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„Viel verstreutes Engagement“

Kunstvereine, Galeristen und die Stadtverwaltung streiten sich um Förderpolitik und Strukturen „Viel verstreutes Engagement“

Die Kunstszene der Landeshauptstadt soll ihre Kräfte bündeln. Das empfiehlt Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) in ihrer öffentlichen Stellungnahme zu einem gemeinsamen Thesenpapier der Spitzen des Vereins Kunsthaus Potsdam und des Brandenburgischen Kunstvereins.

„Als ehemalige Kulturdezernentin von Stuttgart, die den Wirkungsgrad eines großen Kunstvereins schätzen gelernt hat, erlaube ich mir aber auch die Frage, ob nicht den gemeinsamen Thesen für beide Kunstvereine nun auch eine gemeinsame Struktur folgen könnte.“

Wilhelm Neufeldt, zweiter Vorsitzender des Kunsthaus-Vereins, und Gerrit Gohlke, künstlerischer Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins, hatten in einer Streitschrift „Stadt ohne Mitte“ in Sachen bildender Kunst eine „Vereinzelung ihrer Akteure“ konstatiert und Kritik an der kommunalen Kulturförderung geübt: „In Potsdam gibt es viel verstreutes Engagement für Kultur. Ein Kunststandort aber ist Potsdam bislang nicht, weil im zentralen Bereich der bildenden Kunst Almosen verteilt werden, statt Standards zu setzen.“

Das vor einigen Tagen veröffentlichte Papier, das an die Debatte um das 2012 gescheiterte Projekt einer gespendeten Kunsthalle für die Innenstadt anknüpfte, stieß auf kontroverse Reaktionen. Markus Wicke, Vorsitzender vom Förderverein des Potsdam-Museums, spöttelte via Facebook: „Fünf Thesen für ein neues Potsdam: 1. Weniger, 2. Thesen, 3. dafür, 4. mehr, 5. Taten.“ Galeristin Friedrike Sehmsdorf steuerte eine eigene Streitschrift bei: „Das Papier von Gerrit Gohlke und Wilhelm Neufeldt ist eine etwas verschwurbelte Argumentation, die auf ein Einziges hinausläuft: Beide Vereine wollen mehr Geld für ihre Arbeit.“ Diese Behauptung provozierte heftige Gegenrede. Frank Michael Zeidler, 1. Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes und Initiator des Kunsthauses Potsdam, eröffnete einen längeren Brief an die Öffentlichkeit mit der Feststellung: „Am Wochenende musste ich mir ... verwundert die Augen reiben. Eine Galeristin fällt öffentlich den beiden wichtigsten Kunstvereinen ihrer Stadt in den Rücken.“ Auch Petra Stegmann, Kunsthistorikerin, Kuratorin und Mitglied des Brandenburgischen Kunstvereins schlug zurück: „Ein Glück, dass Friederike Sehmsdorf mit ihrer – freundlich ausgedrückt – konservativen Auffassung von Kunst in Potsdam nicht tonangebend ist.“ Via Facebook brandmarkte der Brandenburgische Kunstverein einen „Angriff auf die öffentliche Förderung“, „heimliche und öffentliche Angriffe auf die Potsdamer Kunstvereine“.

Den vorläufigen Schlusspunkt setzte Dezernentin Magdowski mit dem Verweis auf das vergebliche Bemühen des Kunsthaus-Vereins um eine Verdoppelung der städtischen Jahresförderung auf 40 000 Euro: „Dass die Enttäuschung darüber groß ist, kann ich verstehen.“ Der Brandenburgische Kunstverein bekommt von der Stadt jährlich 20 000 Euro und den Pavillon auf der Freundschaftsinsel als Ausstellungsort. Das von Magdowski angeregte Modell einer „gemeinsamen Struktur“ wird von beiden Vereinen strikt abgelehnt. Gohlke verwies gestern auf die „extrem verschiedenen Programme“ beider Vereine: „Potsdam braucht diese Vielfalt.“ Neufeldt teilt diese Ansicht: „Es steht einer Stadt gut, mehrere Kunstvereine zu haben – zumal, wenn sie sie für so wenig Geld bekommt.“ (Von Volker Oelschläger)

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