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Viele offene Fragen nach Leichenfund am Minsk

Toter Obdachloser in Potsdam Viele offene Fragen nach Leichenfund am Minsk

Im Falle des tödlichen Streits auf dem Brauhausberg zwischen zwei Obdachlosen sagt die Staatsanwaltschaft noch nicht, wie die Bluttat abgelaufen ist. Noch immer geben die Tatumstände Rätsel auf. Auch die Zustände am und im „Minsk“ selbst, müssen noch weiter untersucht werden.

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Das frühere Restaurant bietet ein Bild der Zerstörung.

Quelle: Rainer Schüler

Mitte. Der wegen Tötung eines Landsmanns am früheren Terrassenrestaurant „Minsk“ festgenommene Pole muss mit mindestens drei Jahren Haft rechnen.

Wie Staatsanwalt Christoph Lange der MAZ am Freitag sagte, wird gegen den in Untersuchungshaft sitzenden 41 Jahre alten Polen wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Darauf stehen im Falle der Verurteilung drei bis 15 Jahre Gefängnis.

Der Mann hat in der polizeilichen Vernehmung zugegeben, mit dem 44 Jahre alten Opfer eine „körperliche Auseinandersetzung“ gehabt zu haben, bei der das Opfer schwerste Verletzungen erlitt und starb. Ob der Täter oder das Opfer alkoholisiert war oder gar beide vor dem Streit getrunken hatten, wollte der Staatsanwalt nicht sagen, weil dies das Strafmaß erheblich mindern könnte. Lange legte sich auch nicht fest, ob ein Faustschlag den 44-Jährigen niederstreckte oder ob es einen Gegenstand als Tatwaffe gab. Ebensowenig wollte der Staatsanwalt sagen, ob die Streitenden illegale Bewohner des verlassenen Restaurants waren.

Der Hinweis auf den Toten kam am vergangenen Sonntag von einem Zeugen, den man zwar unter der Bewohnerschaft vermuten darf, doch wurde dies bislang nicht bestätigt. Der Zeuge hatte auch einen 52-jährigen Rumänen als tatverdächtig benannt, der zunächst zusammen mit dem Polen festgenommen, später aber mangels Beweisen wieder freigelassen wurde.

Vieles noch unklar

Die Staatsanwaltschaft weiß angeblich nicht, wie lange es schon Bewohner im Objekt gibt und wieviele es sind. Auch die Stadtverwaltung weiß das nicht. Stadtsprecher Stefan Schulz sicherte den Bewohnern des Minsk aber sichere Schlafplätze und Versorgung in einer Obdachlosenunterkunft zu, falls sie das wünschen. „Ob sie es wollen, wissen wir nicht“, sagte er. Das könnten womöglich Straßensozialarbeiter herausfinden.

Wie Stefan Klotz als Sprecher der Stadtwerke, des Grundstückseigners, sagte, ist das stark demolierte Gebäude seit langem abgeschnitten von Strom, Wasser und Abwasser. Die Stadtwerke sind bislang davon ausgegangen, dass das Objekt verschlossen und durch Bauzäune gegen das Betreten gesichert ist; angeblich wird es sogar durch ein Wachschutzunternehmen bestreift. Doch die Bauzäune sind problemlos zu umgehen und mehrere Eingänge seit langem offen.

Im Inneren ist alles kaputt

Im Inneren ist die gesamte Restaurantausstattung zerschlagen; es gibt kein größeres verglastes Fenster mehr. Deshalb haben sich mindestens zwei Obdachlose recht geordnete Nachtlager in innenliegenden Lager- oder Technikräumen geschaffen; aber auch neben dem Haupteingang campiert ein Mann im Schlafsack, durch alte Möbelplatten notdürftig vor Wind geschützt.

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Das Terrassenrestaurant „Minsk“ war in DDR-Zeiten ein beliebter Teil der mit Wasserspielen gespickten Hangbebauung des Brauhausberges, auf dem das Schwimmbad das zweite Highlight war.

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Das 1970 vom Potsdamer Architekten Karl-Heinz Birkholz gebaute „Minsk“ war zu DDR-Zeiten so etwas wie ein Nobelrestaurant und galt als Musterbeispiel gelungener Architektur. Es trug den Namen des weißrussischen „Rayons Minsk“, der seit 1977 Partnerbezirk des damaligen Bezirkes Potsdam war, nicht der Stadt Potsdam. Nach der Wende riss das Band zwischen den Regionen. Das Restaurant hatte noch ein zweites Leben als „Italiener“, ehe es ganz aufgegeben wurde und verfiel. Versuche, es einer neuen Nutzung zuzuführen und dort eine sportbezogene Kita einzurichten, scheiterten vor drei Jahren. Die stadteigene Polo Beteiligungsgesellschaft versucht, das Objekt zu verkaufen, das dann vermutlich abgerissen wird. Die Verkaufserlöse sollen in die nachträgliche Finanzierung des neuen Sport- und Freizeitbades „blu“ einfließen.

Von Rainer Schüler

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