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Potsdam Trotz großer Unterschiede vieles gemeinsam
Lokales Potsdam Trotz großer Unterschiede vieles gemeinsam
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14:20 17.10.2016
Toleranz- und Begegnungsfest 2015 auf der Groß-Glienicker Badewiese. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Hunde bellen wütend. Ein Mann berichtet: „Es war die kolossale Vernichtung eines Parkes.“ Neben dem Monitor im Balkonzimmer des Schlosses Sacrow mit seinem Fernblick zum Flatowturm im Park Babelsberg steht eine Tafel mit historischen Aufnahmen in Schwarz/Weiß. Eine zeigt den Nachbau eines Grenzübergangs für das Suchhundetraining, den man in den 1970er Jahren irgendwo hier draußen in die lennésche Parklandschaft gesetzt hatte.

Sacrow war für die Zeit der Mauer Sperrgebiet, ein Ort, den man nur mit Passierschein betreten durfte. In diesem Jahr erinnert eine Ausstellung daran, „Gärtner führen keine Kriege – Preußens Arkadien hinter Stacheldraht“. Dem zunächst von einer Bootskompanie der NVA und später für die Hundeausbildung des Zolls genutzten „Objekt Sacrow“ ist der zentrale Raum des Schlosses gewidmet.

Zum Mauerfall war die Freude im benachbarten Groß Glienicke „überbordend“. Ortsvorsteher Winfried Sträter (Groß Glienicker Forum) spricht von einem „Weihnachts- und Silvesterrausch“, dem „ein fürchterlicher Kater folgte, weil den Leuten buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen wurde“. Für 80 Prozent aller Grundstücke habe es Ansprüche auf Rückübertragung gegeben, so Sträter, der selbst 1997 aus Berlin nach Groß Glienicke kam: „Das hat die Bewohnerschaft hier nachhaltig verstört und verunsichert.“

Groß Glienicke

4529 Einwohner leben Ende 2015 in Groß Glienicke. 352 von ihnen sind Ausländer, 949 unter 18 Jahre und jünger, 834 sind 65 Jahre und älter.

Der Ortsteil wurde 2003 eingemeindet, misst 10,2 Quadratkilometer und hat eine Bevölkerungsdichte von 443 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Die Wahlbeteiligung zur Kommunalwahl 2014 lag bei 40,1 Prozent. Die SPD führte mit 27,1 Prozent, gefolgt von CDU/ANW (24,7 Prozent) und Linken (17,1 Prozent).

Zur Oberbürgermeisterstichwahl 2010 mit einer Wahlbeteiligung von 31,3 Prozent lang Jann Jakobs (SPD) mit 76,9 Prozent klar vor Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) mit 23,1 Prozent.

Im Ortsbeirat hat das Groß-Glienicker Forum drei Sitze, CDU und SPD jeweils zwei, Linke und UWG jeweils einen.

Zwischen 1500 und 1800 Menschen lebten vor dem Mauerfall in Groß Glienicke. Heute sind es mit mehr als 4500 Menschen rund drei mal so viel. Die erste Siedlung „An der Kirche“ entstand Anfang der 1990er Jahre auch, um denen eine Chance zum Bleiben zu geben, die ihre früheren Wohnungen verlassen mussten. Zeitweise waren die Konflikte augenfällig. Burkhard Radtke, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, erinnert sich an Gottesdienste, bei denen die Alt-Groß-Glienicker auf der einen und die Zugezogenen auf der anderen Seite des Gangs saßen.

Auch Grube hat sich seit 1989 deutlich vergrößert. Damals lebten rund 175 Menschen in der Gemeinde am Westrand von Potsdam, mittlerweile sind es rund 500. Die entscheidende Erweiterung erfuhr Grube in den 1990er Jahren mit der Eigenheimsiedlung Schmidtshof, sagt der aus Berlin zugezogene Ortsvorsteher Rolf Sterzel (SPD), der selbst in einem dieser Häuser wohnt. Allmählich finden alt- und Neu-Gruber zueinander.

