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Potsdam Tschernobyl im Blick
Lokales Potsdam Tschernobyl im Blick
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11:58 13.11.2013
Impression aus "Seven Years of Winter". Quelle: Produktion
Babelsberg

"Für ’ne Flasche Wodka kommt man dort rein", erzählt Marcus Schwenzel freimütig von den laxen "Bewachern" der Todeszone von Tschernobyl. Im März 2011 reiste der Babelsberger nach Kiew, um dort einen Kurzspielfilm zu drehen. "Die Ereignisse von Tschernobyl schienen damals vergessen, aber mich bewegte dieser Ort nach wie vor", erzählt der 43-jährige Mitarbeiter des Thalia-Kinos jetzt: Die gewaltige Reaktorkatastrophe von 1986 sei schließlich ein prägendes Erlebnis seiner Jugend gewesen. Als Schwenzel bei unwirtlichen Temperaturen weit unter Null in und um Tschernobyl seinen Kurzspielfilm „Seven Years of Winter“ (Sieben Jahre Winter) über die Spätfolgen des Super-Gaus drehte, ging der Reaktor in Fukushima hoch. Plötzlich stand nicht nur Tschernobyl im Fokus. Der Filmemacher vor Ort wurde zum gefragten Interviewpartner, sein Projekt bekam traurige Aktualität.

Seither war Schwenzel mit dem Kurzfilm (prominent besetzt mit Hannes Jaenicke und Roman Knižka) weltweit auf Festivals eingeladen, heimste einige Preise ein. Die Jurys bewegte die Geschichte des zehnjährigen Andrej (Sascha Savenkov), den sein korrupten Bruder Artjom (Knižka) nach dem Reaktorbrand immer wieder in die nukleare Wüste in der Umgebung von Tschernobyl schickt. Dort soll der Junge als "Schwarzbuddler" die verlassenen Häuser in der Todeszone plündern und nach Dingen durchsuchen, die sich auf dem Schwarzmarkt verhökern lassen...

Die Festivalreise geht weiter. Momentan befindet sich Schwenzel beim Northern Wave Filmfestival auf Island. Auch zum finnischen Tampere Human Rights Filmfestival wurde „Seven Years of Winter“ eingeladen. Arte hat der Low-Budget-Produktion den TV-Ritterschlag erteilt. Dort läuft das Drama, das ohne öffentliche Filmförderung entstand, am 29. November, kurz vor Mitternacht.

Schwenzel startete vergleichsweise spät seine Filmkarriere, begann erst mit 36 Jahren ein Studium an der Prager Filmakademie. "Das war die schönste Zeit meines Lebens, die Menschen dort sind wundervoll", schwärmt der gebürtige Nürnberger, der an einer deutschen Filmhochschule aufgrund der bestehenden Altersgrenzen kaum hätte studieren dürfen. "Man braucht fürs Filmemachen doch Lebenserfahrung."

Einen Blick für gute Bilder hat der Regisseur nicht erst seit Prag: Er absolvierte eine Fotografenausbildung, arbeitete später in der elterlichen Agentur für Fotografen – und hatte irgendwann die Nase voll vom Kommerz. „Ich verdiene jetzt zwar weniger Geld, bin aber wesentlich glücklicher“, erzählt er. Da Schwenzel nicht allein von der Kunst und Preisgeldern leben kann, war er unter anderem als Reporter für die ZDF-Promi-Sendung "Leute heute" unterwegs, interviewte Stars wie Ewan McGregor ("Bei ihm hab’ ich einen roten Kopf bekommen.") oder Pierce Brosnan ("Ein toller Typ.").

Wer das "Thalia" besucht, wird von Schwenzel auch mal an der Kinokasse bedient. "Ich bin selbst immer gern ins ,Thalia’ gegangen. Irgendwann ergab sich hier eben ein Job." Inzwischen hat der Filmemacher auch die Öffentlichkeitsarbeit des Programmkinos für die sich in Elternzeit befindende Daniela Zuklic übernommen. Im nächsten Sommer will Schwenzel seinen ersten Langspielfilm angehen und erneut in der Ukraine drehen – und erzählen, „was passiert, wenn ein Junge in einer Machogesellschaft heranwächst“.

Fernsehtipp: "KurzSchluss – Das Magazin", Arte, am 29. November, um 23.33 Uhr, anschließend "Sieben Jahre Winter".

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