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Umkämpfte Wege der Moderne

Symposium am Potsdam-Museum Umkämpfte Wege der Moderne

In einer wissenschaftlichen Tagung „Umkämpfte Wege der Moderne. Perspektiven auf Kunst und Gesellschaft im Deutschen Reich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ stellt das Potsdam-Museum ab Donnerstag erstmals Pläne für eine gleichnamige Doppelausstellung vor, die besonders Potsdam und Babelsberg in den Fokus nimmt.

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Ausstellungskommission der Novembergruppe 1924 bei der Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung.

Quelle: Bundesarchiv Koblenz, Bild 183-529554/Fotograf unbekannt/Lizenz CC-BY-SA 3.0

Potsdam. Wilhelm Schmid (1892-1971) war Architekt und Maler. Im Januar 1919 war der gebürtige Schweizer unter den Mitgründern der Novembergruppe, einer interdisziplinären Künstlervereinigung, die unter dem Eindruck der Novemberrevolution auf eine „engste Vermischung von Volk und Kunst“ und das Kunstleben Berlins bis 1933 maßgeblich prägen sollte. Nach Potsdam kam er 1914 als Architekt für den Umbau der Villa Metz am Heiligen See, nach 2000 unter dem Namen Villa Wunderkind als Wohnhaus Wolfgang Joops bekannt, das vor wenigen Monaten von der Hasso-Plattner-Stiftung erworben wurde. Sein eigenes „Etappenhaus“ errichtete Schmid zwischen 1923 und 1935 in mehreren Bauabschnitten in der heutigen Böcklinstraße. Von den Nazis verfemt, emigrierten Schmid und seine Frau Maria Schmid-Metz 1937 in die Schweiz.

Wilhelm Schmid, der als Maler vom Expressionismus über die Neue Sachlichkeit zum Magischen Realismus fand, ist die zentrale Figur im ersten Teil einer zweiteiligen Sonderausstellung, mit der das Potsdam-Museum 2018/19 den Zeitraum von 1914 bis 1945 in den Blick nimmt. Das Ausstellungsprojekt wird ab Donnerstag in einem dreitägigen wissenschaftlichen Symposium „Umkämpfte Wege der Moderne. Perspektiven auf Kunst und Gesellschaft im Deutschen Reich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ im Museum erstmals öffentlich diskutiert.

Anliegen der Sonderausstellung ist es, die gesellschaftlichen Entwicklungen und Verwerfungen jener Jahre aus Potsdamer Perspektive zu erzählen. Museumsdirektorin Jutta Götzmann wird auf dem Symposium mit Blick auf Wolfgang Schmid die Pläne für den ersten, der Kunstszene zugedachten Teil der Sonderausstellung vorstellen, der vom September 2018 bis Januar 2019 gezeigt werden soll. Wenke Nitz spricht über den für Februar bis Juni 2019 geplanten zweiten Teil über die Alltagsgeschichte in Potsdam und Babelsberg zwischen 1914 und 1945.

Die geplante Ausstellungsreihe „Umkämpfte Wege der Moderne“ im Potsdam-Museum ist Teil eines europäischen Verbundprojektes, an dem zehn Kulturinstitutionen beteiligt sind, darunter die Königlichen Museen der Schönen Künste Brüssel, das Zentrum für Zeitgenössische Kunst DOX in Prag, das Museum für Gegenwartskunst Krakau und Historial de la Grande Guerre Péronne. Basis des gemeinsamen Vorhabens ist der historische Widerstreit um die Zukunft in den Jahren von 1900 bis 1945. Unter der Marke „Clash of Futures“ entwickeln die beteiligten Institutionen ein vielfältiges Angebot, mit dem die künstlerischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Zäsuren dieser vielschichtigen Epoche vergegenwärtigt werden.

„Clash of Futures. Gegenläufige Tendenzen in der Moderne“ ist das Thema eines Vortrags von Monika Flake am Eröffnungstag des Symposiums. Den Begriff der „reaktionären Moderne“ füllt Patrick Merziger mit seinem Vortrag über „populäre Medien und Massenkultur im Nationalsozialismus“. Am Donnerstagabend gibt es eine Soiree des Hans-Otto-Theaters mit den Darstellern der aktuellen Inszenierung „Abend über Potsdam“ über das 1930 entstandene gleichnamige Gemälde von Lotte Laserstein (1898-1993). Weitere Themen am Freitag sind unter anderem „Gespaltene Republik – Gespaltene Kunst. Einstellungen zu Revolution und Weimarer Demokratie“ mit Ursula Büttner, sowie ein Rückblick auf „Stationen der Moderne“ von Britta Kaiser-Schuster.

Umkämpfte Wege und weitere Projekte

Das Symposium zur Vorbereitung der Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne“ wird am Donnerstag um 15 Uhr eröffnet. Beginn am Freitag und Sonnabend jeweils um 10 Uhr. Anmeldungen sind immer noch eine Stunde vor dem Veranstaltungsbeginn möglich. Mehr unter Telefon 0331/289 68 68.

Auf das Ausstellungsprojekt verweist auch die nächste Sonderausstellung „Leben ist Glühn“ des Potsdam-Museums über den Berlin-Potsdamer Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), der die letzten Tage der NS-Zeit in einem Versteck in Berlin-Grunewald überlebte. Die erste Gemeinschaftsausstellung des Museums mit der Fritz-Ascher-Society New York wird am 10. Dezember eröffnet.

Eine erste Kooperation des Potsdam-Museums mit dem Museum Barberini unter dem Titel „Doppelspiel – Harald Metzkes im Potsdam-Museum und im Museum Barberini“ mit einer Führung durch die Ausstellung „Hinter der Maske: Künstler in der DDR“ im Museum Barberini und einem Vortrag „Harald Metzkes – Ich verfasse mich selbst“ mit Jutta Götzmann ist zum 16. November angekündigt.

Von Volker Oelschläger

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