Grube

447 Einwohner leben Ende 2015 in Grube. Neun von ihnen sind Ausländer, 98 sind 18 Jahre und jünger, 69 älter als 65.

Der Ortsteil wurde 1939 eingemeindet und kam nach der Ausgemeindung 1952 im Jahr 1993 erneut zu Potsdam. Grube misst 6,5 Quadratkilometer und hat eine Bevölkerungsdichte von 68 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Die Wahlbeteiligung zur Kommunalwahl 2014 lag bei 59,9 Prozent. CDU/ANW lag mit 37,3 Prozent vor SPD (19,6 Prozent) und Grünen (11,8 Prozent).

Zur Oberbürgermeisterstichwahl 2010 mit einer Wahlbeteiligung von 37,6 Prozent lag Jann Jakobs (SPD) mit 73,4 Prozent der Stimmen klar vor Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) mit 26,6 Prozent.

Im dreiköpfigen Ortsbeirat sind SPD, Bürgerbündnis und ein Einzelbewerber.

Zum ersten Straßenfest im September in Schmidtshof kamen „Gäste auch aus anderen Bereichen des Ortes“, schreibt der Ortsbeirat: Die Veranstaltung sei „durchgehend als gelungene Gelegenheit gelobt“ worden, „endlich mal seine Nachbarn kennen zu lernen“.

Groß Glienicke fand durch gemeinsamen Leidensdruck zusammen. Der Ort platzte aus allen Nähten, doch die Straßen verkamen. „Die Leute wateten durch den Schlamm“, sagt Sträter. Eine Boulevardzeitung meldete, das größte Schlagloch Brandenburgs sei in der Sacrower Allee. 2003 stimmten 82 Prozent der Groß-Glienicker für die Eingemeindung nach Potsdam. Mittlerweile hat sich die Probemlage zumindest in der Sacrower Allee massiv geändert: Gäbe es die Mittelinseln nicht, so Sträter, würden manche Leute dort mit 100 Sachen rasen.

Sacrow kam 1939 nach Potsdam. Mit der Eingemeindung versprach man dem Ortsteil eine kostenlose Fährverbindung nach Potsdam, sagt Manfred Stock, der Vorsitzende des Bürgerbeirats. Von diesem Versprechen aber ist seit der deutschen Teilung keine Rede mehr.

Sacrow

148 Einwohner leben Ende 2015 in Sacrow. Zwölf von ihnen sind Ausländer, 23 sind 18 Jahre und jünger, 34 Sacrower sind älter als 65.

Der Ortsteil wurde 1939 eingemeindet, misst 10,5 Quadratkilometer und hat eine Bevölkerungsdichte von 14 Einwohnern je Quadratkilometer.

Die Wahlbeteiligung zur Kommunalwahl 2014 lag bei 51,5 Prozent. Die CDU/ANW führte mit 23,8 Prozent, gefolgt von den Grünen (16,3 Prozent) und der SPD (15,3 Prozent).

Zur Oberbürgermeisterstichwahl 2010 mit einer Wahlbeteiligung von 47,5Prozent lag Jann Jakobs (SPD) mit 71,4 Prozent klar vor Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke).

Gern hätte auch die 150-Seelen-Gemeinde einen Ortsbeirat. Ersatzweise gründete man vor gut zehn Jahren mit Beteiligung der ortsansässigen Vereine – Stock ist für den Kulturverein Ars Sacrow dabei – einen Bürgerbeirat, der sich einmal im Jahr zum Rosenmontag mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zum politischen Stammtisch trifft.

Auch die Sacrower haben ein Raserproblem auf ihrer Durchgangsstraße, doch für Mittelinseln, das vermutet Stock, fehlt der Stadt wohl das Geld. Ein anderes Problem haben sie mit Grube gemeinsam: Die schlechte Busverbindung. Wer in Sacrow oder Grube auf Bus und Bahn angewiesen ist, wird nie eine Abendvorstellung im Hans-Otto-Theater besuchen können.

Eine Gemeinsamkeit ganz anderer Art teilen Grube und Groß Glienicke. Beide Ortsteile feiern 2017 ihr 750-jähriges Bestehen. Für Grube gibt es eine ganz besondere Premiere: Das neue Ortswappen mit einer Tongrube mit Schaufel über einem Fisch im Wasser wurde eben erst vom Ortsbeirat bestätigt.

Von Volker Oelschläger

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