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Potsdam Variobahnen in Potsdam stillgelegt
Lokales Potsdam Variobahnen in Potsdam stillgelegt
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22:29 24.01.2014
Eine Vario-Straßenbahn vor dem Hauptbahnhof in Potsdam Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Wie die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH am Freitag mitteilte, wird der Straßenbahnverkehr am Wochenende (25. Und 26. Januar 2014) auf Grund des geringeren Verkehrsaufkommens fahrplanmäßig abgewickelt. Am folgenden Montag und Dienstag, 27. Und  28. Januar, gilt dann wieder die Sonderregelung: die fehlenden Niederflurfahrzeuge werden durch Tatrabahnen und Busse ersetzt.

Betroffen ist in erster Reihe die Linie 98. In Potsdam-West übernehmen Busse die Fahrten. Zwischen dem Platz der Einheit und Kirchsteigfeld fährt die Linie 98 regulär. Die ViP weist darauf hin, dass die zusätzlich eingesetzten Tatrabahnen teilweise keine Fahrkartenautomaten haben.

Hersteller muss Sicherheitsnachweis erbringen
Zwar weist die ViP ausdrücklich daraufhin, dass noch keine Straßenbahn des Typs "Variobahn" entgleist ist, aber ohne einen Hersteller-Nachweis über die Sicherheit, wird keine der beanstandeten Straßenbahnen wieder auf die Schiene gelassen. Zielstellung sei es jedoch, dass ein "Teil der Variobahn-Flotte bereits Mitte kommender Woche wieder in Betrieb" genommen wird.

Entgleisungsgefahr bei Routinekontrolle entdeckt
Am Abend vor der Außerbetriebnahme der Vario-Bahnen war bei Routinekontrollen eine Abweichung vom Toleranzmaß für das System Rad–Schiene an mehreren Fahrzeugen festgestellt worden. Die Einhaltung dieser Maße ist wichtig für die Entgleisungssicherheit bei Fahrten über die Weichen. „Die Sicherheit unserer Fahrgäste geht vor“, sagt Oliver Glaser, Technischer Geschäftsführer der ViP. Das übliche Spurspiel zwischen Rad und Gleis habe durch eine ungewöhnliche Schrägstellung der Räder den Toleranzbereich verlassen. Im ärgsten Fall könnten die Räder bei Kurvenfahrten verkanten oder nach Überfahren einer Weiche nicht mehr in die richtige Spur finden. „Wir agieren hier zwar im Millimeterbereich“, sagt Glaser. Doch um derartige Probleme auszuschließen, habe man die Vario-Flotte vorsorglich außer Betrieb genommen.

Die Fehlersuche laufe mit Hochdruck. So ist man mit Unterstützung eines externen Gutachters und des Herstellers (Stadler) dabei, die Ursache für die Messergebnisse zu finden, zu beurteilen, ob die Betriebssicherheit der Variobahnen im jetzigen Zustand gewährleistet ist – und ob es sich möglicherweise um einen Serienschaden handelt. „Die Gutachten erwarten wir spätestens Anfang kommender Woche“, so Glaser. „Diese Sache stellt uns alle vor ein großes Rätsel. Das Schadensbild ist außergewöhnlich – ich habe es in dieser Form noch nie gesehen.“

Die neuste Vario-Bahn wurde zur Weihnachtszeit in Betrieb genommen. „Es gibt es eine Gewährleistung des Herstellers aufs Gesamtsystem und auf einzelne Bauteile“,so Glaser. Zudem greife laut Vertrag eine Entschädigung pro Standtag und Fahrzeug. So seien etwa die Kosten zu tilgen, die der Ausfall verursacht – zur Kompensation muss der Verkehrsbetrieb auch Busse bei anderen Verkehrsunternehmen mieten. Die rechtliche Frage stellt Glaser derzeit aber hintan. Zuallererst müssten die Vario-Bahnen schnellstmöglich wieder betriebssicher auf die Schiene gebracht werden.

Große Probleme dürfte der Ausfall der Niederflurwagen für Menschen mit Handicap bedeuten. Wer nicht gut zu Fuß ist, schafft es kaum in die alten, steilen Tatra-Waggons. Wer auf die Tram angewiesen ist, kann sich ans Kundenzentrum wenden. Dort werde geprüft, ob es eine alternative Route mit barrierefreien Bussen gibt.

Eine kurze Potsdamer Straßenbahnhistorie

  • Die ersten Straßenbahnen in Potsdam – damals noch von Pferden gezogen – verkehrten im Mai 1880 zwischen Altem Markt und Glienicker Brücke und zwischen Stadtschloss und Brandenburger Tor.
  • Die erste Elektrische fuhr am 2.September 1907 zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Charlottenhof.
  • Das Schienennetz der Potsdamer Tram zählt 79,8 Kilometer. Bedient werden sieben Linien.
  • Die Tatra-Bahnen zuckeln seit den 70ern durch Potsdam. 1974 wurden zwei Prototypen des Tatra-Kurzgelenktriebwagens (KT4D) aus tschechischer Produktion in Potsdam in Betrieb genommen, 1977 folgten weitere. Die Flotte – 22 Züge in Doppeltraktion – wurde 1992 und 1995 modernisiert.
  • Der Typ Combino wurde in den Jahren von 1998 bis 2001 vom Verkehrsbetrieb erworben und ist 17 Mal vertreten. Potsdam war wie auch im Fall Tatra deutschlandweit die erste Stadt, in der das Combino-Modell getestet und eingesetzt wurde.
  • Der Typ Vario fährt seit 2011 durch Potsdam.
  • Zwei Entgleisungen meldet der Verkehrsbetrieb für 2013: So hatten sich am Platz der Einheit zwei Bahnen toucheriert; in der Waldstadt lag ein Fremdkörper auf der Weiche.
  • 30,4 Millionen Fahrgäste hat der Verkehrsbetrieb im Jahr 2013 ingsesamt befördert (Tram und Bus). nf

info Das ViP-Kundenzentrum ist unterTel. 0331/6614275 zu erreichen.

Von Nadine Fabian

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