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Vom Zelt in einen Palast

Potsdamer Polarforscher auf Station im sibirischen Lena-Delta Vom Zelt in einen Palast

„Ihr lebt ja hier wie die Penner.“ Das seien die Worte gewesen, mit denen der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch vor zweieinhalb Jahren das Lager der Polarforscher aus Potsdam und seinem Heimatland im sibirischen Lena-Delta kommentierte, erinnert sich Hans-Wolfgang Hubberten.

Der Leiter des Potsdamer Alfred-Wegener-Instituts (AWI) kennt die frühere Station in der Tundra von eigenen Expeditionen ganz genau: Eine kleine Baracke, in der Laborräume weitgehend fehlten. Die Wissenschaftler mussten teilweise in eisiger Kälte in Zelten übernachten. „Das war mehr Pfadfinderforschung“, so Hubberten,

Bei der gerade gestarteten Frühjahrsexpedition residiert das 14-köpfige AWI-Team im Vergleich dazu in einem Palast. Denn diesmal konnten die Wissenschaftler vom Telegrafenberg Quartier in der neuen Samoylov-Station im Lena-Delta beziehen. Putin sei damals im Spätsommer 2010 so begeistert von der Kooperation deutscher und russischer Forscher in Sibirien gewesen, dass er gleich die Errichtung des zwölf Millionen Euro teuren neuen Gebäudes verfügt hatte, sagt Hubberten. Der imposante Neubau für den sibirischen Außenposten der russischen Akademie der Wissenschaften (SBRAS) ist erst kürzlich fertig geworden. Die SBRAS trägt den Betrieb und die Versorgung der neuen Samoyloy-Station.

Den Potsdamern, die mit den russischen Kollegen bei der Erforschung des Lena-Deltas seit Jahren eng zusammenarbeiten, steht sie nun regelmäßig für ihre Expeditionen offen. Sie bietet Labor- und Schlafplätze, verfügt über Besprechungsräume, eine leistungsfähige Internetverbindung, ein Gerätearsenal für Bodenproben sowie einen Technik- und Fuhrpark mit Quads, Motorschlitten, Kettenfahrzeug und mehreren Booten. „Mit dieser Infrastruktur werden auch Untersuchungen in der jetzt einsetzenden Schnee- und Eisschmelze möglich“, freut sich AWI-Expeditionsleiter Moritz Langer. Mit der alten Station waren nur Einsätze im kurzen arktischen Sommer möglich.

Die AWI-Permafrostforscher werden sich in diesem Frühjahr im Lena-Delta darauf konzentrieren, wie Wärme aus der Atmosphäre in den Boden gelangt. Untersucht werden soll dafür, wie sich der Schnee im Lena-Delta verteilt, welche Dichte und Kristallstruktur er aufweist und wie der Tauprozess im Sommer vonstatten geht. Antworten auf diese Fragen werden künftig vor allem vor einem Hintergrund wichtig: Die Permafrostböden könnten den laufenden Klimawandel noch immens verstärken. In der weitläufigen Tundra lagern riesige Mengen von Tier- und Pflanzenresten schon seit Jahrtausenden tiefgefroren im Erdreich. Taut der Boden mit der Erderwärmung dauerhaft auf, beginnen Bakterien damit die Biomasse zu zersetzen. Dabei würden riesige Mengen von Kohlendioxid und Methan entstehen, die den Treibhauseffekt in der Atmosphäre weiter anheizen. (Von Gerald Dietz)

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