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Potsdam Umstrittener Film empört Potsdams Ärzte
Lokales Potsdam Umstrittener Film empört Potsdams Ärzte
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02:16 10.04.2017
Quelle: dpa-tmn
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Potsdam

Kinderarzt Steven Rohbeck hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Ganz furchtbar, einfach unmöglich“ findet der Mediziner, dass das Babelsberger Thalia-Kino an diesem Samstag den umstrittenen Impfgegner-Film „Vaxxed“ zeigt. In Potsdam werde es ohnehin schon immer schwerer, Eltern von der Lebensnotwendigkeit des Impfens zu überzeugen, sagt Rohbeck, der gemeinsam mit einem Kollegen eine Praxis am Luisenplatz betreibt.

Die Zahlen belegen das: Die Impfquoten für die Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln, um die es in dem Film des britischen Regisseurs Andrew Wakefield geht, liegen in Potsdam unter dem Landesschnitt. Den kompletten Impfschutz, also zwei Impfungen, hatten 2015 nur 87,3 Prozent der Kleinkinder erhalten. Im Havelland sind es 94,7, brandenburgweit 88,7 Prozent. Bei den Einschülern konnten in Potsdam 90,4 Prozent einen Vollschutz aufweisen. Deutlich weniger als in der Prignitz mit 97,6 Prozent. Der Landesschnitt liegt in der Altersgruppe bei 95,2 Prozent.

Im Berliner Umland sind die Impfquoten geringer

„Manche Eltern fürchten Spätfolgen oder sorgen sich, weil das Kind nach einer Impfung vielleicht ein, zwei Tage Fieber hat“, sagt Kinderarzt Rohbeck. Berichte im Internet oder Filme wie „Vaxxed“ beförderten diese – aus seiner Sicht unbegründeten – Ängste. „Wir sind Impfverrückte“, bekennt Rohbeck. Schon beim Aufnahmegespräch werde den Eltern erklärt, wie wichtig der Schutz sei. „Die meisten lassen sich überzeugen“, sagt er. „Wenn jemand sein Kind partout nicht impfen lassen will, schicken wir ihn zu einer anderen Praxis.“

Auch das Gesundheitsministerium findet deutliche Worte zum Film „Vaxxed“. Bei diesem handle es sich um einen Ausdruck der freien Meinungsäußerung und nicht um einen wissenschaftlich fundierten Bericht, erklärt Sprecher Gabriel Hesse. Der Film behandelt den angeblichen Zusammenhang von Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) und weltweit steigenden Autismuszahlen. Die Aussagen seien seit Jahren wissenschaftlich widerlegt, so Hesse. „Wer behauptet, Impfungen seien nicht notwendig oder sogar schädlich, handelt absolut unverantwortlich!“. Immer wieder sterben vor allem Kleinstkinder an Masern. „Masern könnten längst ausgerottet sein, wenn alle Menschen dagegen geschützt wären“, sagt der Sprecher von Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). „Impfverweigerer handeln verantwortungslos und egoistisch, denn sie verlassen sich auf den Impfschutz der anderen.“ Brandenburg gehöre zu den Bundesländern mit den höchsten Impfquoten. Allerdings gebe es deutliche regionale Unterschiede. „Insbesondere einige Regionen im Berliner Umland weisen im Vergleich zu Kommunen im weiteren Metropolenraum niedrigere Quoten auf“, erklärt Hesse.

Thalia versteht den Film als Diskussionsbeitrag

Warum die Quote in Potsdam niedriger ist als im Landesschnitt, vermag die Stadt nicht zu sagen. „Im täglichen Kontakt mit den Familien ergeben sich bei fehlenden Impfungen vielfältige Gründe als Ursache“, sagt Sprecher Jan Brunzlow. Neben der bewussten Ablehnung gerieten Auffrischungsimpfungen in Vergessenheit oder könnten aufgrund von Krankheit nicht zeitgerecht durchgeführt werden. Zum Film „Vaxxed“ will sich die Stadt nicht äußern: „Die Programmauswahl in den Kinos obliegt allein den Betreibern“, so Brunzlow.

Der Thalia-Betreiber erklärt auf seiner Homepage: „Hier im Kino arbeiten auch viele Eltern mit mehreren Kindern, die geimpft sind.“ Man wisse um die Umstrittenheit des Films, aber: „Wir vertreten den Standpunkt, dass in einer demokratischen Gesellschaft angemessen, offen und sachlich diskutiert werden darf und muss.“

Regisseur kommt ins Thalia

Der Film „Vaxxed – Die schockierende Wahrheit!“ wird am Samstag, den 8. April, um 18.30 Uhr im Babelsberger Thalia-Kino gezeigt.

Regisseur Andrew Wakefield, der impfkritische Kinderarzt Stefan Schmidt-Troschke und Professor Horst von Bernuth, Leiter der Sektion Immunologie der Berliner Charité, diskutieren anschließen.

Die Eintrittsgelder kommen einer karitativen Organisation zu, so das Kino.

Von Marion Kaufmann

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