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Potsdam Verstaubtes Inventar auf Dachboden entdeckt
Lokales Potsdam Verstaubtes Inventar auf Dachboden entdeckt
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00:01 18.07.2015
Auf dem Dachboden des Gemeindehauses der Heilig-Kreuz-Gemeinde lagerten alte Stücke aus dem Inventar der Heilig-Kreuz-Kapelle. Quelle: Privat
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Potsdam

Jahrzehntelang verstaubten sie auf dem Dachboden des Gemeindehauses der Heilig-Kreuz-Gemeinde in der Kiezstraße, bis man sich endlich vor einiger Zeit wieder ihres Wertes entsann: Es handelt sich um ein Taufbecken und eine kleine Kanzel. Die dritte im Bunde – eine Liedertafel – wurde hingegen von der Gemeinde genutzt. Gefertigt wurden Becken, Tafel und Kanzel 1949/50 nach Entwürfen des Architekten Winfried Wendland. Das Besondere: Die Stücke standen in der Heilig-Kreuz-Kapelle, die 1950 im kreuzförmigen Raum im Erdgeschoss des Stumpfes des Garnisonkirchturms eingeweiht worden war. Als Symbol des Neuanfangs war bereits im Sommer 1949 die Umbenennung der Garnisonkirche in Heilig-Kreuz-Kirche erfolgt; aus der ehemaligen Zivilgemeinde wurde folgerichtig die Heilig-Kreuz-Gemeinde In der Kapelle fanden bis 1966 Gottesdienste, Konfirmationen, Taufen und Trauungen statt. Bis zu hundert Gläubige fanden darin Platz. 1968 wurde der Turm auf Geheiß der Obrigkeit gesprengt.

Das Original-Inventar aus der Turmkapelle wird ab 25. Juli in der temporären Nagelkreuzkapelle an der Breiten Straße ausgestellt. An diesem Tag findet zum Auftakt der Ausstellung um 18 Uhr ein Gottesdienst in den Räumlichkeiten statt; gefolgt um 19.15 Uhr von einem Vortrag des Potsdamer Architekten Christian Wendland über die Heilig-Kreuz-Kapelle und ihr Inventar, das von seinem Vater gestaltet wurde: „Als Architekt hat er die Innenraumgestaltung mit diesen ganzen Gegenständen entworfen.“ Für die Arbeiten wurden hauptsächlich Potsdamer Firmen verpflichtet. Wendland senior war zu diesem Zeitpunkt als Leiter der Außenstelle des kirchlichen Bauamtes des evangelischen Konsistoriums Berlin-Brandenburg für die Umsetzung des Beschlusses zuständig, dass im Garnisonkirchturm eine Kapelle für die Heilig-Kreuz-Gemeinde entsteht.

Auch von Seiten des Staates war man damals – noch – dem Erhalt der Kirche gewogen. Winfried Wendland schildert dies in einem Bericht über eine Unterredung mit dem, Stadtbaurat am 14. Juli 1949: „Herr Stadtbaurat Richard äußerte, dass es notwendig sei, dass an der Kirche gearbeitet würde und dass sie in Gebrauch sei.“ Unterstützung signalisiert auch ein Schreiben des DDR-Vize-Ministerpräsidenten Otto Nuschke vom 15. Mai 1952 an die Gemeinde: „Aus den mir zur Verfügung stehenden Mitteln zur Sicherung und Erhaltung denkmalwerter kirchlicher Bauwerke habe ich den Betrag von viertausend Deutsche Mark als Beihilfe zur Wiederherstellung des Pfeilers an der Westseite der Heilig-Kreuz-Kirche bewilligt.“

Tatsächlich stand das Gotteshaus lange nicht auf der „Abschussliste“ des Staates. Nachdem man oben zwei Betondecken im Turm eingezogen hatte, war das kriegsversehrte Gebäude wetterfest. Eine dritte Decke sollte eingebaut werden, erzählt Christian Wendland, aber dazu kam es dann wegen des Sinneswandels der Staatsführung nicht mehr. Sogar die Stahlrohreinrüstung für die Renovierungsarbeiten war schon da. Auch sie wurde praktisch über Nacht nutzlos. Den Gemeindemitgliedern gelang es, noch rechtzeitig vor der Sprengung wichtige Teile der Inneneinrichtung zu retten. Die jetzt wiederaufgefundenen Teile des Inventars hatten 17 Jahre lang in der Heilig-Kreuz-Kapelle gestanden: „Das ist viel länger als die Nutzung durch die ,braune Soße’, die Nazis“, unterstreicht Wendland die Bedeutung der Kapelle, die dem Friedensgedanken gewidmet war. „Deshalb sollen die Gegner des Wiederaufbaus nicht immer alles nur auf den ,Tag von Potsdam’ reduzieren.“

Von Ildiko Röd

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