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Tschüss Soldatenkönig: Stadt verschmäht Erbe

Potsdam lehnt Denkmal ab Tschüss Soldatenkönig: Stadt verschmäht Erbe

Ein unbekannter Gönner vermachte der Stadt Potsdam im Testament 50 000 Euro für eine Hohenzollern-Statue im Lustgarten. Mit dem Geld sollte ein Standbild des Soldatenkönigs finanziert werden. Die Architekten des Neuen Lustgartens fanden die Idee gut – doch bei den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung blieb der große Jubel aus.

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Statue des Soldatenkönigs – für Potsdam kam dies nicht in Frage.

Innenstadt. Zunächst einmal klingt das Ganze ziemlich unglaublich: Da vermacht ein edler Spender der Landeshauptstadt in seinem Testament die stolze Summe von 50 000 Euro. Und was tut die Stadt, die sich ja nicht gerade über prallvolle Sparschweine freuen darf? Lehnt das großzügige Angebot einfach dankend ab! „Die Landeshauptstadt Potsdam hat das Erbe in diesem Fall nicht angenommen“, bestätigt Stadtsprecher Jan Brunzlow.

Mit dem Geld sollte ein Hohenzollern-Denkmal wiedererstehen

Um wen es sich bei dem Gönner handelte, darf nicht verraten werden. Klar ist nur eines: Der verhinderte Spender muss ein Herz für die Historie der Ex-Residenz gehabt haben – insbesondere für die Hohenzollern. „Die Summe war an die Bedingung geknüpft, ein bis zu seiner Zerstörung im ehemaligen Lustgarten befindliches Denkmal König Friedrich Wilhelms I. wieder zu errichten“, erklärt Brunzlow den Sachverhalt.

König Friedrich Wilhelm (der „Soldatenkönig“) galt als Pazifist

1885 hatte Kaiser Wilhelm I. ein Bronzestandbild Friedrich Wilhelms I. von Karl Hilgers gegenüber vom Marstall – heute Sitz des Filmmuseums – an der Nordseite des Lustgartens aufstellen lassen. Friedrich Wilhelm, genannt „der Soldatenkönig“, hatte bekanntlich eine Schwäche für lang gewachsene Militärs. Die Soldaten titulierte er gerührt als seine „Kinder“, was ihn aber nicht daran hinderte, auch bei kleineren Vergehen drakonische Strafen anzuordnen. Dennoch: In die Schlacht wollte der König seine „Kinder“ nicht schicken. Der französische Politiker Mirabeau nannte ihn deshalb einen „Pazifisten“. Er setzte sich für Schulen und andere Verbesserungen für die Bevölkerung ein.

Lustgarten-Architekten gaben grünes Licht fürs Denkmal

Angesichts der testamentarischen Offerte ließ die Stadt die Aufstellung der Königsstatue prüfen. 2013 erarbeiteten die Lustgarten-Architekten Albert Dietz und Anett-Maud Joppien eine Machbarkeitsstudie. Das Ergebnis: „Prinzipiell“, so Brunzlow, gab es von Seiten der Architekten grünes Licht für die Aufstellung. Allerdings, so betont Albert Dietz im MAZ-Gespräch, unter Verzicht auf das „militaristische Brimborium“.

Verantwortliche in Potsdam befürchten „Denkmalkult“

Doch so weit kam es nie. Ob die Rückkehr des Soldatenkönigs in den Lustgarten letztlich doch politisch eine zu heiße Kiste gewesen wäre? Die offizielle Begründung aus dem Rathaus liest sich so: „Im Ergebnis der mittel- bis langfristigen Planung sieht der Masterplan für die weitere Entwicklung des Neuen Lustgartens Anpassungen im Bereich des Festplatzes vor – die Aufstellung von Denkmalen gehört nicht dazu.“ Saskia Hüneke, Bauexpertin der Grünen und beruflich in der Schlösserstiftung tätig, weint dem verschmähten Erbe jedenfalls keine Träne nach: Sie habe „ein Problem damit, den Denkmalkult des 19. Jahrhunderts in Form von Nachgüssen wiederzubeleben“.

Das Erbe ist futsch: Potsdam verzichtet auf 50 000 Euro

Was aus dem 50 000-Euro-Erbe letztlich wurde, bleibt unbekannt. Fakt ist: Das Geld geht Potsdam wohl definitiv durch die Lappen. Denn: „Dem Vorschlag, die Nachlasssache für die weitere Restaurierung der Ringerkolonnade und deren Skulpturenschmuck zu verwenden, konnte leider seitens des Testamentsvollstreckers nicht entsprochen werden“, erklärt Stadtsprecher Brunzlow.

Von Ildiko Röd

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