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Potsdam Villa Vorberg öffnet ihre Türen
Lokales Potsdam Villa Vorberg öffnet ihre Türen
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19:31 17.08.2017
Bauherr Thomas Kexel, Denkmalpflegerin Sabine Ambrosius, Architekt Gerald Kühn-von Kaehne und Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos, v.r.) mit einem Nachwende-Foto der Villa Vorberg.
Babelsberg

Gleich mehrere Villenbesitzer in der Rosa-Luxemburg-Straße werden am Tag des offenen Denkmals ihre Gärten und Türen für Besucher öffnen. Zu den freundlichen Gastgebern gehören auch Thomas und Dorothee Kexel, seit 2009 Inhaber und Bewohner der Villa Vorberg. Das Haus wurde im Jahr 1904 von der Witwe Johanna Vorberg in Auftrag gegeben, die dort indes nur noch vier Jahre bis zu ihrem Tode wohnte. Darauf zog die Tochter, die Malerin und Kunstgewerblerin Margarete Vorberg (1867-1928), ein. Von ihr stammen offenbar einige sehr gut erhaltene Bleiglasfenster mit farbigen Blumenmotiven, die die Villa schmücken.

Die Villa wurde 1904 von Johanna Vorberg in Auftrag gegeben

Margarete Vorberg lehrte zeitweise an der Handels- und Gewerbeschule für Mädchen in Potsdam. Sie hielt engen Kontakt zu Hedwig Heyl, die ebenfalls in Babelsberg wohnte. Heyl hatte großen Einfluss auf die liberale Frauenbewegung in Deutschland und unterstützte das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin. Sie gehörte zudem zu den Gründungsmitgliedern des Lyceum-Clubs, dem späteren Bund Deutscher Frauen (BDF). Im Jahr 1912 initiierte Hedwig Heyl die Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“, an die sich der „Deutsche Frauenkongress“ anschloss. Neben bedeutenden Künstlerinnen wie Fia Wille, Lilli Behrens und Eva von Berlepsch beteiligten sich auch Margarete Vorberg und ihre Neubabelsberger Nachbarinnen, Margot und Adele Grupe, an der Ausstellung. Margarete Vorberg stellte unter anderem von der renommierten Berliner Firma Heinersdorff ausgeführte Glasmalereiarbeiten aus.

Villa Vorberg in der Rosa-Luxemburg-Straße 14. Quelle: Bernd Gartenschläger

Familie Kexel wohnt seit 2009 in dem Haus, das nach der Wende einige Jahre leer stand. Über die letzten Vorbesitzer und -nutzer zu DDR-Zeiten ist wenig bekannt. Auf alten Fotos sieht der Betrachter hässliche Anbauten, die längst verschwunden sind. „Das Gebäude selbst ist ein Glücksfall“, erzählt Thomas Kexel. „Fast alle Fenster und Verzierungen wie auch der Terrazzofußboden in der Veranda und die historische Treppe zum Garten waren noch erhalten“, berichtet der 57-jährige Rechtsanwalt.

Neobarocke Dekors unterm Dach

Typisch für den Zeitgeschmack zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Vereinigung von klassischen Bauformen mit sparsamen Resten neobarocken Dekors, die insbesondere unterm Dach zu finden sind. Aufgrund seiner architekturhistorischen Besonderheiten ist die Villa Vorberg seit 2007 ein Denkmal.

Gemeinsam mit dem Architekten Gerald Kühn-von Kaehne ließen die neuen Besitzer das Haus, dessen historische Raumstruktur noch bestand, umfänglich und behutsam sanieren. Die Heizung wurde in die Wände integriert – ein Markenzeichen des Architekten. Die historische Treppe aus Kiefernholz, die ins Obergeschoss führt, wurde vom Potsdamer Malermeister Matthias Boehlke professionell aufgearbeitet. „Man sieht noch die Patina“, lobt Kühn-von Kaehne.

Um den großzügigen Garten zu erhalten, verzichtete Familie Kexel auf Baurechte auf ihrem Grundstück. Genauso hielten es die Besitzer des benachbarten Landhauses Zankapfel, das 1910/11 von Margot und Adele Grupe nach Plänen der ersten freiberufliche Architektin Deutschlands, Emilie Winkelmann, errichtet worden war.

Entstanden ist ein parkähnliches Refugium, das zum Verweilen einlädt. „Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Wohnungen zum Garten ausgerichtet, von der Terrasse ging es ins Grüne“, erklärt Sabine Ambrosius von der Unteren Denkmalschutzbehörde. „Die Treppe muss allerdings noch angebracht werden“, wirft Thomas Kexel ein. Doch das dürfte wohl kein Problem sein.

Die Villa Vorberg in der Rosa-Luxemburg-Straße 14 und der Garten sind am 10. September von 11 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.

Denkmale, Musik und andere Köstlichkeiten

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September, steht bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“ und findet in Potsdam in Verbindung mit den Jazztagen und der Kunst-Genuss-Tour statt.

Potsdam beteiligt sich zum 24. Mal am Denkmaltag. In diesem Jahr öffnen 59 Denkmale ihre Türen um über ihre spannende Geschichte und ihre Architektur zu berichten.

Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf der prachtvollen Villenkolonie Neubabelsberg.

Im Angebot sind auch thematische Führungen zu historischen Arealen und Gebäudekomplexen. Einige Denkmale, Museen und Institute bereichern den Tag mit eigenen Programmen und Aktion.

Das ausführliche Programm gibt’s unter www.potsdamer-dreiklang.de

Von Jens Trommer

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