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Unkraut-Posse in Potsdam geht weiter

Schwarzer Peter beim Staatsanwalt Unkraut-Posse in Potsdam geht weiter

Wegen Nichtbeseitigung von Unkraut müssen sich zwei Hauseigentümer vom Neuen Markt womöglich bald vor Gericht verantworten. Das Potsdamer Ordnungsamt hatte im August saftige Bußgeldbescheide zugestellt, gegen die die Hausbesitzer Widerspruch einlegten. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft den Fall klären, ob das Unkraut wirklich Unkraut oder Gras ist.

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Um den Grünbewuchs im Wegepflaster dieses Hauses am Neuen Markt wird vielleicht bald vor Gericht gestritten.

Quelle: Rainer Schüler

Innenstadt. Um diesen Fall dürfte sich keiner sich reißen bei der Staatsanwaltschaft, und wer immer die Sache auf den Tisch bekommt, wird versuchen, sie nicht vor Gericht ausfechten zu müssen: Die Stadt Potsdam bleibt im „Unkraut-Krieg“ mit den Eigentümern des Hauses Neuer Markt 2 nämlich hart hat ihre Akten an die Staatsanwaltschaft Potsdam übergeben, damit diese Anklage erhebt im Amtsgericht. Das hätte dann einen deutschlandweit einmaligen Prozess am Hals: um die Begriffsbestimmung von Unkraut. Das wächst nach Einschätzung des Ordnungsamtes an der Fassade des denkmalgeschützten Barockbaus und wird nicht regelmäßig genug weg beseitigt.

Gleich zwei Bußgeldbescheide hatten deshalb im August die beiden Berliner Anwälte und Hausbesitzer Claudia Frank und Wolfgang Probandt im Briefkasten, jeder für 53,50 Euro. Doch Frank und Probandt zahlen nicht so einfach. Zum einen beschäftigen sie einen Hausmeister, der das Grün regelmäßig aus dem Wegepflaster kratzt, zum anderen sehen sie den immer wieder aufschießenden Bewuchs gar nicht als Unkraut an, sondern als Gras. Was Unkraut wirklich ist, sei bislang nicht geklärt, sagt Frank und stellt also die Begründung des Bußgeldes in Frage, sie habe das Unkraut nicht beseitigt. Wegen der Unkraut-Frage ist sie bereit, durch alle gerichtlichen Instanzen zu gehen, falls das Problem nicht außergerichtlich zu klären ist oder das Verfahren eingestellt wird. Frank und Probandt bezweifeln zudem, dass man für ein Vergehen mehrere Bußgeldbescheide verschicken darf, je nachdem, wieviele Besitzer das Haus hat.

Im schadhaften Gehwegpflaster spross es im vergangen Herbst eifrig und schnell, auch im Rinnstein

Im schadhaften Gehwegpflaster spross es im vergangen Herbst eifrig und schnell, auch im Rinnstein.

Quelle: Rainer Schüler

Dorniger Wildwuchs an der Stern-Center-Abfahrt auf die Nutheschnellstraße

Dorniger Wildwuchs an der Stern-Center-Abfahrt auf die Nutheschnellstraße: Autofahrer haben die Zweige vorsorglich abgenickt, um ihren Lack nicht zu riskieren.

Quelle: Rainer Schüler

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Das hier an der Auffahrt vom Wohngebiet Am Stern zur Schnellstraße sieht wirklich wie Unkraut aus

Das hier an der Auffahrt vom Wohngebiet Am Stern zur Schnellstraße sieht wirklich wie Unkraut aus.

Quelle: Rainer Schüler
„Fassadenbegleitgrün“ an der Zeppelinstraße, in der Nähe von Kaufland

„Fassadenbegleitgrün“ an der Zeppelinstraße, in der Nähe von Kaufland .

Quelle: Rainer Schüler

In der Rembrandtstraße der Berliner Vorstadt bekamen die Besitzer von mindestens vier Häusern solche Bußgeldforderungen, in einem Fall gleich drei für ein Gebäude. Wieviele Unkraut-Bußgeldbescheide letztes Jahr in Potsdam verhängt wurden und wieviele nach Widersprüchen ein juristisches Nachspiel haben, teilte die Stadt der MAZ nicht mit. In der Rembrandstraße wurden sogar Beweisfotos vorgelegt, die gar nicht von den beschuldigten Grundstücken stammten oder den Grundstücken nicht zuzuordnen sind.

