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Potsdam Visite in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Lokales Potsdam Visite in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
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19:40 28.12.2016
Im Gespräch: (v.l.) der leitende Oberarzt Anis Towfigh, der Geschäftsführer des Ernst-von-Bergmann-Klinikums Steffen Grebener, die Oberärztin Lena Kuntze und die Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Morkel ist wortkarg und verschlossen, er kommt selten in die Schule und manchmal klaut er. Doch viele Kinder, die Morkel, den vielleicht zehn, elf Jahre alten Jungen aus Stian Holes Kinderbuch kennenlernen, schließen ihn schnell ins Herz. Weil Morkel anders ist. Weil auch sie anders sind – weil sie Probleme haben, die so einfach nicht zu lösen sind, es sei denn, man hat eine Menge fachkundiger Helfer an seiner Seite, ein starkes Team wie das der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam.

Vor drei Jahren hat die Spezialklinik im Haupthaus an der Charlottenstraße eröffnet und sich seither „gut entfaltet und entwickelt“, wie Anis Towfigh sagt. Der leitende Oberarzt, die Oberärztin Lena Kuntze und Bergmann-Geschäftsführer Steffen Grebener empfingen am Mittwoch in der Bibliothek der Kinder- und Jugendpsychiatrie die Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Linke). Hier, wo sich die jungen Patientinnen und Patienten der Heilkraft der Sprache, des Lesens und des Schreibens anheim geben können, wo „Morkels Alphabet“ und hunderte weitere Bücher für die Bibliotherapie bereit stehen, erkundigt sich Hartwig-Tiedt über den Klinikalltag, über Erfolge und Pläne, Sorgen und Bedürfnisse. Dabei spricht sie, das ist offenkundig nicht nur als Politikerin, sondern auch als Mutter.

Zig Fragen hat die 57-Jährige dabei: Sie erkundigt sich über die Behandlung traumatisierter Flüchtlingskinder und fragt, ob es genügend Dolmetscher gibt – gibt es laut Klinik, meist würden sie per Videokonferenz zugeschaltet. Sie fragt zur Zusammenarbeit mit den Eltern – die ist zentral und wichtig, heißt es, zumal die Eltern oft Teil des Problems seien und mitunter selbst Hilfe bräuchten. Und sie fragt zum Zusammenspiel mit den Jugendämtern – ein wunder Punkt, wie die Ärzte bekunden. „Vor allem in Potsdam ist es extrem mühsam, weil man es mit unterschiedlichen Finanzierungstöpfen zu tun hat und sich Jugend- und Sozialamt streiten, wer was zu bezahlen hat. Das ist für unsere Patienten entwürdigend.“

Rund 500 junge Patientinnen und Patienten sind bisher in der Kinder- und Jugendpsychiatrie stationär betreut worden. Die Quote derer, die ein zweites Mal dort behandelt werden, sei laut Anis Towfigh gering. Jeder Patient werde engmaschig betreut. So stehen auf dem Tagesplan neben Visiten, Gruppengesprächen und diversen Therapien auch Schulunterricht und Sport.

Über 24 stationäre Plätze verfügt die Klinik. „Sie ist immer voll“, sagt Anis Towfigh. Die Patienten kommen aus Potsdam und Potsdam-Mittelmark. „Eine Häufung einer bestimmten psychischen Störung ist nicht zu beobachten. Wir haben auch ganz bewusst keine spezifische Station für eine spezifische Diagnose geschaffen. Wer sich auf eine Störung fokussiert, kann dadurch auch einen Bedarf schaffen.“ Towfigh warnte in diesem Zusammenhang vor Diagnose-Trends. „ADHS war so ein Megathema. Dabei kommt man rasch in die Situation, dass Kinder ein Labelling bekommen und andere Problematiken nicht erkannt werden. Was ist das, worunter ein Mensch leidet? Das ist oft sehr komplex.“

Hilfe für junge Menschen in der Krise

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bergmann-Klinikum hat am 1. Januar 2014 eröffnet. Dort werden Kinder und Jugendliche mit besonderen psychischen Herausforderungen begleitet und in ihrer gesunden Entwicklung unterstützt. Die Klinik hat 24 stationäre Plätze.

Behandelt werden Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren, in spezifischen Situationen auch Jüngere und Ältere.

Probleme können sein: mangelnde Selbstregulation, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen; schulische Lernstörungen; Depressivität und Selbsttötungsgefährdung; Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie, soziale Fehlanpassungen mit oppositionellem Verhalten, Aggressivität und Delinquenz; zwanghaftes Verhalten, Störungen der Gemeinschaftsfähigkeit (z.B. Autismus); psychosomatische Beschwerden wie Schlafstörungen; psychotische Erkrankungen mit Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität (z.B. Schizophrenie); Sucht; Pubertäts- und Ablösungskrisen; Zustand nach Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch.

Von Nadine Fabian

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