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Potsdam Viele Potsdamer Kinder nicht reif für die Schule
Lokales Potsdam Viele Potsdamer Kinder nicht reif für die Schule
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09:08 19.08.2016
Die geistige und körperliche Fitness wird vor der Schule getestet. Quelle: Foto: dpa
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Potsdam

Nicht fit genug zum Lernen: Einige Potsdamer Kinder werden in gut zwei Wochen nicht wie vorgesehen ihren ersten Schultag erleben, sondern ein weiteres Jahr in der Kita bleiben. Für 280 Kinder im schulpflichtigen Alter haben die Potsdamer Amtsärzte aus medizinischen Gründen eine Rückstellung empfohlen. Das geht aus einer ersten Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen hervor, die der MAZ vorliegt. Das heißt 14,7 Prozent der potenziellen Erstklässler sind aus Sicht der Mediziner für den Schulalltag nicht gewappnet – ein auffällig hoher Wert. Im Jahr 2012 wurden in Potsdam insgesamt zehn Prozent der Kinder später eingeschult.

Der 30. September ist in Brandenburg Stichtag für die Einschulung. Das heißt Kinder, die bis zu diesem Datum sechs Jahre alt werden, werden im selben Jahr schulpflichtig. Auch in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gilt der 30. September. In anderen Ländern gilt wie in Brandenburg bis zum Jahr 2005 der 30. Juni. Berlin hat mit dem 30.12. einen sehr späten Stichtag.

Die Zahl der Rückstellungen schwankte brandenburgweit in den vergangenen Jahren zwischen rund 12 Prozent und knapp 14 Prozent, hat sich aber zum Schuljahr 2015/16 auf 15,6 Prozent erhöht.

Der erste Schultag für die Potsdamer Erstklässer ist am 5. September.

„Über die tatsächliche Rückstellung entscheidet der Schulleiter“, sagt Stadtsprecherin Christine Homann. Die genauen Zahlen, wie viele Kinder wirklich zurückgestellt wurden, erfasst das Bildungsministerium erst Mitte September mit einer Blitzumfrage an den Schulen, erklärt Vize-Sprecherin Antje Grabley. Zu den Schülern, die auf ärztlichen Rat zurück in die Kita geschickt werden, kommen noch diejenigen, die auf Antrag der Eltern noch ein Jahr Schonfrist vor dem Ernst des Lebens bekommen.

Schulpflichtig geworden sind in diesem Jahr insgesamt 1903 junge Potsdamer. Den 280 Spätentwicklern stehen 38 Kinder gegenüber, die auf Wunsch der Eltern vorzeitig untersucht wurden, um ein Jahr früher eingeschult zu werden.

In welchem Alter sollten Kinder eingeschult werden?

Bald beginnt in Brandenburg das neue Schuljahr. Wie alt das Kind bei der Einschulung ist, darüber entscheidet auch ein Stichtag. Wird es bis zum 30. September sechs Jahre alt, kann es sogar bereits mit fünf Jahren eingeschult werden. Zu früh finden viele. In der Landeshauptstadt Potsdam werden unterdessen immer häufiger Kinder auf ärztliche Empfehlung ein Jahr später eingeschult.

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Teilweise müssen schon 5-Jährige zur Schule

Die Gründe für die Rückstellung sind vielfältig. Emotionale, soziale und Sprachstörungen können es nötig machen, das Kind später einzuschulen. Aber auch körperliche Probleme, etwa bei sehr kleinen, zarten Kindern, veranlassen Ärzte zu dem Rat. In Brandenburg gibt es in dem Zusammenhang immer wieder Streit über den Einschulungsstichtag. Dieser ist in der Mark mit dem 30. September so gewählt, dass teils auch schon Fünfjährige zur Schule müssen. Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München wird bei Kindern, die mit fünf Jahren oder kurz nach ihrem sechsten Geburtstag eingeschult werden, häufiger ADHS, also eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung, diagnostiziert. Zumindest für Potsdam geben die Zahlen aus den Vorjahren diesen Zusammenhang nicht unbedingt her. 2015 wurde bei 0,5 Prozent der Einschüler ein „Zappelphilipp“-Syndrom diagnostiziert, wobei Jungen häufiger betroffen waren als Mädchen. Im Landesvergleich ist der Wert gering: In Spree-Neiße wurde bei 9,2 Prozent der Kinder ADHS festgestellt. In Potsdam-Mittelmark waren es 2,3 Prozent. Das Landesgesundheitsamt konnte feststellen, „dass Einschüler aus Familien mit niedrigem Sozialstatus im Vergleich zu Gleichaltrigen aus Familien mit hohem Sozialstatus 3,5-mal so häufig betroffen waren“.

Verbreitet sind auch in Potsdam aber Sprach- und Sprechstörungen bei Kindern. Im Vorjahr bekamen 17,6 Prozent bei der Eingangsuntersuchung diesen Befund. Unter emotionalen oder sozialen Störungen litten 7,2 Prozent. Die Detailauswertung der aktuellen Untersuchung liegt noch nicht vor.

Kinder sind ganz unterschiedlich in ihrer Entwicklung

Die landesweit steigende Rückstellerquote ist für das Ministerium dennoch kein Anlass, den Stichtag nach vorne zu verlegen und Fünfjährige nicht einzuschulen. Es gebe immer gute Argumente für einen früheren oder späteren Stichtag, so Sprecherin Antje Grabley.

Schließlich seien Kinder ganz unterschiedlich in ihrer Entwicklung. „Entscheidend ist die Einschätzung, ob das Kind erfolgreich am Unterricht teilnehmen kann.“ Nach Einschätzung von Ärzten können das viele Potsdamer Kinder offenbar nicht.

Von Marion Kaufmann

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