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Potsdam Potsdam droht ein Stausommer
Lokales Potsdam Potsdam droht ein Stausommer
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20:07 07.07.2015
Potsdam hat schon jetzt viele Staustellen. Im Sommer wird es wegen Baustellen noch schlimmer und hält teils bis Dezember an. Quelle: Jacqueline Schulz
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Potsdam

Potsdam droht ein wahrer Stausommer. An vielen wichtigen Straßen in der Stadt wird gebaut, Spuren und Einfahrten werden gesperrt.

Diese Straßen sind betroffen:

B 273 bei Marquardt: Gesperrt vom 20. Juli bis 20. August, Umleitung über die L92 und B2.

Friedrich-Engels-Straße: gesperrt zwischen der Nuthestraße und der MAZ-Zufahrt vom 16. bis 20. Juli.

Zeppelinstraße: Vom 16. Juli bis 28. August ist nur eine Fahrspur pro Richtung befahrbar.

Humboldtbrücke: Bis 30. Juli sind nur zwei Fahrspuren pro Richtung befahrbar.

Nuthestraße: Bis September ist nur eine Fahrspur pro Richtung frei, es gibt Umleitungen für gesperrte Ein- und Ausfahrten.

Heinrich-Mann-Allee: Zwischen Hauptbahnhof und Friedhofsgasse gesperrt vom 20. Juli bis 7. August.

6 wichtige Straßen in Potsdam sind von Sperrungen im Sommer betroffen. Quelle: MAZ

Am „Übergang“ sind sie richtig sauer. Die Kleingartensparte zwischen Friedrich-Engels-Straße und Horstweg gehört am Donnerstag kommender Woche zu den ersten Sperrungsopfern. 44 Parzellen gibt es hier, etwa doppelt so viele Nutzer, und keiner wusste bis Dienstagmittag etwas von den Straßenbaumaßnahmen und der viertägigen Vollsperrung, die die Sparte fast unerreichbar machen wird, es sei denn, man fährt Rad oder läuft hin. „Dann bleibe ich halt die ganze Zeit über hier“, sagt der Vereinsvorsitzende Karsten Franzke schnell: „Und zur Not hab ich das Rad.“

Die Gartensparte „Übergang“ an der Friedrich-Engels-Straße wird ab dem 16. Juli für vier Tage komplett vom Straßennetz abgeschnitten. Quelle: Rainer Schüler

Doch dann liest er die Ankündigung der Stadt doch erstmal gründlich durch. Er muss sich setzen: „Das ist ja der Hammer! Ich hatte keine Ahnung; keiner hier ahnt irgendwas.“ Am Montag war er noch beim Potsdamer Gartenverbandschef Friedrich Niehaus, der auch nichts wusste. „Bei dem Wetter will doch jeder ins Grüne, in den Garten“, sagt Franzke: „Und man muss auch in den Garten. Wenn ich hier nicht gieße in dieser Hitze, ist alles hin.“ Nicht zuletzt der Gaststättenpächter werde wüten: „Dem fehlen vier Tageseinnahmen. Wer entschädigt den? Nicht auszudenken.“ Franzke setzt sich an den Laptop und macht einen Aushang fertig für seine Leute.

Sperrungen am Lutherplatz

Eine Vollsperrung gibt es auf der B 273 in der Höhe der Ausfahrt aus Marquardt. Umgeleitet wird der Verkehr vom 20. Juli bis zum 28. August über die L 92 und die B 2.

Voll gesperrt ist auch die Ketziner Straße bis zum 16. August. Umgeleitet wird über B 273 und Bergstraße.

Halbseitig gesperrt von Mitte August bis Dezember ist die Straße Zum Kirchsteigfeld zwischen L 40 und Konrad-Wolf-Allee. Der Verkehr in Richtung Süden wird über die Alte Neuendorfer Straße umgeleitet.

Halbseitig gesperrt wird der Lutherplatz in Babelsberg vom 21. Juli bis zum 4. September. Eine Ampel regelt den Verkehr. Wer vom Hauptbahnhof kommt, muss vorher in die Daimlerstraße einbiegen. Es gibt vermutlich Staus in alle Richtungen.

