Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
„Vielleicht ist das Potsdamer Innenpolitik“

Potsdam-Mittelmarks Landrat Blasig zur Zeppelinstraße „Vielleicht ist das Potsdamer Innenpolitik“

Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD) ist irritiert über das unabgestimmte Vorgehen der Landeshauptstadt Potsdam bei der Einengung der Zeppelinstraße. Zudem kann er einige Argumente nicht nachvollziehen. Für ihn steht auch fest, dass Potsdam eins sicher nicht ist: eine fahrfreundliche Stadt.

Voriger Artikel
Zu viel Fleisch, zu wenig Nachhaltigkeit
Nächster Artikel
Potsdam am Freitag: Das ist heute wichtig

Landrat Wolfgang Blasig (SPD).

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Der Modellversuch in der Zeppelinstraße wirkt sich auch auf den Landkreis Potsdam-Mittelmarkt aus. Landrat Wolfgang Blasig (SPD) macht aus seinen Bedenken keinen Hehl.

Herr Blasig, in Potsdam und auch im Umland ist die Einengung der Zeppelinstraße das Top-Aufregerthema. Wie sehen Sie den Modellversuch?

Wir sehen das nach wie vor kritisch, denn wesentliche Voraussetzungen, die zur Verbesserung auf der Zeppelinstraße beitragen sollten, gibt es noch gar nicht. Weder die Busspur noch den Ausbau von Park & Ride. Das Ganze bringt Stausituationen mit sich. Ob das dazu führt, dass die Schadstoffbelastung an schwierigen Tagen geringer wird, wage ich zu bezweifeln. Vor allen Dingen bin ich verunsichert von der Ankündigung, den Modellversuch auf ein Dreivierteljahr auszudehnen. Das habe ich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Die Dauer des Versuchs und die Auswertungsmethodik sind der Nachbarschaft unbekannt.

Sie haben gar keine Informationen darüber?

Nein, wenn in der Presse über die unterschiedlichen Ansichten in der Potsdamer Stadtpolitik über die Dauer der Maßnahme berichtet wird, dann hören und sehen die Nachbarn das mit großen Ohren und Augen. Ich würde gerne mal wissen, wann der Versuch endet. Das ist eine Informationspolitik, die an so einer sensiblen Stelle etwas kritisch ist. Dass sich die Fraktionen nicht mal einig sind, sind Signale, die wir aufnehmen. Am Anfang hieß es, dass es drei Monate dauern soll. Später wurde der Zeitraum immer länger. Das ist ja schön und gut – aber dann muss man die Katze aus dem Sack lassen. Diese Art der Kommunikation ist sehr schwierig.

Aber es gab doch Gespräche im Vorfeld, oder?

Ich muss deutlich machen, dass wir unsere Vorbehalte geäußert haben und es ein gutes Potsdamer Recht ist, diesen Modellversuch trotzdem durchzusetzen. Natürlich kann man einfach mal anfangen und hoffen, dass es keinen Sturm der Entrüstung gibt. In Schwielowsee und Werder ist man schon erstaunt bis hin zu blankem Entsetzen, wie man miteinander umgeht. Man braucht klare Verhältnisse. Unsere Fachbehörden haben sich ausgetauscht und es war klar: Wir brauchen bestimmte Voraussetzungen. Die sind aber noch nicht geschaffen. Ich weiß nicht, warum das jetzt gestartet wird. Vielleicht ist das ja Potsdamer Innenpolitik! Ich habe aber auch das gute Recht zu sagen: Ich stehe dem Ganzen kritisch gegenüber.

In Potsdam wird argumentiert, dass die Maßnahme unumgänglich sei, weil die zulässigen Luftschadstoffwerte überschritten werden.

Soviel ich weiß, waren es sechs Überschreitungen im Jahr, was natürlich deutlich zuviel ist. Aber in der Großbeerenstraße passiert das auch. Warum das ausgerechnet in der Zeppelinstraße so zelebriert wird, weiß ich nicht. Das Ganze ist aber auch durch die Bauleitplanung ein hausgemachtes Problem.

Wie meinen Sie das?

Der Kaufland-Markt, wo es sogar eine eigene Abbiegespur gibt, und die anderen Einrichtungen in der Zeppelinstraße produzieren viel Verkehr. Die Stadt Potsdam macht den Modellversuch, weil sie es kann. Ob das wirklich zum Ergebnis führt, dass genau diese Methode zur Schadstoffreduzierung führt, muss sich zeigen. Wie immer sind sich die Fachleute nicht einig. Ein Experiment an einem lebendigen Patienten – das ist so eine Geschichte.

Der Takt der Busse aus dem Umland wurde verdichtet. Könnte nicht das die erhoffte Entlastung bringen?

Wenn die Buslinien anfangen im Stau zu stehen, geht unser ganzes Linienkonzept nicht mehr auf. Die Busse müssen ja in einer bestimmten Zeit ankommen, um die Anschlusszeiten zu schaffen. Unser Plus-Bus-Konzept ist, Bus und Schiene zu verbinden. Der Zug wartet aber nicht darauf, dass der Bus ankommt. Ein weiteres Problem ist, dass die Busspur erst ab der MBS-Arena beginnt. Wie kommen die Busse dahin? Die stehen ja bis Geltow.

Ist der Modellversuch also von Anfang an ein Flop?

Fairerweise muss man sagen, dass angesichts des Potsdamer Verkehrsproblems die Zeppelinstraße nur ein kleiner Kummer ist. Wenn ich aus Potsdam schon höre: Unser Ziel ist es, jedes fünfte Auto aus der Stadt herauszuhalten! Das heißt, bewusst eine Verkehrsvermeidung herzustellen. Eine besonders aktive Verkehrsvermeidung würde man erreichen, wenn man die Zeppelinstraße entwidmet. Ich bin ja gerne bereit, auch mal wie die Potsdamer Stadtspitze zu denken. Aber Vermeidung durch Restriktion und nicht durch bessere Angebote ist immer schwierig. In der baulichen Veränderung auf der Zeppelinstraße sehe ich keine Verbesserung für das Schadstoffproblem.

Man will die Menschen ja auch ermutigen, aufs Rad umzusteigen. Werden wir den Landrat von Potsdam-Mittelmark vielleicht auch künftig als Pedalritter an der Zeppelinstraße entlangstrampeln sehen?

Diese Vorstellung fällt mir etwas schwer, obwohl ich in meiner Freizeit zu Hause gerne auf dem Rad unterwegs bin. Aber mit dem Rad nach Potsdam, das wird eher nicht passieren. Potsdam – bei aller Liebe – träumt vielleicht von Fahrradfreundlichkeit. Aber es ist keine fahrradfreundliche Stadt. Bislang ist das nur Stückwerk.

Von Ildiko Röd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg