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Potsdam Vom Restposten zum Statussymbol
Lokales Potsdam Vom Restposten zum Statussymbol
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19:12 13.03.2017
René Schreiter, Referent für Stiftungsgeschichte, und Lothar Tewes Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Obwohl es bei den Münzen aus der Zeit zwischen 1816 und 1918 sich nicht um einen Silberschatz von unermesslichem materiellem Wert handelt, hat die Kollektion für die Stiftung dennoch einen hohen historischen Wert. „Das Waisenhausmuseum hat das Problem, kaum über originale Objekte zu verfügen“, erklärte René Schreiter, Referent für Stiftungsgeschichte, bei der Übergabe.

Der Fundus des Museums wurde in den Kriegswirren im April 1945 weitestgehend zerstört. Was in den Trümmern übrig blieb, kam meist in neue Besitzerhände. Nur etwa ein Dutzend originaler Stücke findet man noch in dem kleinen Museum, das seit 2013 in einem sanierten Lagerkeller des Stiftungsgebäudes im Hof des Waisenhaus-Komplexes eingerichtet ist. Die Führungsmedaillen ehemaliger Schüler stammen aus der Sammlung des staatlich geprüften Münzkundlers Lothar Tewes aus Bernau (Märkisch-Oderland). Als Tewes’ Verkaufsabsichten bekannt wurden, griff Ernst Menzel, Vorstandschef des Ehemaligenvereins der Waisenhausschüler, sofort zu. „Sie haben uns ein großes Geschenk mitgebracht“, bedankte sich Stiftungsgeschäftsführerin Elke Krüger bei Menzel.

Den Medaillen kam seinerzeit eine enorme Bedeutung zu und galten als Statussymbol. Zwischen 1816 und 1918 war es am Großen Militärwaisenhaus üblich, die Mädchen und Jungen für vorbildliches Verhalten mit einer silbernen „Medaille für Fleiß und gute Führung“ auszuzeichnen. Im Schnitt wurden zehn Medaillen pro Jahr verliehen, wobei zwei Stück in der Mädchen-Abteilung verteilt wurden.

Zunächst waren die Auszeichnungen nichts anderes als Restbestände aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Erstmals wurden sie aus Anlass des Geburtstags von Friedrich Wilhelm III. 1815 in Paris geprägt. Weil sich nicht genügend Abnehmer fanden, blieb man auf 210 Stück sitzen. Kurzerhand übergab man die Restposten ans Waisenhaus. In den ersten Jahrzehnten zierte ein preußischer Adler die runden Renommierobjekte. Unter Wilhelm I. ging man dazu über, ein Porträt des Monarchen darauf zu prägen. Angesichts der Freude über die Auszeichnung war es nur natürlich, dass man das gute Stück nicht im Nachttisch verbunkern wollte. Ex-Schüler ließen sich dekorative Ketten („Chatelaines“) fertigen, mit denen man die Münzen in der Frackweste verwahrte. „Der Besitzer konnte so seine Führungsmedaille in der Öffentlichkeit stets mit sich führen und bei Bedarf stolz vorzeigen“, erläuterte Schreiter.

Der Historiker relativiert auch die Vorstellungen vom Militärwaisenhaus als unmenschlicher Zuchtanstalt – das traf nur unter Friedrich dem Großen zu. Unter dem Gründer Friedrich Wilhelm I. diente die Einrichtung sozialen Zwecken. Erst Friedrich II. sah das Waisenhaus als finanzielle Einnahmequelle. Die Jungen und Mädchen wurden als Arbeitskräfte an Manufakturen vermietet. Nach den Befreiungskriegen setzte ein Umdenken zugunsten des Schülerwohls ein. Das Erziehungssystem wurde grundlegend umgestaltet, basierend auf den Ideen des märkischen Schulreformers Friedrich Eberhard von Rochow. Teil dieses Systems war auch ein „differenziertes Belohnungswesen, das für die Kinder und Jugendlichen bei guter Disziplin und erfolgreichem Lernen materielle Anreize auslobte“, so Schreiter. Neben den Medaillen gab es Prämien bis maximal 50 Taler.

Stiftung „Großes Waisenhaus“

Die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ besteht mit 40-jähriger Unterbrechung seit 1724. Gründer war der Soldatenkönig. Anliegen ist die Förderung und Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher.

Von 1934 bis 1938 war die Schule eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola). Ab 1938 fiel sie wieder in die Zuständigkeit der Wehrmacht. Soziale Bedürftigkeit zählte mehr als die politische Einstellung bei der Schülerauswahl, so Historiker René Schreiter.

Von Ildiko Röd

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