Sauer sind auch die Taxi-Fahrer. „Da kommen wir noch langsamer vorwärts und brauchen viel mehr Zeit pro Kunde“. ärgert sich Andreas Bube, der in der Mittagshitze vor der Bahnhofsspielbank auf Kundschaft wartet. Nur wenn er steht, kann er die Zeit draufschlagen, wenn er rollt, und sei es langsam, nicht. Man müsse aber etwa 25 Euro pro Stunde einfahren, gibt er zu bedenken. Manch Taxi-Unternehmen schicke seine Fahrer zu solchen Problemzeiten gar nicht mehr auf die Straße, weil ihm das zu wenig Einnahmen bringt, er aber die Fahrer nach Mindestlohngesetzt bezahlen muss. „Dann“, so Bube, „wird halt nur noch gefahren, wenn sich das lohnt.“ Die Stauprobleme habe man doch schon seit 20 Jahren: „Und jetzt will der Klipp auch noch die Zeppelinstraße eng machen. Der will keinen Verkehr, der will nur Radfahrer. Ein dritter Havelübergang wäre echt nützlich.“ Er komme jeden Morgen aus Geltow, berichtet Bube: „Eine Katastrophe. Nur Stau!“ Wenn in der Zeppelinstraße gebaut wird, bekomme man einen „Vorgeschmack, auf das, was der Klipp da plant.“

Taxi-Fahrer Andreas Bube ärgert sich über Dauerstaus. Er braucht wegen Baustellen viel länger pro Kunde und bringt weniger Einnahmen für seinen Taxi-Arbeitgeber. Quelle: Rainer Schüler

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg fordert, dass auch Potsdam das hessische Slot-Baustellenmanagement einführt, wie es die CDU/ANW-Fraktion in der Juli-Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen hat; die Stadtverordneten stimmten dem zu. „Ich habe den Eindruck, dass die halbe Stadt lahmgelegt wird im Sommer“, sagt Scharfenberg: „Heinrich-Mann-Allee, Friedrich-Engels-Straße, Nuthestraße“ zählt er Problemzonen auf. „Die Urlaubszeit ist natürlich auch die beste Zeit im Straßenbau“, räumt er ein: „Aber es muss eine viel bessere Koordination geben.“

Dem pflichtet auch seine Parteikollegin und Ex-Umweltministerin Anita Tack bei. „Baustellenkoordination ist ein unbedingtes Muss“, sagt sie: „Offenbar klappt das in Potsdam nicht so richtig.“ Die Nutzer der Straßen sähen das naturgemäß anders als die Planer. Nachts oder an Wochenenden zu bauen sei für die meisten Kommunen, sicher auch für Potsdam, keine Alternativem, „weil sie dann Nacht- und Feiertagszuschläge zahlen müssen.“

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Potsdam fordert „ein bisschen mehr Nachdenken über die Ursachen der Sommerbaustellen“. Das helfe über die ein oder andere Wartezeit im Stau hinweg. „Tatsache ist, dass viel befahrene Straßen verschleißen und regelmäßig in Stand gehalten werden müssen, um nicht völlig unbefahrbar zu werden“, erklärt der Landesvorsitzende Marc Nellen: „Einschränkungen für den Straßenverkehr sind daher unumgänglich.“ Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass damit verbundene Sperrungen in den verkehrsärmeren Sommermonaten erfolgen. Natürlich sei es für jeden einzelnen Autofahrer ärgerlich, wenn er aufgrund von Streckensperrungen länger als sonst für seine Wege benötigt. „Dabei sollten sich die Kritiker jedoch bewusst werden, dass die regelmäßige Nutzung von Straßen mit dem Auto eben die Ursache für diesen Verschleiß und die in der Folge erforderlichen Instandsetzungsarbeiten ist.“ Gleiches gelte auch für den Bahnverkehr: Auch Bahnkunden müssten oftmals lange Umwege- und Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn Strecken saniert werden. Der VCD Brandenburg rät in dieser Sommerzeit: „Umsteigen auf das Fahrrad oder Busse und Bahnen verkürzt oftmals die Wegezeit und schont die Nerven!“

So denken die Potsdamer über die Baustellen

Hartmut Wolter: Mit halbseitigen Sperrungen kann man sich ja noch anfreunden. Aber das mit den Vollsperrungen wie an der Friedrich-Engels-Straße geht gar nicht. Da kommen viele ja gar nicht mehr ans Ziel. Quelle: MAZ
Franziska Buttgereit: Was für ein Verkehr für Alt Drewitz. Hier müssen die Kinder und Eltern dann noch mehr aufpassen. Und viele Leute kommen nur über große Umwege zum Einkaufen zu Lidl oder Porta. Quelle: MAZ
Sigmar Wilhelm: Der Weg über die Zeppelinstraße zum Klinikum ist schon jetzt eine Strapaze, weil ich oft im Stau stehe. Wenn es jetzt wegen der Bauarbeiten nur einspurig vorwärts geht – das wird der Horror. Quelle: MAZ

Von Rainer Schüler

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