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Potsdam Brandenburgs erste demokratische Schule
Lokales Potsdam Brandenburgs erste demokratische Schule
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19:29 25.03.2018
Vier der Schulgründer vom Verein „Schule des Lebens Potsdam“: Andrea Tichy, Marie-Therese Hattendorf, Martin Uhlig und Kristin Wittich (v.l.). Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Wenn alles gut läuft, bekommt Potsdam im August eine Schule mit einem in der Stadt bislang völlig neuartigem Konzept – eine freie demokratische Schule, in der Kinder und Lehrer selbst bestimmen und miteinander aushandeln, was, wie und wann gelernt wird. Was sich nach einer Bildungsutopie anhört, wird weltweit bereits an mehr als 200 Schulen praktiziert. In Brandenburg wäre Potsdams demokratische Schule die erste ihrer Art und die 15. in Deutschland.

Gründen will sie der Verein „Schule des Lebens Potsdam“, dessen Mitstreiter über das Konzept und den Stand der Dinge am Samstag im „Freiland“ informierten. Ihren Betrieb aufnehmen soll die Schule im August mit zehn Kindern in den Jahrgangsstufen 1 bis 3 und zehn Jugendlichen der Jahrgangsstufe 7 bis 8, sagte Andrea Tichy vom Verein. Geplant ist, dass pro Jahr zehn neue Schüler aufgenommen werden, die Schule aber nicht die Größe eines kleinen Dorfes überschreitet. Maximal 150 Schüler sollen es am Ende sein, die bis zur zehnten Klasse die Schule besuchen können.

In trockenen Tüchern ist der Starttermin im August noch nicht. Benötigt wird noch die Genehmigung aus dem Brandenburger Bildungsministerium. Der Antrag zur Gründung der Schule war im März 2017 gestellt worden, am Dienstag haben Vereinsmitglieder einen Gesprächstermin im Ministerium. Dort gehe es darum, was noch gebraucht wird, „damit wir im August starten können“. Sollte der Verein die Genehmigung für dieses Jahr nicht bekommen, „starten wir im nächsten Jahr“, sagte Andrea Tichy.

Das Gebäude der Potsdamer Schule wird wohl im Umland stehen. „Wir sind in Verhandlungen mit einem Gebäudeeigentümer in Geltow“, so Tichy. Es geht um einen Kauf des Hauses oder um die Vermietung an den Verein mit der Option eines späteren Erwerbs, sagte sie. Klappt es mit dem Gebäude, „das sich in Waldnähe befindet und an der dem Bus der Linie 631 hält“, muss noch eine Nutzungsänderung fürs Haus beantragt werden. Weil der formale Vollzug bis zu neun Monate dauern kann, „werden wir wohl erst einmal mit einer Übergangslösung starten“, sagte sie. Wegen der kleinen Schülerzahl „reichen für den Start zwei, drei Räume“.

Da freie Schulen für die ersten drei Jahre noch keine staatliche Unterstützung bekommen, will der Verein den Schulbetrieb in der Anfangszeit mit einem Kredit der GLS Bank finanzieren, die soziale und ökologische Initiativen unterstützt, und diesen mit Bürgschaften etwa von Eltern und Mitarbeitern absichern. Zudem wurde eine „Leih- und Schenkgemeinschaft“ über die GLS Bank ins Leben gerufen. Mitglieder der Gemeinschaft zahlen 500 bis 3000 Euro gestaffelt über drei Jahre ein. Der Schulbesuch soll pro Kind monatlich 50 bis maximal 350 Euro kosten, je nachdem, wie hoch das Einkommen der Eltern ist und wie viele Kinder die Familie hat.

Das Konzept der Schule, in der es keine Noten geben soll, es sei denn, es ist von den Kindern gewünscht, geht von einem positiven Menschenbild aus. Die Lehrer heißen Lernbegleiter und die Prinzipien der Schule – Freiheit, Gleichheit, gewaltfreie Kommunikation... – bilden den Rahmen, den Kinder selbstbestimmt ausfüllen. „Die Kinder sollen ihren Weg finden, der zu ihren Leidenschaften und Talenten passt“, sagte Tichy. Die Instanz, in der die Regeln ausgehandelt werden, ist die Schulversammlung, in der Schüler und Lernbegleiter sitzen – alle haben jeweils eine Stimme. „Wenn die Kinder selbst beteiligt sind, diese Regeln einzuführen, achten sie auch darauf, dass sie eingehalten werden“, sagte Marie-Therese Hattendorf vom Verein. Die studierte Erziehungswissenschaften hat ihre Abschlussarbeit zu demokratischen Schulen geschrieben.

Miriam Uhlig hat selbst in einer demokratischen Schule in Berlin gelernt. „Der erste Antrag in der Schulversammlung war, dass jedes Kind und jeder Lehrer zum Geburtstag einen Teller mit Süßigkeiten geschenkt bekommen soll“, erzählte sie. Das Finanzkomitee habe dann erst einmal gefragt, wie viel das kostet und einige meinten: „Das ist doch ungesund“. Der Geburtstagsteller wurde nach munterer Debatte mit demokratischer Mehrheit eingeführt. „Es gibt ihn heute noch und in Varianten: Veganer bekommen eine vegane Version.“

Von Jens Steglich

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