Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Vom Broadway zur Burlesque
Lokales Potsdam Vom Broadway zur Burlesque
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:40 10.03.2017
Joe Ryan an Bord des Theaterschiffs. Quelle: Veranstalter
Potsdam

„Vom Broadway zur Burlesque“ ist der Titel einer Musical-Solo-Show, die am Freitag an Bord des Theaterschiffs in der Schiffbauergasse Premiere hat. Der Darsteller Joe Ryan (36) ist seit einem Jahr Potsdamer, betreibt mit Partnern das Hotel „XIX“ in der Benkertstraße und steht dort seit Oktober an jedem ersten Donnerstag im Monat vor kleinem Publikum in einer Dinnershow auf der Bühne. Dort hat ihn Martina König, Regisseurin und Vorstandsmitglied des Theaterschiffs, entdeckt.

Aufgewachsen im englischen Leeds, träumte Ryan schon als Kind von einer Karriere als Musicalstar. „Mit acht oder neun Jahren habe ich das erste Mal ,Cats’ gesehen.“ Nach einem Studium in Blackpool bekam er 1996 in London ein Engagement in genau diesem Musical. „Cats“ blieb er über mehr als zehn Jahre verbunden. Die parallele Karriere begann „aus Spaß“ wie er sagt. Nachts zog Ryan als Drag Queen durch die Clubs. „Ich war zu Gast in einem Burlesque-Kabarett-Club, und der Chef kam zu mir, sagte, ich sähe ganz schön aus und fragte, ob ich eine Show machen möchte. Ich sagte, ja warum nicht?“

Seine ersten Auftritte als „Skinny Marie“ hatte Ryan in einem „Heaven Night Club“. „Skinny Marie ist ein Teil von mir. Ich habe die Figur selbst entwickelt.“ Martina König sekundiert: „Es ist eine Kunstfigur, die absolute Perfektion und Schönheit ausstrahlt und ihre ganz eigene Magie hat. Wie kann ein Mann überhaupt in der Lage sein, eine Frau so schön und so sauber und so faszinierend darzustellen?“ Von 19 bis 22.30 Uhr stand er nun sechs Tage die Woche für „Cats“ auf der Bühne, „und in den Nächten habe ich in den Clubs gearbeitet“. Das immense Pensum hatte vor allem finanzielle Gründe: „Es ist schwer, in London zu leben. Die meisten am Musical haben deshalb zwei oder drei Jobs.“

Joe Ryan als Skinny Marie, die Kunstfigur hat er vor Jahren für das Londoner Nachtleben erfunden. Quelle: Veranstalter

Dass Ryan 2008 nach Deutschland kam, hatte mit seinem zweiten Traummusical zu tun. Von klein auf wollte er zum „Starlight Express“: „Diese beiden Shows waren für mich etwas besonderes. Und ich glaube nicht nur für mich, sondern für alle Sänger und Tänzer.“ Die Londoner Show hatte geschlossen, aber er wusste, dass es das Rollschuh-Musical „Star Loght Express“ auch in Deutschland gab. „Ich habe dreieinhalb Jahre in Bochum gespielt in insgesamt sieben Rollen, darunter Hauptrollen wie die E-Lok Elektra und Red Caboose, den Bremswaggon.“ Es sei extrem anstrengend gewesen, „aber es macht unheimlich Spaß: Jeden Abend kann alles passieren, wenn man auf Rollschuhen spielt.“

Nach dreieinhalb Jahren stieg Ryan in Bochum aus. Mit seinem Lebenspartner zog er nach Berlin. „Ich wollte immer in Berlin leben, seitdem ich Deutschland kenne. Es ist eine wahnsinnig schöne Stadt. Es hat als Hauptstadt alles was man möchte, aber es fühlt sich immer noch ruhig und entspannt an. Im Vergleich zu London, das hektisch, chaotisch und anstrengend ist.“

Nach einem Jahr Pause versuchten sich Ryan und sein Partner als Hoteliers in der Nähe von Lübz (Mecklenburg-Vorpommern), doch nach zweieinhalb Jahren kehrten sie in die Metropole zurück. Im Mai 2016 eröffneten sie ihr Hotel in der Benkertstraße, im Oktober testete Ryan die erste Dinnershow: „Wir wollten mit unserem Hotel von Anfang an etwas anderes und besonderes in das Holländische Viertel bringen. Ein eigenes Konzept.“

Die Show auf dem Schiff bringt Ohrwürmer aus Musicals wie „Phantom der Oper“, „Cats“ oder „Les Miserables“: Eigentlich erzähle er mit dem Solostück viel aus seinem eigenen Leben: „Das Konzept ist, warum ich bin, was ich bin, was ich mache und was das Leben mit mir macht.“ Im zweiten Teil des Abends wird er wie früher in den Londoner Bars als Skinny Marie auftreten. Mit dem Musical aufzuhören sei keine leichte Entscheidung gewesen: „Seit ich sechs war, kannte ich nichts anderes als Musical und Theater. Mein ganzes Leben war Glitzer, Glamour und Glanz.“ Das Hotel mit seinem künstlerischen Konzept sei ein Kompromiss. Nun hat Ryan wieder eine Bühne.

Premiere und weitere Veranstaltungen

Premiere der Musical-Solo-Show „Vom Broadway zur Burleske“ im Theaterschiff, Schiffbauergasse, heute um 19.30 Uhr. Nächste Vorstellung am Freitag, 28. April, um 19.30 Uhr.

Die nächsten Veranstaltungen auf dem Schiff: „Novecento – Die Legende vom Ozeanpianisten“ von Alessandro Baricco am Samstag um 19.30 Uhr, um 23.30 Uhr Tanznacht im Kahn mit DJ Rengo; Konzert „Live in der Bar“ mit Tony Heidenreich am Donnerstag, 20.30 Uhr, bei freiem Eintritt, sowie am 17. und 18. März jeweils 19.30 Uhr „Liebe in Zeiten von so lala ...“ mit dem Musikkabarett Kaiser & Plain.

Das Theaterschiff ankerte seit 1994 am Ufer der Alten Fahrt und wurde 2014 zur Schiffbauergasse umgesetzt. Seit 2016 ist der Kahn ein eingetragenes Industriedenkmal.

Von Volker Oelschläger

Das neue Asylheim im Industriegebiet Potsdam-Süd soll 144 Menschen Platz bieten. Der Träger des Heims, European Homecare, ist umstritten und hat schon bundesweit für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Beim Tag der offenen Tür hat sich Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) zu Vorwürfen gegen den Träger und gegen das Vergabeverfahren geäußert.

10.03.2017
Potsdam Babelsberg 03 vs. Deutscher Kreditbank - Potsdam hat einen Plan für Nulldrei-Rettung

Die Stadt Potsdam sehnt ein Ende im Schuldenstreit zwischen dem SV Babelsberg 03 und der Deutschen Kreditbank (DKB) herbei. Die Pro Potsdam soll daher das Karl-Liebknecht-Stadion erwerben, die DKB erhält eine Million Euro zur Löschung der Schulden des Vereins und soll auf die Restsumme verzichten.

09.03.2017

1700 Gemälde und weitere Objekte soll das künftige Zentraldepot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) aufnehmen. Am Donnerstag wurde für den Neubau Richtfest gefeiert. Das Depot befindet sich in Potsdam auf dem Gelände des früheren Reichsbahn-Ausbesserungswerkes (RAW) an der Friedrich-Engels-Straße.

10.03.2017