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Potsdam Kaum bekannt – die ersten Frauen im Stadtparlament
Lokales Potsdam Kaum bekannt – die ersten Frauen im Stadtparlament
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18:35 11.03.2018
Jeanette Toussaint will mehr über Motive und Leben von Potsdamer Lokalpolitikerinnen herausfinden. Quelle: Foto: Degener
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Innenstadt

Seit 99 Jahren sitzen neben Männern auch Frauen in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung. Im März 1919, nach der ersten Wahl, die Frauen Sitz und Stimme gab, waren es sechs von 60 Mitgliedern des Stadtparlaments. „Mit flotten zehn Prozent Frauenanteil ging es los. Auf kommunaler Ebene war das Verhältnis damit besser, als in der Nationalversammlung“, sagt Jeanette Toussaint.

Die Potsdamer Ethnologin hat sich genauer mit den weiblichen Stadtverordneten in Potsdam und Babelsberg beschäftigt. Am Dienstag eröffnet sie mit einem Impulsreferat um 18 Uhr ein Podiumsgespräch zum anstehenden Jubiläum des Frauenwahlrechts im Potsdamer Rathaus.

Anteil weiblicher Stadtverordneter sinkt wieder

„Wir haben oft den Eindruck, dass die Gleichstellung auf einem guten Weg ist, aber das stimmt nur punktuell. Der Anteil weiblicher Stadtverordneter zum Beispiel sinkt seit Jahren wieder“, sagt Toussaint. Tatsächlich waren 1993 noch 44 Prozent der Stadtverordneten Frauen – heute sind es mit 21 von 57 Mitgliedern noch 37 Prozent.

Seinen Tiefpunkt erreichte das deutsche Frauenwahlrecht freilich bereits kurz nachdem es errungen worden war – mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Die Stadtverordnetenwahlen vom 12. März 1933 – heute vor 85 Jahren – hatten nur kurze Gültigkeit. Am 1. Januar 1934 wurde das Gremium durch einen rein beratenden Gemeinderat ersetzt, in den Bürger berufen wurden. „Frauen waren nicht darunter“, sagt Touissant.

„Kompliziertes bürokratisches Räderwerk ist für Frauen wesensfremd“

Doch in den wenigen Jahren zuvor hatten sich Frauen in der Potsdamer Kommunalpolitik etabliert. Die SPD-Zeitung „Potsdamer Volksblatt“ schreibt 1931, dass sich in den Parlamenten ein „vielseitiges, interessantes Arbeitsfeld für das Volkswohl“ für die Frauen biete und „viele Verbesserungen“ in sozialen Bereichen geschaffen wurden. Das klang einige Jahre früher noch ganz anders. „Das komplizierte bürokratische Räderwerk ist dem auf das Lebendige und Praktische gerichteten Sinn der Frau wesensfremd“, heißt es in einer Zeitung noch 1923.

Wahlplakat der Deutschen Demokratischen Partei für die Wahl zur preußischen Landesversammlung 1919. Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung

Doch die weiblichen Stadtverordneten nutzen ihre Chance von Beginn an.

Am 29. März 1919, nur wenige Tage nach der ersten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mit ihren neugewählten sechs Frauen, schreibt die Potsdamer Tageszeitung: „Bei dem Antrage auf Bewilligung von 1000 Mark für den Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein ergriffen zum ersten Male zwei weibliche Stadtverordnete das Wort. Frau Schulz und Fräulein Krohn. Sie wendeten sich gegen Ausführungen des Stadtverordneten Wolter“, heißt es dort unbestimmt.

Im Ausschuss für Bittgesuche waren die Frauen sehr aktiv

Vor allem im Ausschuss für Bittgesuche spielten die Potsdamer Frauen eine Rolle. „Ich glaube, das war ihnen vom eigenen Lebensmilieu her vertrauter und auch die Männer waren dafür aufgeschlossener, dass die Frauen im Parlament sich damit auseinandersetzen“, vermutet Toussaint.

Über vieles muss sie spekulieren. Viel mehr als Namen, Partei und Beruf weiß Toussaint über die meisten Frauen nicht. Hausfrauen, eine Buchhalterin, die in mehreren Vereinen engagierte Frau eines Bauingenieurs oder eine Postsekretärin waren unter den ersten Stadtverordneten. „Ich konnte immerhin die Enkelin der SPD-Stadtverordneten Pauline Wuttke ausfindig machen“, erzählt Toussaint.

Das undatierte Bild zeigt Pauline Wuttke (1880-1950), die zu den ersten weiblichen Stadtverordneten Potsdams zählt. Die Nationalsozialisten entzogen ihr 1933 das Mandat. Quelle: privat

Die 1880 geborene Wuttke war von 1928 bis 1933 im Stadtparlament und damals die einzige Frau in einem Ausschuss. Die Hausfrau und Gattin eines Schirrmeisters vertrat die Stadt im Kuratorium von mehreren sozialen Einrichtungen. Nachdem die Nazis die SPD verboten haben, verbietet ihr der Potsdamer Polizeipräsident am 20. Juli 1933 wegen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ auch die Tätigkeit als Stadtverordnete.

Toussaint sucht Dokumente, Fotos und biografische Informationen

Solche Details kennt Toussaint nur in wenigen Fällen.„Es ist kaum etwas zu den biografischen Hintergründen dieser Frauen bekannt, vor allem nichts über ihre Motive in die Politik zu gehen“, sagt Toussaint. Sie beschränkt ihre Recherchen dabei nicht auf die Weimarer Zeit, sondern will alle Epochen betrachten. Außerdem hofft sie, dass Angehörige solcher Frauen aus der Nachkriegszeit und DDR sich an sie wenden. „Ich suche Fotos, Dokumente und Details zu den Biografien. Was brachte die Frauen dazu, sich zu engagieren?“, fragt Toussaint.

Gespräch auf dem toleranten Sofa

In den Plenarsaal des Rathauses laden der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt und das Autonome Frauenzentrum am Dienstag um 18 Uhr. „Wir können wählen, oder? 100 Jahre Frauenwahlrecht“ heißt es in der Reihe „Das tolerante Sofa“.

Auf dem Podium diskutiert Radiomoderator und Regisseur Jürgen Kuttner mit Bettina Jahnke, der künftigen Intendantin des Hans-Otto-Theaters, und Monika von der Lippe, der Gleichstellungsbeauftragten des Landes.

Von Peter Degener

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