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Potsdam Vergessene Industriearchitektur in Potsdam
Lokales Potsdam Vergessene Industriearchitektur in Potsdam
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00:18 20.07.2017
Der Gasometer II in der Schiffbauergasse 1995. Quelle: Potsdam-Museum/Manfred Hamm
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Innenstadt

Keine drei Tage nach dem 24-Stunden-Festival „Stadt für eine Nacht“, das mehr als 30 000 Potsdamer ins Kunst- und Kulturquartier Schiffbauergasse lockte, präsentiert das Potsdam-Museum im Landtag einen prägnanten Blick zurück. Montagabend wurde dort in Kooperation mit der Schlösserstiftung die Fotoausstellung „Manfred Hamm – Architektur und Landschaft“ eröffnet.

Blick über das alte Gaswerk zum Park Babelsberg im Jahr 1995. Quelle: Manfred Hamm/Potsdam-Museum

Kaum mehr als 20 Jahre alt sind die Aufnahmen gleich am Eingang von der Schiffbauergasse vor dem Umbau zum Kulturquartier: Ein Blick über das still gelegte Gaswerk mit dem Turm der Koksseparation, in dem heute der Software-Riese Oracle sitzt, und dem Turm der Zichorienmühle, dessen Zinnen heute das italienische Restaurant „Il teatro“ krönen. Im Hintergrund der Park Babelsberg mit dem Flatowturm. Ein anderes Bild zeigt die Reste des Gasbehälters II, den man dann verschrottete. Im Gegensatz zum benachbarten Großbehälter, der heute als Wirtschaftshof und als Freiluft-Spielstätte für das Hans-Otto-Theater genutzt wird.

Pionier der Industriefotografie

Manfred Hamm gilt als Pionier der Industriefotografie und steht damit neben Fotografen wie Hilla und Bernd Becher. Jahrgang 1944, geboren in Zwickau-Cainsdorf (Sachsen), absolvierte er 1961 bis 1963 eine Ausbildung zum Werbe- und Theaterfotografen in Ulm und München. Seit 1967 lebte und arbeitete Manfred Hamm in West-Berlin, seit 1976 erschien eine Reihe von Fotobänden vor allem zur Architektur- und Industriefotografie. Als die Mauer fiel, begab sich der Fotograf auf Entdeckungsreise nach Brandenburg.

Gerichtslaube im Park Babelsberg. Im Hintergrund der Flatowturm. Quelle: Potsdam-Museum/Manfred Hamm

Der überwiegende Teil der Ausstellung ist der reichen Kulturlandschaft des Umlandes, den Schlössern, Parkanlagen und Herrenhäusern gewidmet. Die erste Ausstellungsabteilung jedoch bringt ein Wiedersehen mit fast vergessener Potsdamer Industriearchitektur. Neben der Schiffbauergasse finden sich Aufnahmen von der historischen Speicherstadt, aus der Schaltzentrale des ehemaligen Kraftwerks an der Zeppelinstraße und vom benachbarten Kornmagazin, das einmal Anfang der 1990er Jahre zur Kunsthalle ausgebaut werden sollte. „Der Ausdruck Ruinen schaffen ohne Waffen hat mich doch sehr beeindruckt. Es war ja sehr viel desolat, sehr viel kaputt“, sagte der Fotograf 2016 bei der Übergabe eines Teils seiner fotografischen Sammlung an das Potsdam-Museum.

Eine Auswahl aus 10 000 Negativen

Mit der Ausstellung im Landtag präsentiert das Museum erstmals eine Auswahl der insgesamt 10 000 Negative sowie mehr als 400 Originalabzüge, die mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des

Manfred Hamm bei der Ausstellungseröffnung am Montag im Landtag. Quelle: Detlev Scheerbarth

Landesministeriums für Infrastruktur angekauft werden konnten. Im ersten Obergeschoss des Landtags zeigt die Ausstellung in der Abteilung „Inszenierte Landschaften“ Ansichten der Potsdam-Berliner Parklandschaft. Im zweiten Obergeschoss werden fotografische Arbeiten gezeigt, die zwischen 1990 und 1992 mit Motiven von Hoppenrade über Königs-Wusterhausen bis Reckahn für die Publikationsreihe „Schlösser und Gärten der Mark“ entstanden sind. Die Fotografien im dritten Obergeschoss sind unter dem Titel „Schinkelschule im Land Brandenburg“ den Spuren Karl Friedrich Schinkel und vor allem seines Schülers Ludwig Persius in der Mark gewidmet.

Info Ausstellung im Landtag bis 15. Dezember, Mo-Fr 8-18 Uhr.

Zweite Ausstellung des Potsdam-Museums im Landtag

Das Potsdam-Museum besitzt mit mehr als 270 000 Objekten eine der größten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Brandenburgs. Mit mehr als 100 00 Motiven stellt die Fotografie einen der wichtigsten Sammlungsschwerpunkte dar.

In der Fotothek des Dokumentations- und Informationszentrums der Schlösserstiftung befinden sich unter anderem rund 20 000 historische Glasplattennegative aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem späten 19. Jahrhundert, 50 000 Kleinbilddias aus der Zeit von 1939 bis 2000 sowie und 50 000 moderne Farbaufnahmen.

Nach der Ausstellung „Erzählte Geschichten: Grafikserien aus den Jahren 1970-2000“ mit 32 grafische Folgen von 24 Künstlern im ersten Halbjahr ist die Präsentation der Fotografien Manfred Hamms die zweite Ausstellung des Potsdam-Museums im Landtag.

Zur Ausstellung gibt es am 12. September im Filmmuseum ein Gespräch zum Dokfilm „Gärtner führen keine Kriege“ mit Manfred Hamm, dem Künstler Peter Rohn und Susanne Fienhold-Sheen vom Museums-Förderverein.

Von Volker Oelschläger

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