Frank und Probandt haben sich nicht auf die Beweisfotos des Ordnungsamtes verlassen, sondern im kritisierten Zeitraum eigene Bilder machen lassen. „Wie diesen Farbfotografien sehr gut entnommen werden kann, handelt es sich bei den Pflanzen, die an der Hauswand, aber auch auf dem Gehweg selbst sich ent­wickeln, nicht um Unkraut, sondern um Gras“, formulierte Probandt seinen Widerspruch: „Gras ist kein Unkraut. Am Neuen Markt 2 wächst kein Unkraut, zumindest nicht auf dem Gehweg.“

Die Auslegung des Begriffes Unkraut hänge stark vom subjektiven menschlichen Empfinden ab. „So werden manche Pflanzenarten pauschal als Unkraut bezeichnet. Dies ist dem Grundprinzip nach falsch, da dieselbe Art als Unkraut, Nutzpflanze, Heilkraut, Zeigerpflanze oder in anderer Form auftreten kann.“ Zum Unkraut werde sie erst dadurch, dass sie als „störend“ empfunden wird. Es spiele keine Rolle, ob es sich bei einem „Unkraut“ um eine krautige oder verholzende Pflanzenart handelt, im zweiten Fall könne man auch den Begriff „Unholz“ verwenden.

Im Zuge der Umweltbewegung in den 1980er Jahren wurde gefordert, den Begriff „Unkraut“ durch „Wildkraut“ zu ersetzen. „Wildkraut“ wird jedoch schon zur Bezeichnung wildlebender essbarer krautiger Pflanzen verwendet, so dass sich diese Forderung nicht durchsetzen konnte. Alternativ wird heute häufig von Beikraut oder Kulturpflanzenbegleitern gesprochen, wenn im eigentlichen Sinne unerwünschte Pflanzen (also Unkraut) gemeint sind.

In der Forstwirtschaft ist der Begriff Begleitwuchs gebräuchlich, da sowohl negative wie auch positive Begleiteffekte erwartet werden können.

Die ökologische Landwirtschaft hat eine differenziertere Sichtweise auf die „Unkräuter“, die sie nicht ausschließlich als Schadpflanzen, sondern auch als wesentlichen Bestandteil des Ökosystems sehen. Daher wird dort der negativ belegte Begriff „Unkraut“ abgelehnt und die neutrale Bezeichnung „Beikraut“ bevorzugt. Die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Pflanzengruppe lautet Segetalpflanzen.

Pflanzen werden in der Regel als Unkraut bezeichnet, wenn sie mit einer gezielt angebauten Nutzpflanze in Konkurrenz um Wachstumsfaktoren wie Nährstoffe, Licht, Wasser treten, so dass die Nutzpflanze nicht den erwünschten Ertrag erreicht, wenn sie die Bewirtschaftung einer Fläche erschweren, indem sie etwa in das Erntegut geraten und dieses verunreinigen, wenn es eine massenhafte Verbreitung gibt durch Samenflug, extrem lange Wurzelgeflechte und Verdrängung von Konkurrenten und so die Gefahr besteht, dass sie auf zu schützende Flächen übersiedeln. Von Unkraut redet man auch, wo Pflanzen das ästhetische Empfinden eines Menschen stören, zum Beispiel in Ziergärten, Parks, auf Rasenflächen oder bewuchsfrei zu haltenden Flächen. Als störend gilt Grünbewuchs zudem , wenn er durch seine Giftwirkung den Ertrag einer Fläche unbrauchbar macht, wie es zum Beispiel die Herbstzeitlose im Heu tut.

Das Fachgebiet der Unkrautkunde hat sich in den letzten Jahrzehnten unter der Bezeichnung Herbologie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin entwickelt. Das Fachgebiet beschäftigt sich mit Fragen der Unkrautbiologie, Unkrautökologie und Unkrautbekämpfung und den daraus resultierenden Einflüssen auf die Umwelt.

Von Rainer Schüler

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