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Potsdam Kaufen ohne Plastik? In diesem Potsdamer Geschäft ist es möglich
Lokales Potsdam Kaufen ohne Plastik? In diesem Potsdamer Geschäft ist es möglich
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01:16 01.02.2019
Katharina Kaiser (Links) und Katja Skurcz im Unverpackt-Laden Kathi und Käthe Fair Verpackt Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Zwischen Zahnputztabletten und frisch gepresstem Haselnussmus ist Gegenrevolution in Potsdam! Barrikaden, Parolen und Menschenmengen sind bei Kathi und Käthe aber nicht das Mittel. Sie sitzen mit Tassen aus Kaffeesatz ruhig im Café ihres Unverpackt-Ladens „Kati und Käthe FairVerpackt“ in Babelsberg. Ihr erklärtes Ziel kommt langsamer und friedlich daher: „Zero Waste“ – also das Leben mit so wenig Müll wie möglich. Ihr Laden soll ein Zentrum für die Bewegung gegen den immer noch anhaltenden Plastikboom der 1970er Jahre werden.

„Wir bestimmen den Markt“, sagt Kathi. Klar, Katharina Kaiser ist ja auch eine der beiden Geschäftsführerinnen des im September eröffneten „FairVerpackt“ und entscheidet, was in dem Laden in den Vorratsgläsern landet. Wenn sie „wir“ sagt, meint sie die Verbraucher: „Wir müssen uns trauen, die Unternehmen anzusprechen.“ Und genau das tut die 25-Jährige mit Katja Skurcz, die den Geschäftsnamen komplett macht.

Einkaufen fast wie in der DDR

Sie suchen gezielt nach Waren, die auf Plastikverpackungen verzichten. Das fängt bei im Mund schäumenden Zahnputztabletten an, geht über Gewürze, Nüsse, Nudeln und andere Trockenwaren bis hin zu Seifen, flüssigen Waschmitteln und Allzweckreinigern. „Wenn uns Unternehmen Proben in Plastikverpackungen schicken, dann rufen wir da an und sagen, sie sollen das Plastik weglassen“, erzählt Kathi. Ein Kondomanbieter will das bald umsetzen.

Der Waschmittel-Spender im Unverpackt-Laden wirkt futuristisch. Nur das zu kaufen, was man wirklich braucht, ist aber ein alter Schuh. Quelle: Jan Russezki

Wer also im Unverpackt-Laden einkaufen geht, muss entweder eigene Behälter mitbringen oder abwaschbare Papiertüten kaufen. Dabei geht es nicht nur darum Plastikmüll zu vermeiden, sondern auch um maßvolles Einkaufen. „Wir wollen hochwertige Produkte und von jedem nur zwei Varianten“, erklärt Käthe. Das reiche und sei auch kein neuer Schuh. Ältere Kunden verfielen hier regelmäßig in DDR-Nostalgie, wo ähnlich eingekauft wurde. Bezahlt wird nur die Menge, die wirklich benötigt wird. Die Kasse nimmt dann allerdings auch Plastikgeld.

Der Laden ist fast plastikfrei. Die Auslagen sind aus Holz genauso wie die Getreidemahlmaschine. Daneben steht eine Musmaschine in der Mandeln und Nüsse direkt vor Ort verarbeitet werden können. Das alles wirkt hochwertig und hip, aber vor allem authentisch. Einen Stempel kann man den beiden nicht aufdrücken.

Auch den Produkten nicht – zumindest was das Biosiegel angeht. Obst und Gemüse findet man auf den 60 Quadratmetern nicht. Dafür gäbe es genug Märkte in Potsdam. Aus den mit Holz gerahmten Glaszylindern an den minimalistisch dekorierten Wänden kommen nur regionale Produkte. Sie sind bio, aber nicht so ausgewiesen – für den Zertifizierungsprozess fehlt im zweiten Eröffnungsmonat noch das Geld.

Unverpackt als politische Haltung

Vieles im Leben der beiden basiere auf politischen Entscheidungen. „Es nicht zu machen ist auch eine Haltung“, sagt Käthe. Bioqualität sei für die beiden indiskutabel. „Wir binden uns mehr an das Gespräch und das Nachfragen, als an das Siegel“, sagt sie.

Sie ist vier Jahre um die Welt gereist und hat gesehen, was Plastikmüll anrichtet und was möglich ist um das zu verhindern. Vor einem Jahr kamen ihr und Kathi, die Idee einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. Er soll zeigen, welche Möglichkeiten es gibt Müll zu vermeiden. „Was man sieht, ist einfacher zu verstehen, als das, was man liest“, sagt Käthe, die den Laden als Demonstrationsfläche versteht.

Katharina Kaiser (r.) und Katja Skurcz im Unverpackt-Laden Kathi und Käthe Fair Verpackt Quelle: Jan Russezki

„Wir sind auch nicht perfekt und leben noch nicht komplett plastikfrei“, gesteht Kathi. Ihr Ziel sei es trotzdem. Die Recherche nach passenden Produkten sei oft mühsam und ihr Sortiment verändert sich deswegen ständig. Das Café im Laden soll helfen. Es soll der „Zero Waste“-Bewegung eine Plattform bieten mit Do-It-Yourself-Workshops und Infoveranstaltungen. „Wir sind hier auch viel am Reden und haben ein Wunschbuch für die Kunden“, sagt sie.

Hilfe zur Selbsthilfe

Darin tragen Kunden ein, welche Produkte sie gerne plastikfrei hätten. Einen Duschvorhang zum Beispiel. Wenn Zeit ist, recherchieren Kathi und Käthe selbst oder sie reden mit Kunden, die vielleicht einen Tipp haben. Die Produkte landen dann zwar nicht unbedingt im Sortiment, aber so hilft sich die Community gegenseitig.

Deswegen wird auch Potsdams erster Unverpackt-Laden „Maßvoll“ nicht als Konkurrenz verstanden. Man tausche sich aus. „Es ist natürlich Sinn der Zero-Waste-Bewegung, dass die Idee weitergetragen wird“, sagt Käthe.

Von Jan Russezki

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