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Potsdam Untote aus einer rätselhaften Welt
Lokales Potsdam Untote aus einer rätselhaften Welt
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19:42 16.09.2018
Marc Brandenburgs „Camouflage Pullovers" lösen Befremden aus. Die bunten Gestalten sind das personifizierte seelische Grau. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Schiffbauergasse

Wer am Freitagabend die Pforte des Kunstraums Potsdam in der Schiffbauergasse überschritt, wurde von Dämmerlicht und einer basstontiefen enervierenden Geräuschkulisse empfangen. Noch beklemmender aber waren die riesengroß an den Wände flimmernden zwölf Videos des Berliner Künstlers Marc Brandenburg. Auf denen sah man merkwürdige Gestalten sich mit um die Hälfte verlangsamter Geschwindigkeit in typischen Berliner Stadtlandschaften bewegen.

Alle diese Untoten, die aus einer rätselhaften fremden Welt zu stammen schienen, verband ihr geisterhaft uniformes Erscheinungsbild. Quietschebunte Strickpullover mündeten in Strickhandschuhen sowie Strickgesichtern mit aufgestrickten Augen und Haaren samt den von einem Reißverschluss verschlossenen Lippen. Ihre Individualität bezogen sie einzig aus der Verschiedenartigkeit der knallbunten Pullover, und ihrer unterschiedlich farbig gestrickten Haut. Diese äußerlich so farbenfrohen Gestalten aber strahlten weder Frohsinn noch Heiterkeit ab, sondern infizierten die Betrachter mit jeder Menge düsterer, geradezu ansteckend schwermütiger Gedanken.

Verwundern kann das nicht, bedenkt man, was Brandenburg einmal in einem Interview mit seinem langjährigen künstlerischen Mitstreiter und Eröffnungsredner der Potsdamer Ausstellung, Oliver Koerner von Gustorf, bekannte: „Ich komme aus einem ziemlich gewalttätigen Elternhaus und bin quasi als doppelte Minderheit aufgewachsen: als schwarzer, schwuler Deutsch-Amerikaner. Aber solange ich denken kann, war das Außenseitertum die einzig denkbare Art zu existieren.“ Die in den Strickkörpern vermeintlich enthaltenen Intentionen aber deshalb als versteckte Botschaften zu lesen, wäre trotz ihrer offenkundig das Thema Rassismus tangierenden Bildsprache müßig. Ihre Wesensart ist absichtsvoll unbestimmt. Gewollt ist wohl hauptsächlich das Unbehagen, das sie wie radioaktiv verseuchte Objekte abstrahlen und die von ihrer filmischen Präsenz ausgelösten Gedankenketten samt der daraus folgenden Diskussionen.

Im Obergeschoss der Ausstellung sind lediglich vier dieser Strickkostüme, eingeschweißt in Plastikfolie, auf einem Kleiderständer ausgestellt. Die Originale aber befinden sich in Katharina Koppenwallners Trachten- und Artefakteladen im Berliner Scheunenviertel, die zudem einige ihrer aus der ganzen Welt stammenden kunstvollen Objekte und Kostüme ebenfalls im Rahmen dieser Ausstellung zeigt. Brandenburgs Ganzkörperbestrickungen aber fehlt die Ästhetik und Schönheit der von Koppenwallner ausgestellten bestickten Kopfbedeckungen und Kostüme gänzlich. Seine Camouflage-Pullover sind keine Bekleidungen, ja nicht einmal Verkleidungen, sondern mit ihrer totalen Wesensentleerung lösen sie Befremden aus, dem sich kein Betrachter entziehen kann.

Diese so bunten Gestalten sind das personifizierte seelische Grau. Dahinter tritt sogar die möglicherweise vom Künstler intendierte Frage nach dem Maskenhaften unserer menschlichen Existenz zurück. Genauso nebensächlich ist auch die von diesen Wesen unter und auf den Kostümen getragene Hautfarbe. Wesentlich aber bleiben nur die von diesen traurigen Existenzen ausgelösten Fragen und der kalte Schauer des Ichs, das auf ein völlig entindividualisiertes leeres Du blickt.

Von Lothar Krone

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