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Visionen für den Pfingstberg

Studenten legen Ideen für die Zukunft des denkmalgeschützten Hochbehälters vor Visionen für den Pfingstberg

Lustig ist das Studentenleben. In den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen ist es auch weinselig – diese Vermutung schüren zumindest die Entwürfe, die beim Ideenwettbewerb für den altehrwürdigen Trinkwasser-Hochbehälter am Pfingstberg eingereicht wurden.

Wein statt Wasser – darauf haben viele der Studenten der Fachhochschule Potsdam und der Berliner Beuth-Hochschule für Technik gesetzt und der denkmalgeschützten Anlage eine Zukunft als Vinothek oder Gourmettempel ausgemalt.

Im Oktober waren sie von der Stadtwerketochter „Energie und Wasser Potsdam“ (EWP) mit der Aufgabe betraut worden, Konzepte für die Nutzung der in den 90er Jahren stillgelegten Anlage zu ersinnen (die MAZ berichtete). 35 Planungsteams waren zur Recherche in die finsteren unterirdischen Gewölbe herabgestiegen, 28 ließen sich von dem Auftrag über Monate hinweg fesseln, sieben heimsten für ihre Entwürfe gestern Lob und Prämien bis zu 1500 Euro ab. Für alle 28 eingereichten Studien gab es zudem den Applaus der vortrefflich besetzten Jury mit Professoren und freien Architekten, mit dem EWP-Chef und dem Hauptabteilungsleiter Wassertechnik.

Es ist den Herren anzusehen, wie gern sie sich von den Visionen der künftigen Bau-Experten überraschen ließen. Die Studenten, die nicht auf einen Weinkeller mit feiner Gastronomie abzielten, haben vor allem Freizeitanlagen geplant – ein Fitness-Studio, eine Tauchschule, Minigolf, Spa und Wellness, ein Kulturzentrum, ein Atelierhaus, Museen. Unter dem Titel „Mut zum Gefühl“ stand der ausgefallenste Vorschlag des Wettbewerbs: ein Krematorium.

„Die Arbeiten sind hervorragend“, schwärmt EWP-Chef Wilfried Böhme. „Und man kann auch nicht sagen, Berlin ist besser als Potsdam oder umgekehrt.“ Die Juroren haben sich durchgekämpft, haben diskutiert, gestritten, abgestimmt. „Es ist uns sehr, sehr schwer gefallen“, sagt Böhme. „Aber letztlich waren wir uns dann doch einig.“

Mit Platz 3 bedachte die Jury Linda Semmler von der FH Potsdam. Sie hat den „Salon H2O“ ersonnen, ein Restaurant mit Club und Casino. „Ein Entwurf, so sensible, dass man innehalten muss – und je länger man ihn betrachtet, desto stärker wird er“, heißt es in der Laudatio.

Platz 2 ließ die Jury aus und kürte stattdessen zwei erste Plätze. Sieger des Wettbewerbs sind zum einen Oliver Lauterbach und Jan Trappmann von der Beuth-Hochschule mit einem Hamam; zum anderen Natalie Bachert und Jonas Wenzke – ebenfalls Berlin – mit dem Water-Science-Center. Die Studenten seien sorgsam mit der historischen Bausubstanz und der Landschaft umgegangen und hätten im Interesse der Öffentlichkeit geplant.

Der Sonderpreis der Jury ging an die Bauingenieure der FH Potsdam. Sie wollen den Hochbehälter als Pumpspeicherwerk nutzen. Die Funktionsweise: Überflüssiger Strom der EWP soll Pumpen antreiben, die den Behälter mit Wasser füllen und so Energie zwischenspeichern – anschließend wird mit einer Turbine und einem Generator aus dem gesammelten Wasser wieder Strom erzeugt und in Spitzenbedarfszeiten ins Stromnetz eingespeist.

Ob eine der Ideen jemals realisiert wird, steht in den Sternen. „Eine mögliche mittel- bis langfristige Umsetzung muss insbesondere unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Tragfähigkeit noch geprüft werden“, hieß es gestern von der EWP. Zumindest habe der Wettbewerb aber ein Licht auf die Anlage geworfen, die ihr Dasein seit eh und je im Verborgenen fristet. (Von Nadine Fabian)

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