungsverband „Hoher Fläming“ (WAV) ist man über diese bislang nicht in der Öffentlichkeit ausgesprochene Idee erstaunt. „Ich habe vor Jahren mal gehört, dass es früher solche Planungen gab, aber bei uns ist das nicht auf der Tagesordnung“, zeigt sich WAV-Betriebsleiter Peter Gronemeier überrascht.

Die Pipeline wäre eine „Rieseninvestition“

Derzeit wäre man auch nicht in der Lage, den Potsdamern Wasser zu liefern. „Wir fördern im Jahr etwa eine Million Kubikmeter und sind an der Kapazitätsgrenze“, sagt er. Man bräuchte neben der Fernleitung mitsamt Stationen zur Druckerhöhung ein ganz neues Wasserwerk und zahlreiche Brunnen. „Das wäre eine Rieseninvestition“, so Gronemeier.

Von Peter Degener

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