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Überlastet: Pflegerin schließt Heimbewohner ein

Freiheitsentzug im Luisengarten Potsdam Überlastet: Pflegerin schließt Heimbewohner ein

Zum Vorwurf der Misshandlung in der neuen Evangelischen Seniorenresidenz Luisengarten in Potsdam äußern sich nun die Heimleitung und der Träger. Die betroffene Pflegerin habe einen Demenzkranken eingeschlossen, weil sie sich überlastet gefühlt habe. Es sei ein „Blackout“ gewesen, so der Träger.

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Am Mittwoch wurde die Residenz eingeweiht.

Quelle: Bernd Gartenschläger.

Potsdam, Bornstedter Feld. Überforderung sei der Grund für den Misshandlungsvorfall in der neuen Evangelischen Seniorenresidenz Luisengarten gewesen. „Die Mitarbeiterin hat sich überlastet gefühlt“, erklärte Residenzleiterin Heide Gabel am Mittwoch gegenüber der MAZ. „Das war ein Blackout“, meint Thomas Glaubitz, Vorstandsvorsitzender des Landesausschusses für Innere Mission (Lafim), der das Heim mit 79 Plätzen, davon erst neun belegten, im Bornstedter Feld betreibt.

Wie berichtet, kontrolliert die Landesaufsicht für unterstützende Wohnformen am Dienstag, einen Tag vor der offiziellen Einweihung, die Residenz nach einer Selbstanzeige der Heimleitung. Eine Mitarbeiterin hatte einen demenzkranken alten Mann in seinem Zimmer eingeschlossen. Eine Kollegin bemerkte das und schlug Alarm. Inzwischen hat die Informantin ihre Kündigung auf dem Tisch. „Das hat nichts mit dem Vorfall zu tun“, versichert Heimleiterin Heide Gabel. Dafür habe es andere Gründe gegeben.

Die ausgebildete Pflegerin, die den Mann eingeschlossen habe, bedauere ihren Fehler sehr. Gegen sie seien disziplinarische Maßnahmen verhängt worden. „Aus arbeitsrechtlicher Sicht gibt es aber keinen Grund für eine Kündigung“, erläutert Lafim-Vorstandsassistentin Daniella Haase. Das gesamte Team soll nun sensibilisiert und geschult werden. „So etwas darf nicht vorkommen“, betont Haase. Freiheitsentzug sei im Umgang mit Bewohnern ohne deren Einwilligung verboten. Dem Demenzkranken sei nichts passiert, er habe nicht bemerkt, dass die Tür zu war. Zum Abschließen des Zimmers war kein Schlüssel notwendig. Die Tür ist innen und außen mit einer Drehknaufverriegelung versehen, ähnlich wie sie bei Bädern zum Einsatz kommt. Der Mann hätte die Verriegelung notfalls von innen aufbekommen, erklärt Heide Gabel. Die Angehörigen seien informiert worden. Von einer Anzeige oder anderen Konsequenzen sehen sie ab.

Bauherr Daniel Egenter, Ulrike Bennewitz, Lafim-Geschäftsführerin Dienste für Menschen im Alter, Vorstandsvorsitzender Thomas Glaubitz und Res

Bauherr Daniel Egenter, Ulrike Bennewitz, Lafim-Geschäftsführerin Dienste für Menschen im Alter, Vorstandsvorsitzender Thomas Glaubitz und Residenzleiterin Heide Gabel.

Quelle: Kaufmann

Nicht verifiziert werden konnte der Vorwurf, dem Mann seien auch zu viele Schlaftabletten verabreicht worden. Die Medikamente für die Bewohner seien abgezählt. Wenn eine Tablette aus dem Bestand gefehlt hätte, wäre das aufgefallen, so Lafim-Regionalleiter Johannes Keßler.

Der von der MAZ publik gemachte Vorfall war am Mittwoch auch Thema bei der Einweihungsfeier. „Einrichtungen müssen ein Klima schaffen, in dem sich Mitarbeiter trauen, solche Vorfälle zur Sprache zu bringen“, sagte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) in seinem Grußwort. Es sei gut, dass die Heimleitung schnell reagiert habe. Der Pflegestützpunkt – einer neutrale Stelle von Stadt, Pflege- und Krankenkasse – könnte dem Haus beratend zur Seite stehen.

Die Leitung erklärt den Fehler auch mit den Mühen der Anfangszeit und der Schwierigkeit, in der Branche genug qualifiziertes Personal zu finden. Das Heim hat im September die ersten Bewohner aufgenommen und bislang rund 30 Mitarbeiter eingestellt. „Es dauert immer etwas, bis ein Team sich findet“, meint Heide Gabel.

Von Marion Kaufmann

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