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Potsdam Volksverhetzung auf Internetseite für Elias
Lokales Potsdam Volksverhetzung auf Internetseite für Elias
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07:58 12.10.2017
Ein Bild vom 10. Juli 2015: Am zweiten Tag der Suche nach Elias klingelte die Polizei rund um dessen Elternhaus an allen Türen und befragte die Bewohner. Quelle: Jacqueline Schulz
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Potsdam

Er hetzte, als andere um den kleinen Elias aus dem Schlaatz bangten und zu Hunderten durch Potsdam streiften, um den Jungen, der am 8. Juli 2015 beim Spielen im Inselhof verschwunden war, doch noch wohlbehalten zu finden: Am 11. Juli 2015 soll der Potsdamer Simon K. in der öffentlichen Facebook-Gruppe „Suche Elias“ den Kommentar „Dreckige Romas diese Inzest Missgeburten, entführen wohl auch Kinder!“ gepostet und somit die Angehörigen der Sinti und Roma böswillig beschimpft und ihnen pauschalisiert Straftaten unterstellt haben. – Ein Akt, der laut Staatsanwaltschaft geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen Simon K. – er soll den Post unter seinem Klarnamen verfasst haben – Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. Ein aufmerksamer Leser hatte den 37-Jährigen und die fünf Personen, die den Post geliked hatten, angezeigt.

Der Angeklagte meldete sich krank

Die für Mittwoch am Amtsgericht angesetzte Verhandlung wurde jedoch aufgehoben. K. hatte sich laut Gerichtssprecher Oliver Kramm krank gemeldet. Sein Verteidiger, der Potsdamer Anwalt Andreas Schramm, wollte sich auf Anfrage der MAZ nicht äußern. Der nächste Termin ist für den 18. Januar 2018 anberaumt.

Jenny Köppe (29) hatte dereinst die Facebook-Gruppe eröffnet, und zwar noch an jenem Juliabend, als Elias verschwand: entführt von dem inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Silvio S., der den Sechsjährigen missbrauchte, ermordete und verscharrte. „Ich war eine der ersten, die mitgesucht hat“, sagt Jenny Köppe. Schnell merkte sie, wie groß die Hilfsbereitschaft und die Anteilnahme in der Nachbarschaft und weit darüber hinaus waren. „Immer mehr Leute wollten helfen. Ich dachte, dass es am besten wäre, die Hinweise zu bündeln und hab die Gruppe gegründet – innerhalb kürzester Zeit waren 16 000 Menschen dabei.“

Die Stimmung kippte, Beschuldigungen machten die Runde

An den Post, um den es jetzt vor Gericht geht, könne sie sich nicht erinnern, sagt Jenny Köppe. Gerade zu Beginn der Suche seien pro Tag um die 1000 Wortmeldungen eingegangen: „Zu viel, um ganz allein alle im Blick zu haben und zu kontrollieren.“ Jenny Köppe holte sich Unterstützung. Auch Anja Berger (30), eine Freundin von Elias’ Familie, kam dazu. „Als es nach etwa einer Woche noch immer keine Spur gab, kippte die Stimmung in der Gruppe“, sagt sie. Es seien viele Fake-Profile aufgetaucht, wildeste Beschuldigungen machten die Runde. „Es wurde immer schlimmer – die Leute waren geradezu paranoid“, sagt Anja Berger. „Es war nicht mehr zu kontrollieren.“ Im Spätsommer 2015 habe man die Gruppe gelöscht.

Im Internet erinnert Anja Berger gemeinsam mit Elias’ Mutter dennoch weiter an den Jungen. Rund 12 000 Menschen folgen ihrer Facebook-Gruppe „Elias, kleiner Stern – unvergessen“. Sehr ruhig gehe es dort zu, sagt Anja Berger. Aus der Zeit der Hoffnung sind noch immer der Such-Aufruf und die Personenbeschreibung zu lesen. Es folgen Zeitungsartikel und schließlich Fotos von der Gedenkfeier am Bürgerhaus und von den Blumen auf Elias’ Grab. „Mach’s gut“, heißt es da. „Wir sehen uns wieder – und so lange bleibst du in unseren Herzen und Träumen.“

Auch Pogida instrumentalisierte den Mordfall

Elias’ Schicksal hat Potsdam tief erschüttert. Dennoch wurde es nicht nur einmal für politische Propaganda instrumentalisiert. Als im Februar 2016 der Potsdamer Ableger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung im Schlaatz zur Kundgebung rief, spielten die Demonstranten den Musiktitel „Wir hassen Kinderschänder“ laut ab. Das Lied einer rechtsextremen Liedermacherin und ehemaligen NPD-Aktivistin thematisiert aus der Perspektive einer Mutter die Entführung und Ermordung ihres Kindes. Elias’ Familie sprach sich vehement gegen diese Vereinnahmung aus.

Von Nadine Fabian

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