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Potsdam Vereine müssen nachlegen beim Behindertensport
Lokales Potsdam Vereine müssen nachlegen beim Behindertensport
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16:42 06.08.2018
Selbst neu gebaute Sporthallen wie die an der Gagarinstraße sind nicht für jeden Behindertensport geeignet. Quelle: Rainer Schüler
Potsdam

Wollen und Können sind zwei grundverschiedene Dinge, auch im Behindertensport. Wie jetzt zwei Befragungen der Stadt unter Interessenten und Vereinen ergaben, wünschen sich zwei Drittel der Behinderten deutlich mehr Sportangebote, die nötigen Spiel- und Trainingsstätten dafür und Hilfe beim Ausüben des Sports, den die meisten zusammen mit Nichtbehinderten treiben wollen.

Doch sie haben nicht genügend Möglichkeiten dafür. Vor allem fehlen Informationen, wo sie überhaupt ihrem Sport nachgehen können. Die Vereine machen dazu gar keine oder nur sehr spärliche Angaben. Von 150 angeschriebenen Vereinen gaben nach Auskunft des städtischen Behindertenbeauftragten Christoph Richter nur 60 Antworten, und von denen gab ein Fünftel zu, sich noch gar nicht mit dem Problem befasst zu haben. 16 Prozent der auskunftswilligen Clubs führen aber auch den Mangel an geeigneten Trainern und fehlendes Geld für solche Sportgruppen als Grund dafür an, dass sie den Behinderten nichts anbieten können.

Sport ist zu stark Leistungssport

In Potsdam werde Sport zuviel an Leistung geknüpft und zu wenig als Freizeitbetätigung gesehen, pflichtete Richter am Montag der Grünen-Stadtverordneten Ingeborg Naundorf bei, die selber eine behinderte Pflegetochter hat und Freizeitsportmöglichkeiten für sie nur weit außerhalb von Potsdam finden konnte. Nicht mal der landesweit größte Club SC Potsdam hatte nichts für sie. Und die, die etwas zu bieten haben, machen das laut Richter zu wenig bekannt. Das müsse sich ändern, sagte Richter.

Stadt will Netzwerk gründen

Er will einen festen Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung oder beim Stadtsportbund beauftragen und für dessen Bezahlung Fördermöglichkeiten suchen, zum Beispiel durch die „Aktion Mensch“. Auch müsse Geld beschafft werden zur Finanzierung der Trainerausbildung, forderte er. „Ein Trainerschein ist teuer.“ Naundorf zufolge sind viele Trainer im Behindertensport betroffene Eltern und rein ehrenamtlich tätig.

Auf einer ersten Großveranstaltung am 9. Oktober im Potsdam-Museum am Alten Markt will Richter mit den Vereinen, den Interessenvertretungen der Behinderten und den Förderschulen Möglichkeiten dazu suchen. Dann wird ein „Netzwerk Inklusion im und durch Sport“ gegründet.

Genauer Bedarf ist unbekannt

Wie groß der Bedarf tatsächlich ist, weiß man in der Verwaltung noch immer nicht, weil dazu nie Daten erhoben oder Befragungen durchgeführt wurden. So wie Ingeborg Naundorf glaubt aber auch Richter, dass man die Angebote erweitern und bekannt machen sollte, dann werde es auch entsprechend viele Nutzer geben. Damit Angebote auch bekannt werden, möchte Richter eine eigene Internet-Seite für den Behindertensport einrichten oder beauftragen, in die sowohl die Behinderten als auch die Vereine und die Verwaltung Angebot und Nachfrage eintragen können. Der Stadtstaat Bremen sei dafür ein Vorbild, sagte Richter: „Wir müssen das nicht neu erfinden.“

Meist „Einsame Sportarten“

Der Nutzer-Umfrage zufolge treiben vier Fünftel der Behinderten gelegentlich oder sogar regelmäßig Sport, aber es sind oft „einsame Sportarten“ wie Radfahren, Schwimmen, Joggen oder Gymnastik. Den größten Nachholebedarf gibt es bei Mannschaftssportarten, wobei der Team-Sport von Rollstuhlfahrern die größte Herausforderung ist, denn diese Menschen brauchen Fahrzeuge zum Erreichen der Sportstätte, größere Umkleiden, mehr Platz in Duschen und Toiletten sowie Abstellräume für die Rollstühle; das ist selbst in den barrierefreien Hallen-Neubauten extrem selten.

Von Rainer Schüler

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