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Unkraut regt die Potsdamer auf

Unkraut-Affäre in Potsdam Unkraut regt die Potsdamer auf

In der Potsdamer Innenstadt macht das Ordnungsamt regelrecht „Jagd“ auf Hausbesitzer, die das Unkraut vor ihren Häusern nicht gründlich ausmerzen. Doch abseits der Innenstadt, in den Plattenbaugebieten etwa, wuchert es munter - und keiner wird dafür belangt.

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An der Schnellstraßenauffahrt der Max-Born-Straße sprießt es auf Wegen und in Bordsteinrinnen.

Quelle: Rainer Schüler

Am Stern. „Das kann nicht sein“, schimpft Joachim Dutschmann: „In der Berliner Straße und am Neuen Markt verhängt das Ordnungsamt Bußgelder wegen Unkraut, und bei uns am Stern wuchert es überall am Straßenrand. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, poltert der frühere Chef des Vereins Garagengemeinschaft 7: „Mich bringt das auf die Palme!“

Dabei hat er schon mehrfach im Büro des Oberbürgermeisters angerufen und Beschwerden losgeschickt gegen eine Unkrautplage auf Gehwegen und Straßenrändern, ohne dass etwas passierte.

Wildwuchs am Bordstein der Max-Born-Straße

Wildwuchs am Bordstein der Max-Born-Straße.

Quelle: Rainer Schüler

Bei Oberbürgermeister Jann Jakobs klingelte Dutschmann erstmals am 1. September letzten Jahres an. Er schilderte den Wildwuchs an der Max-Born-Straße und dem Otto-Hahn-Ring, forderte ein Unkraut-Kommando an. Auch die Haltestelle am Stern-Center sei total verdreckt und zugewuchert, berichtete er. Am Keplerplatz sehe es kaum anders aus. Doch es passierte nichts, so dass man in Jakobs’ Vorzimmer den Mann vom Stern Anfang Oktober wieder in der Leitung hatte. Und wieder herrschte Schweigen. Also schrieb Dutschmann an den Beschwerdeausschuss des Landtages. Nichts.

Im Zuge der Schnellstraßensanierung dieses Jahr vergaß der Rentner die Sache fast; es herrschte ohnehin ein großes Durcheinander. Als der Sanierungsjob erledigt war, räumte man die Baustelleneinrichtung ab und mit ihr auch den Baucontainer an der Schnellstraßenauffahrt von der Max-Born-Straße. Zurück blieben ein kunstvolles Wegelabyrinth von Mäusen, eine verwüstete Grünfläche und ein Haufen Müll.

An der Schallschutzwand gegenüber dem Stern-Center wachsen Dornbüsche

An der Schallschutzwand gegenüber dem Stern-Center wachsen Dornbüsche. Autofahrer haben die extrem stacheligen Ranken abgebrochen, damit sie nicht den Lack zerkratzen.

Quelle: Rainer Schüler

Zu Füßen der Schallschutzwand wuchert es seither so kräftig und so ungebremst, dass Autofahrer immer wieder Dornenzweige wegbrechen, die auf die Straße ragen und eine Gefahr sind für den Lack der Fahrzeuge. Allerorten im Neubaukiez wuchert es ungebremst an Lichtmasten und Verkehrsschildern, aus Gehwegspalten und Bordsteinkanten. Dutschmann erinnert sich über viele Jahre nur an eine einzige Aktion, bei der Wege-Unkraut beseitigt wurde, „mit sowas wie ’ner Drahtbürste an einer Kehrmaschine.“

Der Bewuchs Am Neuen Markt 2 war der Auftakt der Unkraut-Posse

Der Bewuchs Am Neuen Markt 2 war der Auftakt der Unkraut-Posse. Das Ordnungsamt hatte beiden Hauseigentümern einen Bußgeldbescheid von über 50 Euro zugeschickt, doch die Hausbesitzer wollen jetzt vor Gericht klären lassen, was eigentlich Unkraut ist. Die Stadt bleibt hart und lässt sich auf den Rechtsstreit ein.

Quelle: Rainer Schüler
Auch in der Berliner Vorstadt sprießt es auf Gehwegen in und in Rinnsteinen

Auch in der Berliner Vorstadt sprießt es auf Gehwegen in und in Rinnsteinen. Auch hier bekamen Hauseigentümer Bußgeldbescheide, sogar drei für ein „Vergehen“, wo es mehrere Besitzer eines Hauses gab.

Quelle: Rainer Schüler

Hier am Stern wie auch am Neuen Markt und in der Berliner Vorstadt, wo das Ordnungsamt Bußgelder wegen Nichtbeseitigung von Unkraut verhängte, ist die Ursache des Wildwuchses dieselbe: Wege und Straßen sind kaputt; die Gräser finden in den Spalten Halt und wachsen. Nur können am Stern keine privaten Hauseigentümer für das Geschehen auf den vorgelagerten Flächen zur Kasse gebeten werden; hier sind die Flächen Eigentum der Stadt oder ihrer Wohnungsunternehmen.

Dass es anders geht, zeigt die Karl-Marx-Genossenschaft, die auch Häuser im Kiez hat, die Wege aber peinlichst sauber hält.

Wegen der Bußgeldbescheide ziehen jetzt zumindest die beschuldigten Hausbesitzer vom Neuen Markt gegen die Stadt vor Gericht. Sie pochen darauf, dass es keine rechtssichere Definition von Unkraut gibt und ein Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit nur einmal verhängt werden kann, nicht mehrfach gegen eine Eigentümergruppe.

Wer ähnliche Unkrautecken kennt, schicke eine Mail, gern mit Foto, an: potsdam-stadt@maz-online.de

Von Rainer Schüler

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