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Potsdam Von Joop im Fitness-Studio entdeckt
Lokales Potsdam Von Joop im Fitness-Studio entdeckt
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00:17 08.03.2017
Raphael Rösner ist von Wolfgang Joop im Fitness-Studio entdeckt worden. Quelle: Marcel Kirf
Potsdam

Angefangen hat alles in einem Potsdamer Fitness-Studio. Im September 2016. Raphael Rösner war gerade fertig mit dem Training, kam frisch geduscht und bereits wieder in Straßenklamotten aus dem Umkleideraum. „Ich wollte mir eben die Kopfhörer in die Ohren stecken, da höre ich hinter mir, wie jemand sagt: ‚Boah, cooles Outfit!’ Ich drehe mich um. Und plötzlich steht da Wolfgang Joop“, erinnert sich der 27-Jährige. „Ich war völlig perplex. Sagte ‚Vielen Dank!’ Und wollte gehen, da meinte er: ‚Wart doch mal einen Augenblick! Hast Du etwas Zeit?’“ Hatte er. Zwei Stunden später sollte Rösner in der Villa Wunderkind sein. Ein Marcel würde ihn erwarten. Zum Foto-Shooting.

Und tatsächlich: zur vereinbarten Zeit empfing ihn ein Mann dieses Namens in der weißen Villa am Heiligen See. Marcel entpuppte sich als Joops persönlicher Assistent. „Dort wurden meine Maße genommen und ein paar Fotos von mir geschossen“, erzählt Rösner. Wofür man denn mit ihm plane, wollte er wissen. Die neue Wunderkind-Kollektion käme bald heraus, lautete die Antwort, „da sollte ich mitmachen.“ Joop bedankte sich, dass er tatsächlich vorbeigekommen war. Man würde sich melden.

So sieht Joop das Neu-Model. Eine Zeichnung des Modeschöpfers. Quelle: Marcel Kirf

Dann passierte lange nichts. Bis Anfang Dezember das Telefon klingelte. Wunderkind lud zur ersten Fitting Anprobe in die Ateliers. „Mir wurden verschiedene Stoffe umgehängt“, sagt Rösner. Weitere Fotos entstanden. Da er nicht gewusst habe, ob dazu noch einmal die Chance bestehen würde, fragte er Joop kurzerhand, ob dieser ihm eine Zeichnung überlassen könne. Egal was. „Papperlapp!“, sagte der Modeschöpfer. „Setz dich hin! Ich zeichne schnell ein Porträt von dir.“ Die Skizze hält Rösner in Ehren: „Da bin ich richtig stolz drauf.“

Nach zwei Wochen wieder ein Anruf

Zum Abschied hatte es nur geheißen: halte dir den Februar frei! Also nahm Rösner, der als Erzieher in einer Potsdamer Wohngruppe für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge arbeitet, den gesamten Monat Urlaub. Nach zwei Wochen wieder ein Anruf: Es gehe nach Mailand, zur Modewoche, der berühmten Milano Fashion Week. Für ein weiteres Fitting. „Was man mir da noch nicht gesagt hat, war, dass von vorneherein feststand, dass ich auch laufen soll“, erzählt Rösner. „Aber ich muss am Telefon auch sehr nervös gewirkt haben.“

Rösner bei der Show in Mailand. Quelle: Wunderkind

Ende Februar war es so weit. Mit einem Teil des Wunderkind-Teams flog der Potsdamer nach Mailand, Joop und der Rest der 15-köpfigen Crew erwarteten sie bereits. Und plötzlich ging wieder alles ganz schnell: Raphael bekam sein Outfit, Proben, am vierten Tag raus auf den Laufsteg. Bei der Eröffnungsshow der Mailänder Modewoche im renommiertesten Museum für modernes italienisches Design, der Triennale di Milano. „Insgesamt wurden 52 Wunderkind-Looks gezeigt“, erzählt Rösner. „Wir waren 13 Männer und ungefähr 30 Frauen.“ Zehn Minuten dauerte die Modenschau. „Mir kam es vor wie Sekunden“, so Rösner. „Ich war übelst auf Adrenalin. Meine Hand hat noch eine Stunde danach gezittert.“

Die Tage in Mailand haben ihm Selbstbewusstsein gegeben

Sein Auftritt kam gut an, auch im Backstage-Bereich war Rösner ein beliebtes Fotomotiv für die internationalen Mode-Fotografen. „Das war alles sehr spannend, das Team unheimlich nett und alles sehr familiär“, schwärmt Rösner. Model wolle er dennoch nicht werden: „Ich sehe Wolfgang Joop eher als Künstler“, bekennt er. „Es war mir eine Ehre, ihn zu unterstützen.“

Privat habe ihm diese Erfahrung auch sehr geholfen, so Rösner. Wegen seines auffälligen Kleidungsstils und seiner schlanken Figur sei er oft ausgegrenzt und beschimpft worden, berichtet er. „Mein Körperbewusstsein war komplett am Boden, ich habe mich nicht einmal mehr getraut, baden zu gehen.“ Durch die Tage in Mailand aber habe er zu mehr Selbstbewusstsein gefunden. Es sei eine Genugtuung gewesen, bei einer der wichtigsten Veranstaltungen der Modebranche über den Catwalk zu laufen.

Von Marcel Kirf

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