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Umweltministerium für Landesmuseum

Naturkundemuseum Potsdam Umweltministerium für Landesmuseum

Deutliche Worte fand der Abteilungsleiter Naturschutz im Landesumweltministerium, Axel Steffen, am Montag bei der Verabschiedung von Detlef Knuth als Direktor des Naturkundemuseums. Angesichts der landesrelevanten Aufgabenfülle des Museums wäre es „natürlich angemessen, so etwas wie ein Landesmuseum daraus zu machen“.

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Detlef Knuth (l.) und Udo Rothe 1990 bei der Erkundung von Fischvorkommen in der Stepenitz (Prignitz).

Quelle: Foto: NKM

Potsdam. Das Landesumweltministerium befürwortet eine Aufwertung des Potsdamer Naturkundemuseums als Landeseinrichtung. Das gab Axel Steffen, Abteilungsleiter Naturschutz im Ministerium, am Montag bei der Verabschiedung des langjährigen Museumsdirektors Detlef Knuth bekannt. Position der Abteilung Naturschutz sei, „dass die Rolle als städtisches Museum nicht ausreicht“, sagte er: „Wir möchten, dass es höhere Weihen bekommt.“

Was „hier geleistet wurde über viele Jahre, geht über die Rolle als städtisches Naturkundemuseum weit hinaus“, so Steffen, der mit Verweis auf die Vorgeschichte in der DDR sagte: „Das Museum ist ja mal Bezirksmuseum gewesen. Und es wäre natürlich angemessen, so etwas wie ein Landesmuseum daraus zu machen.“ Er relativierte allerdings, dass „aus der Landespolitik“ derzeit in entgegengesetzter Richtung „alles versucht“ werde, um Landesaufgaben „gerade im Bereich der Umweltpolitik“ auf Städte und Landkreise zu übertragen.

Gespräche über ein stärkeres Engagement des Landes beim Betrieb und der Finanzierung des Naturkundemuseums wurden zuletzt vor zwei Jahren geführt. Im April 2014 hatten die Potsdamer Stadtverordneten Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beauftragt, mit dem Land „über eine zusätzliche Finanzierung“ des Naturkundemuseums und dessen Entwicklung zu einem Stadt- und Landesmuseum zu verhandeln. Im Dezember 2014 kam die schroffe Absage des Kulturministeriums.

Der Abteilungsleiter für Kultur im Ministerium, Reiner Walleser, reklamierte damals, „aus Sicht des Landes“ fehle „eine klare Konzeption für die weitere Entwicklung des Museums“. Er kritisierte die „nur begrenzt überregionale Ausrichtung des Museums“ und verwies schließlich auf die finanzielle Situation des Landes, nach der eine „neue institutionell geförderte Einrichtung in Landesträgerschaft nicht umsetzbar“ sei.

Axel Steffen hingegen verwies am Montag auf „viele Berührungspunkte“ mit Landesinteressen. Er nannte etwa die Mitarbeit des Museums bei der Erstellung der ersten Roten Liste für Fische in Brandenburg, die wissenschaftliche Dokumentation und den Aufbau eines Magazins für Säugetierfunde im Land, die wissenschaftliche Sammlung aller Wolfs-, Biber-und Fischotterfunde sowie die wissenschaftliche Arbeit für den Vogelschutz.

Weitere Redner spannten den Bogen von dem Seenkataster für das Land Bandenburg, das nach dem Mauerfall unter maßgeblicher Beteiligung des Museums erstellt wurde, bis zur aktuell laufenden flächendeckenden Erkundung von Meliorationsgräben als Lebens- und Rückzugsraum teils seltener Tier- und Pflanzernarten.

Detlef Knuth kam vor 37 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Naturkundeabteilung des damaligen Bezirksmuseums. 1997 übernahm er die Leitung der Abteilung, die 2001 als Naturkundemuseum ausgegründet wurde. Auch Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) würdigte Knuths Einsatz für die Naturkunde.

Sie bedauerte, dass es bisher nicht gelungen sei, das Land als Partner für den Ausbau des Naturkundemuseums zu gewinnen, und dass der von ihr forcierte Umzug des Naturkundemuseums in die Biosphärenhalle „an finanziellen, aber auch an anderen Dingen gescheitert“ sei.

Panzerglas, Kampffisch, Tropenhalle

Detlef Knuth (65) kam 1979 in die Naturkundeabteilung des damaligen Bezirksmuseums. Seine erste Aufgabe war der Aufbau eines damals völlig neuartigen Schauaquariums für einheimische Fischarten. Das von Knuth über einen Tauschring organisierte Panzerglas stammte aus der Bundesrepublik, angefertigt war es ursprünglich als Schutzglas für Bankschalter.

Das Aquarium blieb auch geöffnet, als das Ständehaus als Sitz des Museums wegen Baufälligkeit geschlossen wurde. Zu den spektakulären Aktionen gegen die Ende der 1990er Jahre drohende Abwicklung der Naturkunde gehörte eine Demonstration von Aquarianern vor dem Rathaus. 1999 übergaben sie Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) ein Aquarium mit einem Kampffisch. Kurz darauf fiel die Entscheidung zur Sanierung des Ständehauses.

Einen großen Wurf erhoffte sich Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) vom Umzug des Naturkundemuseums in die Biosphärenhalle, die in ihrer aktuellen Nutzung als rein touristische Einrichtung ein Millionengrab ist. Das Naturkundemuseum hätte bei der Fusion von den vielen Gästen der Biosphäre profitiert, die Tropenhalle wiederum wäre zur wissenschaftlichen Einrichtung aufgewertet worden, so Magdowskis Kalkül.

Die Direktion des Naturkundemuseums soll laut Rathaussprecherin Christine Homann bis zum Jahresende ausgeschrieben werden. Kommissarisch übernimmt der stellvertretende Direktor Jobst Pfaender die Leitung.

Von Volker Oelschläger

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