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Von Bibern und Menschen

Zu Hause im... Schlaatz Von Bibern und Menschen

Burghard und Petra Sell sind Schlaatzer der ersten Stunde. Sie gehörten Anfang der 80er Jahre zu den ersten, die in das Hochhaus am Schilfhof zogen. Dort leben sie noch heute – und kümmern sich sowohl im Wohnblock als auch draußen in der Natur rührend um ihre Umwelt. Besonders angetan hat es den Eheleuten ein anderer Urschlaatzer: der Biber.

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Petra und Burghard Sell an der Nuthe, im Hintergrund der „Arado-Bau 2“ – eine Heimstatt der Schlaatzer Biber.

Quelle: Marcel Kirf

Am Schlaatz. Ein bisschen Regen kann Petra und Burghard Sell nicht schrecken. Sie sind gerne in der Natur. Auch an grau verhangenen Herbsttagen wie diesem. Die vielfach engagierten Schlaatzer kümmern sich um ihre Umwelt: die Menschen in ihrem Haus, in ihrem Kiez und um die alles umgebende Natur. Seit Jahren nehmen sie an den offiziellen Vogelzählungen teil, an Kartierungen, Nistkastenkontrollen, der Errichtung von Krötenzäunen und der Wiesenmahd. Und besonders ein tierischer Nachbar im Schlaatz hat es ihnen angetan: der Biber.

Seit Jahren tragen die Sells für das Wohlergehen der Nager Sorge, als ehrenamtliche Betreuer sind sie inzwischen für die 13 Reviere von Bibern in der Landeshauptstadt und drumherum zuständig. In enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund berichten sie der Potsdamer Umweltbehörde und dem Landesumweltamt. Bei ihnen klingelt das Telefon, wenn ein toter Biber gefunden wird oder Anwohner sich an dessen Vorliebe für Holz stören. Sie wissen Rat und kennen die Tiere in Nuthe und Havel.

Ein Schwarm Möwen und der Ruf des Eisvogels

An diesem Tag am Aradosee fällt Burghard Sell aber zunächst etwas anderes auf. „Wie viele Möwen hier kreisen“, entfährt es ihm. Und er erinnert sich, dass er in der Woche zuvor erfahren hat, dass das Gewässer gekippt sei. Eine ganze Menge toter Fische habe man da einsammeln müssen, sagt er nachdenklich. Das sei nicht zum ersten Mal so.

Plötzlich fährt er herum und greift zum Fernglas. Er hat den Ruf eines Eisvogels erkannt und wenig später kann er ihn den anderen zeigen: „Da drüben fliegt er. Der ist öfters hier“. Burghard Sell ist ganz in seinem Element. „Schon als Kind habe ich ein Faible für Tiere gehabt“, sagt er. „Ich habe mich jeden Tag draußen herumgetrieben. Ein kleener Naturbursche eben.“ Und wenn er mit den Tieren auf dem elterlichen Hof gespielt habe, sei mehr als einmal das Essen kalt geworden.

Als vor gut zehn Jahren seine berufliche Laufbahn als Beamter endete, kehrte er zu seinem Herzensthema zurück. „Ich habe Fachbücher und -videos verschlungen“, erinnert er sich, „dann habe ich einfach beim Naturschutzbund angerufen und gefragt, ob es was für mich zu tun gibt.“ Gab es. So viel, dass er inzwischen etwas kürzertreten will.

Zwei Schlaatzer der ersten Stunde

Petra und Burghard Sell sind Schlaatzer der ersten Stunde. „Dreiunddreißigeinhalb Jahre“ leben sie bereits in ihrer Hochhauswohnung. Zwei Töchter haben sie hier großgezogen. Als sie Anfang der 1980er-Jahre, aus dem ehemaligen Bezirk Magdeburg kommend, hier einzogen, sei hinter dem eigenen Block noch ein „riesiger Buddelkasten“ gewesen, erzählen sie. Potsdams damals junges Neubauviertel war noch am Entstehen. Und junge Leute waren es auch, die hier einzogen. „Das Durchschnittsalter lag bei 25 bis 30 Jahren“, erinnert sich Petra Sell. Viele hatten Kinder.

Horste, Kieze, Höfe – und immer wieder Tiere haben den einzelnen Quartieren im Schlaatz den Namen gegeben

Horste, Kieze, Höfe – und immer wieder Tiere haben den einzelnen Quartieren im Schlaatz den Namen gegeben. Der Biber ist natürlich auch einer der Paten.

Quelle: Friedrich Bungert

Die Lebendigkeit der ersten Jahre sollte der Kiez über die Jahre einbüßen. Besonders die Nachwendezeit veränderte Stimmung und soziales Gefüge. Aber einige tatkräftige Schlaatzer setzten dem ein buntes Nachbarschafts-, Kultur- und Integrationsprogramm entgegen. Zentraler Anlaufpunkt: das Haus der Generationen und Kulturen, das heute nach seinem verstorbenen Leiter Friedrich-Reinsch-Haus heißt. Und immer mittendrin: die Sells. Im Jahr 2008 entstand hier der Mieterclub, deren Vorsitzende Petra Sell bis heute ist. „Wir sind ein Bindeglied zwischen Vermieter und Mietern“, sagt sie, „das Hauptziel aber ist, die Bewohner einander näher zu bringen.“ Spiele- und Infoabende, Feste, Sport- und Freizeitaktivitäten bietet die Initiative an. Daneben moderiert Petra Sell die Nachbarschaftskonferenzen, tüftelt derzeit an einer Kooperation mit einem Luzerner Mieterclub und hat Gedichte und Lieder über den Schlaatz als Buch veröffentlicht.

Die größte gemeinsame Leidenschaft von Petra und Burghard Sell aber bleibt die Natur. Und es ärgert sie, wenn Menschen achtlos mit ihr umgehen. Neben Bibern haben sie in der Nuthe auch schon Minke beobachtet, einen Fischotter, Waschbären – und Schildkröten. „Die werden von Menschen ausgesetzt“, weiß Burghard Sell, „die Leute denken beim Kaufen nicht nach.“

Die Nuthe fließt gemächlich am Wohngebiet Am Schlaatz entlang

Die Nuthe fließt gemächlich am Wohngebiet Am Schlaatz entlang.

Quelle: Friedrich Bungert

Die Folgen für die Natur sind ebenso weitreichend wie das leichtfertige Verbreiten invasiver Pflanzenarten. „Die Schildkröten holen die Küken“, berichtet Sell. Seit Jahren gäbe es weniger Entennachwuchs. In einem Vortrag wird er seine Nachbarschaft auch für dieses Thema sensibilisieren.

Von Marcel Kirf

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