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Potsdam Neue Ausstellung: Wilhelm Schmid und die Novembergruppe
Lokales Potsdam Neue Ausstellung: Wilhelm Schmid und die Novembergruppe
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01:15 29.09.2018
Starke Formen und Farben: Britta Kaiser-Schuster (Kulturstiftung der Länder, l.) mit den Kuratoren Jutta Götzmann und Thomas Stein. Quelle: foto: Bungert
Innenstadt

Luna sorgte 1920 für reichlich Aufsehen. In leuchtendem Zitronengelb steht die Frau mit kurvigen Formen nackt mit Hut in der Mitte des Bildes. Daneben ranken sich zu ihrer Linken Pflanzen, auf der Rechten Häuser.

Als Wilhelm Schmid, der Maler dieses Bildes, Reichspräsident Friedrich Ebert das Gemälde in der Kunstausstellung in Berlin zeigte, soll er gesagt haben: Die gelbe Säule solle für sich selbst sprechen – und gefallen müsse sie auch niemandem. „Das Letztere haben Sie aber wirklich gut verstanden“, entgegnete Ebert lächelnd. Die Kunst hatte nicht mehr den Anspruch, gefällig zu sein und ist provokativ bis heute, erklärt Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums. Sie ist die Kuratorin der neuen zweiteiligen Ausstellungsreihe „Umkämpfte Wege der Moderne“, die mit „Wilhelm Schmid und die Novembergruppe“ ab Samstag im Potsdam Museum ihren Auftakt hat und ihren Schwerpunkt auf die künstlerischen und historischen Umbrüche von 1918 bis 1945 legt.

Der Potsdamer Wilhelm Schmid (1892-1971) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Novembergruppe, in der die selbsternannten „Revolutionäre des Geistes“ mit den alten Formen der Kunst brachen. Die Kunst sollte mit dem Volk zusammengebracht werden, weg vom elitären Image. Zu Hochzeiten hatte die bedeutende Kunstgruppe an die 150 Mitglieder.

Über 130 Exponate sind zu sehen – darunter 50 von Wilhelm Schmid. „Mit der Ausstellung wollen wir Werke nach Potsdam holen, die hier entstanden sind und erstmals wieder auch hier gezeigt werden“, so Götzmann. Der gebürtige Schweizer Schmid, ein Architekt und Künstler, war 1912 nach Berlin eingereist und arbeitete dort für das Architekturbüro Paul Renner. Genau jenes Büro wurde 1914 beauftragt, die Villa des Amtsratgerichtsrats Ernst Metz am Heiligen See, die heutige Villa Wunderkind und Stiftungssitz von Hasso Plattner, umzubauen. Schmid lernte dabei die Tochter des Bauherren Maria kennen. Die Liebe zu ihr brachte ihn dann Potsdam. In der Böcklinstraße entwarf Schmid eine Landhausvilla für sich und seine Gemahlin. Zu sehen sind unter anderem die Werke Santa Maria II oder Feldblumen, die einst in der Villa hingen.

Vielfalt der Stile

Gezeigt wird die ganze Vielfalt zwischen Expressivität und neuer Sachlichkeit, die mit starken Formen und Farben aus der Form fallen wollte. Den avangardistischen Anspruch sich abheben zu wollen, greift das Ausstellungskonzept mit markanten Farben auf. „Die Pluralität wird ab 1933 aber im Keim erstickt“, erklärt Götzmann. „Fuoco“, das Hauptwerk Schmids, wird von den Nationalsozialisten 1937 als entartete Kunst eingestuft. Die Existenz des Künstlers, der ab 32 kaum noch Bilder verkaufen konnte, war bedroht. Mit dem Weggang seiner jüdischen Frau zurück in die Schweiz, endet die Ausstellung.

Die Ausstellung beleuchtet in der unteren Etage seine Biografie und den Verbund mit Künstlern aus Potsdam wie Heinrich Basedow oder Otto Heinrich. Im oberen Teil werden die Ziele der Novembergruppe nachgezeichnet. Zu sehen sind unter anderem Werke von Georg Tappert, Arthur Sega und Otto Möller. Die Ausstellung habe einen starken Gegenwartsbezug. Auch heute sei die Vielfalt bedroht, so Götzmann. Für den zweiten Teil möchte sie deshalb mit der Landeszentrale für politische Bildung Kontakt aufnehmen.

Die Doppel-Ausstellung im Überblick

Die Ausstellung wurde mit bedeutenden Leihgaben unterstützt, darunter solchen aus dem Aargauer Kunsthaus und der Berlinischen Galerie. Auch viele private Leihgaben waren darunter. Die Schirmherrschaft hat die Schweizer Botschaft. Wissenschaftsministerin Martina Münch ist Schirmherrin des Gesamt-Projektes.

Anlass für die Ausstellung ist das 100-jährige Gründungsjubiläum der Novembergruppe. Der erste Teil läuft bis zum 27. Januar. Der Eintritt kostet 5 Euro.

In dem zweiten Teil der Doppelausstellung sollen ab Februar bis Juni Stadtgeschichten aus Babelsberg erzählt werden.

Von Anne Knappe

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