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Udo Lindenberg übersiedelt ins Palazzo Pompei

Galerien in Potsdam Udo Lindenberg übersiedelt ins Palazzo Pompei

Bislang hatte Galerist Albert Baake eine Galerie in der Mittelstraße im Holländischen Viertel. Jetzt geht er auf Expansionskurs. Im Mai eröffnet er ein zweites Domizil, nur einen Steinwurf vom Museum Barberini entfernt. Mit Panikrocker Udo Lindenberg ist Baake nicht nur seit gemeinsamen Hamburger Zeiten nur befreundet – er stellt auch seine Bilder aus.

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Albert Baake mit einem Lindenberg-Bild vor den neuen Galerieräumen.

Innenstadt. Lang, lang ist’s her, da fuhr Nuschelbarde Udo Lindenberg mit dem Sonderzug nach Pankow – zumindest musikalisch. Heutzutage nimmt er lieber den Sonderzug zum Alten Markt in Potsdam – zumindest in seiner Eigenschaft als Maler. Dort werden im Palazzo Pompei bald Udos Unikate an den Galeriewänden hängen. Der Panik-Rocker schwingt seit Jahren erfolgreich den Pinsel. Wer sich einen echten Lindenberg an die Wohnzimmerwand hängen möchte, ist bei Albert Baake richtig. Aber auch Freunde der Pop-Art oder von handsignierten Drucken von Joan Miró bis Picasso werden bei Baake fündig. Der Galerist aus der Mittelstraße im Holländischen Viertel befindet sich derzeit auf Expansionskurs. Im Mai eröffnet er direkt gegenüber vom Landtag im schicken Palazzo Pompei eine zweite Galerie.

Momentan erstrahlen die Wände in dem Ladenlokal im Erdgeschoss noch in jungfräulichem Weiß. Aber die Nachbarschaft – etwa die Inhaberin des Juwelier-Geschäfts gleich gegenüber – freut sich auf den Neuzugang. Ein weiterer „Nachbar“ wird auch schon mit Spannung erwartet: Das Museum Barberini von Mäzen Hasso Plattner ist nur einen Steinwurf entfernt und wird nach seiner Eröffnung Anfang 2017 den Alten Markt zum Mekka für Kunstfreunde machen.

Der Palazzo Pompei in der Humboldtstraße 3

Der Palazzo Pompei in der Humboldtstraße 3.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Genau darauf setzt auch Albert Baake, dem der Sinn fürs Geschäft in die Hamburger Wiege gelegt wurde. Geboren als Sohn eines Geschäftsmanns in Blankenese, studierte er später an der Kunsthochschule. Gleichzeitig absolvierte er ein Grafik-Studium. Zunächst zog es ihn ins Marketing. Als Europa-Chef der Designsparte eines großen internationalen Konzerns war er ständig auf Achse. „Da konnte ich auch viele wertvolle Kontakte knüpfen“, erzählt Baake, dessen umgängliches, hanseatisch-unaufgeregtes Wesen sicher ein großes Plus in der oft exzentrischen Künstlerwelt darstellt. Wobei der Galerist die mutmaßlichen Paradiesvögel oft auch von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Beispiel: Udo Lindenberg. Eigentlich ein ganz bodenständiger, im wahrsten Wortsinne nüchterner Typ, der keinen Tropfen mehr anrührt – außer dem obligaten Eierlikörchen hin und wieder.

Privat nuschelt Udo gar nicht

Auch das berühmte Udo-Nuscheln wird nur zu öffentlichen Anlässen rausgeholt, privat redet der Rocker wie Otto-Normal-Hamburger. Außerdem erfreut er sich bester körperlicher Kondition. „Ich habe ihn neulich morgens um drei nach einem Konzert getroffen – da war er fit wie ein Turnschuh“, berichtet Baake. Ein passionierter Nachtarbeiter ist der King of Panikrock obendrein: Die Bilder werden bevorzugt dann gemalt, wenn andere Menschen ihren Schönheitsschlaf konsumieren. Dafür werden Udos Werke schön. Preislich ist man bei einem kleineren Format ab 3600 Euro dabei. Großformate liegen zwischen 12 000 und 16 000 Euro. Baake und Lindenberg kennen sich seit „Onkel Pö“-Zeiten, einer einst legendären Kneipe in Eppendorf, die im Lied „Alles klar auf der Andrea Doria“ verewigt wurde („Bei Onkel Pö spielt ’ne Rentnerband / seit 20 Jahren Dixieland“). Auch mit einem anderen malenden Musiker kommt der Galerist bestens klar: Frank Zander. Dessen Fisch-Bilder gehören ebenfalls zum festen Inventar; genauso wie die Werke von Komiker Otto Waalkes. Während Baake gerne über seine Promi-Künstler plaudert, gibt er sich hinsichtlich der oft ebenfalls bekannten Kundschaft diskret – Privatsache ist Ehrensache.

In den neuen Galerieräumen

In den neuen Galerieräumen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Gar nicht zugeknöpft ist der Kunsthändler, wenn er über die glücklichen Zufälle in seinem Leben spricht. Zum Beispiel wie er seine Galerie in der Mittelstraße fand. „Ich lief durch’s Holländische Viertel und sah das ,Zu Vermieten’-Schild im Fenster.“ So wurde aus dem Touristen im Jahr 2009 ein überzeugter Potsdamer. Ähnlich komplikationslos kam er zur Galerie im „Pompei“: Hier gab ihm eine Kundin, die in der Immobilien-Branche tätig ist, den Tipp für die Top-Lage.

Von Berufs wegen ist Baake ein Weltenbummler

Ob Baake angesichts all der barocken Schönheit dann im neuen Domizil zum „Stubenhocker" wird, der nur noch gebannt auf die rosafarbene Landtagsfassade starrt? – Wohl kaum. Denn der Galerist ist von Berufs wegen ein Weltenbummler. Eines seiner Hauptziele ist Spanien, besonders Mallorca und Barcelona, wo Joan Miró lebte und arbeitete. Auch Druckgrafiken von Antoni Tàpies, Salvador Dalí und Picasso werden oft angekauft – natürlich handsigniert und im Werkverzeichnis der Künstler zu finden, sonst wären sie kaum etwas wert. Großmeister wie Picasso machten mit ihren autorisierten Drucken gut Kasse und waren „total happy“ über die Kooperationen mit ihren Lithografen, schildert Baake den geschäftstüchtigen Ansatz der Künstler.

Auch im Alltag eines Galeristen ist nicht alles nur Jubel, Trubel, Vernissage. Momentan geht es darum, letzte Handwerker-Arbeiten im neuen Domizil zu betreuen. Wann die Einweihungsparty steigt, ist noch nicht klar. Aber Udo Lindenberg wird sicher dabei sein – entweder in Fleisch und Blut oder auf der Leinwand.

Von Ildiko Röd

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