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Verschmähte Spende in Potsdam

Land verweigert Annahme von Glocken Verschmähte Spende in Potsdam

Erik von Grawert-May ist von seiner Idee begeistert. Mit eindringlichem Blick und ausufernden Gesten erklärt er, warum er dem Land Brandenburg zwei Glocken fürs Fortunaportal am Stadtschloss spenden will. „Mich treibt die Liebe zur Schönheit“, sagt er und reißt seine Augen auf. Grawert-May hat eine begeisternde Art zu reden. Doch das Land hat sich davon nicht anstecken lassen. Es lehnt das Geschenk ab.

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Um diese Glocken geht es...

Quelle: MAZ

Potsdam. Um für sein Projekt, dem Land Brandenburg zwei Glocken fürs Fortunaportal am Stadtschloss spenden, zu werben und die Potsdamer auf seine Seite zu ziehen, hat Erik von Grawert-May am Sonnabend sein Geschenk auf den Alten Markt zur Stadtschlossbaustelle bringen lassen. „Toleranzglocken Senftenberg“ prangt auf den in Lauchhammer gegossenen Schellen. Toleranz, weil die Glocken läuten sollen, wenn der Landtag, der ins wiederaufgebaute Stadtschloss zieht, über etwas entscheidet, das Fragen der Toleranz berührt. Senftenberg deswegen, weil Grawert-May dort gelebt und an der Hochschule als Professor für Unternehmensethik gearbeitet hat. Als Spender nennt er sich Erik von Senftenberg.

Anfang Oktober war der Spender mit seiner Idee an den Landtag herangetreten. Er will in dem leeren Turm des Fortunaportals eine historische Lücke füllen, denn dort läuteten bis 1744 zwei Glocken. Der Landtag lehnte die Schenkung ab. Es sei nicht nachgewiesen, dass im Fortunaportal bis 1744 Glocken erklangen. Und da man sich beim Wiederaufbau des Stadtschlosses an der historischen Fassade von 1744 orientiere, könne man das Fortunaportal nicht um die Glocken ergänzen. Grawert-May und seine Unterstützer haben dafür kein Verständnis. Hans-Joachim Kuke ist Historiker und Mitglied beim Stadtschloss-Verein. „Die Glocken würden das Fortunaportal komplettieren“, sagt er. Friedrich der Große habe die Glocken erst um 1750 abnehmen lassen. Deswegen sei die Argumentation des Landtags nicht richtig.

Der Stadtschloss-Verein unterstützt Grawert-Mays Spende. „Ich finde die Idee sehr gut“, sagt Vereins-Chef Michael Schöne. Er finde es schade, dass sich der Landtag dagegen entschieden habe. „Das ist kein gutes Zeichen für künftige Spender.“ Allerdings hätte Grawert-May mit seiner Idee etwas behutsamer umgehen können. Schöne hätte zum Beispiel erst mit dem Landtag über die Spende gesprochen und dann die Glocken gießen lassen.

Grawert-May wählte den umgekehrten Weg. Bislang zahlte er mehr als 10 000 Euro je Glocke. Bald will er noch einen Glockenstuhl bauen lassen. Dann hätte er insgesamt um die 50 000 Euro ausgegeben. Die Absage des Landtags hat ihn nicht entmutigt: „Jetzt geht’s erst richtig los“, sagt er. Sein Ziel ist es, dass die Glocken ab 2017 im Fortunaportal erklingen. Denn im Jahr 2017 wird die Reformation zum 500. Mal gefeiert.

Auf ein Wort

Jan Bosschaart weiß nicht, über wen er sich in Sachen Glockenspende mehr wundern soll
Wie man es auch dreht und wendet, es ist schon eine schräge Geschichte: Da gibt es einerseits jemanden, der mal eben 20 000 Euro locker macht, um dem Stadtschloss zwei Glocken zu spenden, die im Fortunaportal erklingen könnten, sobald der Landtag etwas zur Toleranz beschließt. Und der Landtag lehnt ab, weil es diese Glocken möglicherweise 1744 nicht mehr gab. 1744 ist das Referenzjahr – so, wie die Fassade in jenem Jahr war, soll sie wieder aussehen, heißt es zur Begründung. Das ist dann auch etwas schräg, denn ob Glocken Teil der Fassade sind, darüber lässt sich ebenso trefflich streiten wie es offenbar die Historiker über die Frage tun, wann die originalen Glocken eigentlich abgenommen wurden – manche sagen: erst 1750. Schräg ist aber auch, dass der Spender nicht zuerst beim Landtag nachfragte, ob Bedarf an seiner Spende besteht, sondern auf eigene Faust zwei Glocken gießen ließ und sie dann fertig vors Portal fuhr, obwohl sie schon abgelehnt wurden. Und noch etwas schräger mutet es an, wenn der Mann – trotz der Ablehnung – nun ankündigt, auch noch einen Glockenstuhl fertigen zu lassen, um die Spendensumme auf glatte 50 000 Euro aufzurunden. Die zentrale Frage ist daher, über wen man sich hier mehr wundern soll.

Von Christian Meyer

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