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Potsdam Potsdam kappt Ausweichroute für Einpendler
Lokales Potsdam Potsdam kappt Ausweichroute für Einpendler
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00:23 12.01.2019
Seit Montag ist ein wichtiger Schleichweg in der Brandenburger Vorstadt abgeschnitten: die Kantstraße. Es fahren trotzdem immer wieder Autos durch. Quelle: Rainer Schüler
Brandenburger Vorstadt

Am Montag hat die Stadt einen Abschnitt der Kantstraße stadteinwärts gesperrt, der als Umfahrung der verkehrsverengten Zeppelinstraße so gern genutzt wurde, dass es morgens zu heftigen Staus in den Nebenstraßen kam, allerdings nur morgens. Anwohner hatte sich darüber und über die gestiegene Luftbelastung beschwert.

Von der Sperrung erfahren die Autofahrer nun durch unübersehbare Hinweisschilder, die auf den ersten Blick nicht jedem begreiflich sind. Außerdem weisen Navis, die nicht ständig aktualisiert werden, die alte Streckenführung aus. Deshalb fahren immer wieder Autos noch stadteinwärts unter der Eisenbahnbrücke hindurch und riskieren Kollisionen.

In den ersten beiden Tagen der Neuregelung hat die Polizei 21 Falschfahrer gestoppt, doch außerhalb der Kontrollzeit gab es weitere Verstöße: Die MAZ beobachtete allein am Montag binnen einer halben Frühnachmittagsstunde acht. Einige fuhren durch, ohne anzuhalten, andere zögerten, sahen dann jedoch keinen Gegenverkehr und versuchten es.

Das war bislang problemlos, legal und in der Brandenburger Vorstadt üblich, wo sich außer in der Geschwister-Scholl-Straße immer Verkehr und Gegenverkehr auf einer Spur begegnen. Jetzt ist auf einem zwar kleinen, aber wichtigen Schleichweg die Notbremse gezogen und eine Richtung gesperrt worden. Für Polizeisprecher Heiko Schmidt zählt nicht, ob man da gefahrlos durchkommt in beide Richtungen: „Es gibt Verkehrsregeln, und die müssen eingehalten werden.“

Die Stadt weist der MAZ gegenüber die Verantwortung für die Kontrolle der neuen Regelung von sich und verweist auf die Polizei, deren Aufgabe die Überwachung des fließenden Verkehrs sei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn mit festen und mobilen Blitzern macht die Stadt genau das. Sie tut nur nicht, was die Polizei in den ersten beiden Tagen tat: Autofahrer mit der Stopp-Kelle oder Handzeichen anhalten und zur Kasse bitten.

Die Polizei könne gelegentlich „im Rahmen der normalen Revierdienst- und Streifentätigkeit “ dort kontrollieren, sagt Schmidt: „Aber das ist kein nachgewiesener Unfallschwerpunkt.“

Der Versuch dauert vorerst sechs Monate; seine Auswirkungen werde man „beobachten“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Eine Kontrolle mit Blitzerautos sei im Prinzip zwar machbar, weil die Falschfahrer erfassbar sind, „aber wir könnten es nicht ahnden.“ Automatische Erfassungen mit Kameras, wie italienische Städte das tun, seien noch nie erwogen worden.

Gegen die erlaubte Richtung zu fahren, ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit 25 Euro Bußgeld geahndet wird. Wer dem widerspricht, muss wegen des dann folgenden Verfahrens allerdings mit dem Doppelten rechnen. Wer mit seiner Ordnungswidrigkeit einen Unfall verursacht, muss zunächst 35 Euro Bußgeld zahlen.

Mit der neuen Regelung werden jene ausgebremst, die bislang aus Eiche und Golm beziehungsweise Werder kamen und den Zeppelin-Staus entgehen wollten, indem sie in die Kastanienallee fuhren und um mehrere Ecken durch die Maybach-, die Geschwister-Scholl- und die Nansenstraße wieder auf die Zeppelinstraße zurück. Morgens erstickte die Kreuzung Scholl- und Nansenstraße regelmäßig in Staus in alle Richtungen.

Für die Bereiche des sogenannten Nebennetzes der Zeppelinstraße, in denen sich durch die Ausweicherei das Verkehrsaufkommen erhöht hatte, hatte es zwei Anwohnerveranstaltungen und weiterführende Untersuchungen gegeben. Die Stadt kam nun den massiven Forderungen nach, dieses Nebennetz wieder zu entlasten. Chefverkehrsplaner Norman Niehoff spricht von rund 300 Autos, die in den drei Frühverkehrsstunden wieder zurück zur Bundesstraße müssen. Über den gesamten Tag sind es aber deutlich mehr; nur nannte die Stadt diese Zahl bislang nicht.

Durch die Verengung des Straßenraums auf der Zeppelinstraße sind dort nach Angaben der Stadt bis zu 3500 Autos weniger unterwegs, wodurch die Luftschadstoffwerte der Europäischen Union dauerhaft eingehalten werden können. Dafür rollten 2750 Fahrzeuge mehr durch die angrenzenden Wohnviertel.

Während die Zufahrtmöglichkeit in die Wohngebiete von der Kastanienallee aus unterbunden wird, bleibt sie stadtauswärts von der Nansen- und der Geschwister-Scholl-Straße aus bestehen. Die Bewohner sind zu einem Teil erleichtert, zum anderen Teil verärgert, denn wer bislang die Kastanienallee als Zufahrt zu den Supermärkten, zu Kaufland, zur Jet-Tankstelle und zur Kita „Baumschule“ nutzte, muss auf dem Heimweg weitere Wege fahren und sich in die Staus der Zeppelinstraße einreihen.

Von Rainer Schüler

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