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Volle Wartezimmer beim Kinderarzt

Medizinische Versorgung in Potsdam Volle Wartezimmer beim Kinderarzt

In Potsdam zeitnah einen Termin beim Jugendmediziner zu bekommen ist schwer, beklagen manche Eltern und vermuten, dass der Zuzug von Flüchtlingen zu dem Engpass geführt hat. Die Kassenärztliche Vereinigung und die Stadt widersprechen: Die kinderärztliche Versorgung in der Landeshauptstadt sei gut.

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Manchmal brauchen kleine Patienten und ihre Eltern etwas Geduld, bis der Kinderarzt Zeit für die Untersuchung hat. Aber geholfen wird jedem, versprechen die Mediziner.

Quelle: dpa

Potsdam. Seine Tochter (11) habe am Montagmorgen über Schluckbeschwerden und Unwohlsein geklagt. Eine Mandelentzündung, so die Vermutung von Vater Marco Schirrmeister. Die Familie lebt im mittelmärkischen Ferch, einen Kinderarzt gibt es dort nicht. Bei mehreren Potsdamer Jugendmedizinern habe er versucht, umgehend einen Termin zu bekommen. Vergebens. Er sei nach Berlin, unter anderem an eine Privatpraxis für Selbstzahler, verwiesen worden. Bei den Telefonanten habe er herausgehört, dass die Situation in Potsdam auch deshalb so eng sei, weil Flüchtlingskinder Vorrang hätten.

Petra Hirsemann, Kinderärztin in der Zeppelinstraße und eine der Angerufenen, widerspricht vehement. „Ich würde nie ein akut krankes Kind abweisen. Das verbietet der hippokratische Eid“, sagt die Medizinerin. Auch im konkreten Fall hätte sie das Mädchen selbstverständlich noch am selben Tag behandelt – eine längere Wartezeit einkalkuliert. Aber das habe der Vater dann abgelehnt. Dass durch den Zuzug von Flüchtlingen ein Engpass herrsche, sei falsch. Sie nehme neue Patienten auf, lehne aber Familien ab, die ohne Grund häufig den Arzt wechseln.

Kein Vorrang für Flüchtlingskinder

Alle Kinder von Geflüchteten erhielten Leistungen über die Gesundheitskarte, erläutert Stadtsprecher Jan Brunzlow. Dabei gelte freie Arztwahl. Dass Flüchtlinge bei der Aufnahme durch die niedergelassenen Kinderärzte Vorrang hätten, sei dem Gesundheitsamt nicht bekannt. Insgesamt sei die kinder- und jugendärztliche Versorgung in Potsdam als gut einzuschätzen.

Der Ansicht ist auch die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB), die die Anzahl der niedergelassenen Ärzte unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl regelt. „Die kinderärztliche Versorgung ist bedarfsgerecht und gut“, sagt der Vorstandsvorsitzende der KVBB, Peter Noack, auf MAZ-Anfrage. „Trotz des starkes Anstieges der Einwohnerzahl gibt es eine ausreichende Anzahl von Kinderärzten in der Stadt Potsdam.“ Bei den Planungen seien auch Mitversorgereffekte berücksichtigt, also die Tatsache, dass Patienten aus dem Umland Ärzte in der Landeshauptstadt aufsuchen. Trotz der guten Versorgungslage seien im Vorjahr für Potsdam 1,5 zusätzliche Stellen in der Pädiatrie als Sonderbedarf genehmigt worden, in der Zuzugsregion Werder/Havel zu Jahresbeginn 2017 eine halbe. Es gebe auch keine Hinweise, dass sich durch den Zuzug von Flüchtlingen die Versorgungssituation verschärft habe, so Noack. „Ein Aufnahmestopp neuer Patienten ist uns nicht bekannt.“

In Potsdam praktizieren 21 Kinderärzte

Aktuell praktizieren in der Landeshauptstadt 21 Kinderärzte, die sich 18,5 Versorgungsaufträge teilen. Das Problem vieler Eltern ist dabei nicht unbedingt die reine Anzahl an Medizinern, sondern die Verteilung über das Stadtgebiet. So hat die neue Bürgerinitiative in Fahrland, die für eine bessere Infrastruktur in dem Ortsteil kämpft, bei der Stadtverordnetenversammlung Anfang Mai beklagt, dass es keinen Kinderarzt im Norden gibt.

„Im Zusammenhang mit den starken Neubautätigkeiten vor allem im Potsdamer Norden stehen wir seit Jahren in engem Kontakt mit den Kinderärzten der Region“, betont Noack. „Diese sichern uns zu, auch zukünftig die Versorgung gut und patientengerecht zu gewährleisten.“ Das bedeutet aber nicht, dass sich ein zusätzlicher Kinderarzt in Fahrland oder einem anderen Ortsteil niederlassen kann. Derzeit ist die Stadt aufgrund des guten Gesamtversorgungsgrads für weitere Niederlassungen gesperrt. Nur die Übernahme bestehender Praxen ist möglich. Den Ärzten steht zudem frei, mit ihrer Praxis innerhalb des Stadtgebiets umzuziehen – dorthin, wo besonders viele kleine Patienten warten.

Im Landesvergleich nur im Mittelfeld

Die Kassenärztliche Vereinigung muss dafür sorgen, dass genügend Fachärzte und Psychotherapeuten für die ambulante medizinische Versorgung zur Verfügung stehen.

Betrachtet man nur die Anzahl der Kinderärzte, ist Potsdam zusammen mit den flächenmäßig größeren Planungsbereichen Brandenburg/Potsdam-Mittelmark sowie Frankfurt (Oder)/Oder-Spree führend.

Beim rechnerisch-statistischen Versorgungsgrad , also dem Verhältnis von Ärzten zu in dem Gebiet wohnenden Kindern, liegt Potsdam landesweit hingegen nur im Mittelfeld.

Von Marion Kaufmann

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