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Theaterschiff kauft den „Sturmvogel“

Potsdams schwimmendes Theater wirbt um Spenden Theaterschiff kauft den „Sturmvogel“

Nach 20 Jahren als Pächter macht die „Stadt-Spiel-Truppe“ jetzt ernst. Die freie Theatergruppe kauft den Kahn „Sturmvogel“. Gleichzeitig wirbt der Verein kreativ um Spenden und bietet sogar Rundfahrten an. So sollen mehr als 110.000 Euro für Investitionen in das in die Jahre gekommene Schiff zusammenkommen.

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Das Theaterschiff an seinem Liegeplatz am Kai der Schiffbauergasse.

Quelle: Christel Köster

Schiffbauergasse. Der Verein des Theaterschiffs wirbt um Spenden, um seinen Fortbestand zu sichern – und den bislang gepachteten Kahn „Sturmvogel“ zu kaufen. Insgesamt 110.000 Euro will der gemeinnützige Betreiberverein des Theaterkahns in der Schiffbauergasse in den kommenden Jahren für Investitionen in den „Sturmvogel“ sammeln und hat sich dafür ungewöhnliche Gegenleistungen ausgedacht. „Unser Potenzial sind unsere Gäste, die uns kennen und schätzen, sowie die Unternehmer, mit denen wir kooperieren. Für jeden Geldbeutel wollten wir eine Gegenleistung ermöglichen“, sagt Mario Neubert aus dem Vorstand des Theaterschiff-Vereins.

Wie bei populären Crowdfunding-Kampagnen üblich dürfen Spender ein Dankeschön für ihren Beitrag erwarten. Fünf Euro führen zu einem „Lächeln der Schiffscrew“ per E-Mail. Für 19,24 Euro (dahinter verbirgt sich das Baujahr des Kahns) gerät der Spender dagegen nach Genuss eines eigens kreierten maritimen Schiffscocktails an der Schiffsbar ins Wanken. Für 350 Euro wird man zum „Very Important Seaman“ - und erhält freien Eintritt zu allen Veranstaltungen im Jahr 2015. Wer tiefer in die Tasche greift, erhält als Dankeschön eine Privatvorstellung aus dem Repertoire der Schauspieler für sich und 63 Freunde. „Wer uns besonders stark unterstützt, darf mit uns und dem Sturmvogel sogar für Rundfahrten in die Umgebung ablegen“, kündigt Neubert an. Doch auch Unternehmen und bisherige Sponsoren sollen ihre „digitalen Anker“ auswerfen und mit ihrer Spende gleichzeitig Links und Banner auf der Internetseite der Theatertruppe erhalten. Bislang steht das Spendenkonto bei knapp 1.400 Euro.

Auch das Geld für den Kauf des Kahns will man so aufbringen, denn die freie Theatergruppe will nach 20 Jahren nicht mehr bloß Pächter, sondern Schiffseigner sein. Noch gehört das Schiff dem Verein „Berlin-Brandenburgische Schiffahrtsgesellschaft“, der auch den Historischen Hafen im Berliner Zentrum betreibt. Nachdem der Pachtvertrag Ende 2014 ausgelaufen war, habe man sich nun für den Kauf statt für eine Verlängerung entschieden. „Wir wollen bereits in der kommenden Woche in Berlin den Kaufvertrag unterzeichnen“, sagte Neubert der MAZ. Eine erste Anzahlung in Höhe von 10.750 Euro konnte dank eines privates Darlehen eines Vereinsmitglieds bereits überwiesen werden, eine weitere solche Rate sei am Ende des Jahres fällig. Über die kommenden 20 Jahre muss der Verein zudem eine kleine monatliche Pacht leisten, so dass das Schiff im Jahr 2035 für insgesamt 55.000 Euro endgültig abbezahlt sein soll.

Fakten über den „Sturmvogel“

Der Lastkahn „Sturmvogel“ wurde 1924 gebaut. Seit 1995 dient er als einziges fahrtaugliches Theaterschiff Brandenburgs.

Der Kahn ist 52 Meter lang und 6 Meter breit. Nachdem er fast zwei Jahrzehnte an der Alten Fahrt neben der Langen Brücke geankert hatte, liegt er seit Januar am Kulturstandort Schiffbauergasse.

Da das Theaterschiff gleichzeitig als Schiff und Bauwerk gilt, müssen für den Spielbetrieb die Auflagen des Potsdamer Bauamts und der Schifffahrts-Untersuchungskommission erfüllt werden.

Alle sechs Jahre muss die „Sturmvogel“ außerdem zum Schiffs-TÜV in einer Werft nach Oranienburg. 2018 soll der Rumpf des Kahns nach 91 Jahren runderneuert werden.

Doch neben dem Kauf sollen auch zwei weitere große Investitionen mit der Spendenkampagne finanziert werden. „Die Rechtslage hat sich vor einiger Zeit geändert. Da wir vor allem ortsfest ankern, werden wir rechtlich nicht nur als Schiff, sondern auch als Bauwerk betrachtet“, erklärt Neubert. Die strengen Brandschutzauflagen für Veranstaltungsorte an Land gelten daher auch für den alten Kahn. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Schiff deshalb zeitweilig durch das Bauamt Potsdam gesperrt, bis dringendste Mängel beseitigt worden waren. Künftig sollen Fluchtwege auf dem Schiff mit Geländern gesichert und eine Brandmeldeanlage installiert werden. Insgesamt 30.000 Euro kostet die Umsetzung des von einem Gutachter erstellten Brandschutzkonzepts. Spätestens 2018 wird dann zum einschneidenden Jahr für den „Sturmvogel“. Dann soll der 91 Jahre alte Rumpf für 60.000 Euro rundum erneuert werden, wozu ganze Teile des Rumpfes aus dem Schiff herausgeschnitten werden müssen.

Mehr Infos zur Spendenaktion: www.theaterschiff-potsdam.de

Von Peter Degener

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