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Von Plettenberg wollte Hitler töten

Männer des Widerstandes des 20. Juli 1944 Von Plettenberg wollte Hitler töten

Um Kurt Freiherr von Plettenberg, nach dem in Potsdam eine Straße benannt wurde, ist Streit entbrannt. Er sei gar kein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gewesen, meint ein Kritiker. Eberhard Schmidt, einst Professor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Autor eines Buches über von Plettenberg, hält dagegen

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Kurt Freiherr von Plettenberg

Quelle: Picasa

Potsdam. Um Kurt Freiherr von Plettenberg, nach dem in Potsdam eine Straße benannt wurde, ist Streit entbrannt. Er sei gar kein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gewesen, habe mit dem 20. Juli 1944 wenig zu tun, sagt Hans Ulrich Gräf, der in Bückeburg, der Geburtsstadt von Plettenberg, lebt. Um Licht ins Dunkel zu bringen, sprach die MAZ mit Professor Eberhard Schmidt (77) von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Herr Professor, Sie haben sich intensiv mit von Plettenberg beschäftigt. Was ist an den Vorhaltungen gegen ihn dran?

Die Behauptungen von Herrn Hans Ulrich Gräf entbehren jeder Grundlage, sie sind von ihm auch in keiner Weise belegt worden. Eine Klage, die Herr Gräf beim Landgericht Hannover gegen die Stadt Bückeburg in dieser Sache eingereicht hatte, ist als unzulässig beschieden worden. Eine Berufung hat er zurückgezogen.

Wer war Kurt von Plettenberg?

Von Plettenberg entstammte einer alten preußischen Adelsfamilie aus Westfalen. Er arbeitete in der Forstwirtschaft und schied 1937 als Oberlandforstmeister aus dem Reichsforstamt aus. Danach übernahm er die Stelle eines Hofkammerpräsidenten in Bückeburg und war ab 1942 Generalbevollmächtigter des vormaligen Preußischen Königshauses mit Dienstsitz in Berlin. Seit 1939 gehörte er dem militärisch- konservativen Widerstand an. Insbesondere aus dem Infanterieregiment 9, dem Plettenberg in den ersten beiden Jahren des 2. Weltkriegs angehörte, stammte die größte Gruppe von Offizieren, die aufgrund ihrer aktiven Beteiligung an der Vorbereitung des Staatsstreichs und Attentats vom 20. Juli 1944 später nach dem Scheitern hingerichtet wurden.

Viele adlige Offiziere der Reichswehr standen der Weimarer Republik erwiesenermaßen feindselig gegenüber und verfolgten den Aufstieg Adolf Hitlers zunächst durchaus wohlwollend. Wie hat sich von Plettenberg gegenüber den Nationalsozialisten verhalten?

Von Plettenberg erhoffte und erwartete sich wie viele der adligen Verschwörer vom 20. Juli zunächst vom Kabinett Hitler eine Verbesserung der Lage Deutschlands. Bald jedoch erkannte er, dass er sich in den Zielen der Nationalsozialisten getäuscht hatte. Mitglied der NSDAP, obwohl mehrfach dazu gedrängt, war er zu keinem Zeitpunkt.

Wann folgte der Bruch mit Hitler, was hat den Sinneswandel von Plettenbergs bewirkt?

Bereits 1935 kämpfte er gegen die Gleichschaltung der „Akademischen Feldjägergesellschaften“, die zu „Kameradschaften des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes“ werden sollten. 1937 verließ er aus eigener Entscheidung seine leitende Stellung im Reichsforstamt, das im Zuge des Göringschen Vierjahresplans die Ressource Wald der Aufrüstung opfern wollte. Von Plettenberg ist die Aussage überliefert: „Ich lasse mich nicht zum Schlächter des Deutschen Waldes machen“. Bereits 1940 erhielt Plettenberg Berichte über Pogrome und Ermordungen von Juden im Osten. Die Beseitigung des Hitler-Regimes hatte für ihn seitdem Priorität. Der Bruch mit dem Hitler-Regime war auch wegen seines dezidiert christlichen Glaubens unausweichlich.

Carl-Hans Graf Hardenberg, der dem engeren Kreis des Hitler-Attentäters Graf Schenk von Stauffenberg angehörte und im KZ Oranienburg die Naziherrschaft überlebte, hat im Jahr 1947 geäußert: „Freiherr von Plettenberg war führend an den Vorbereitungen, die zum Attentat des 20. Juli führten, beteiligt.“

Eine ausführliche Erklärung hat Hardenberg nach dem Krieg abgegeben: „Er (Plettenberg) gehörte zum engeren Freundeskreis von Graf Stauffenberg, Minister Popitz, Generaloberst Beck und Botschafter von Hassel“, also führenden Mitgliedern des Widerstands. Marion Gräfin Dönhoff berichtete, dass Plettenberg 1943 Hitler beim sogenannten Heldengedenktag am Denkmal des Unbekannten Soldaten in der Wache, die seinem Dienstsitz gegenüber lag, erschießen wollte. Der damalige Leutnant und spätere Oberkirchenrat Horst Teichgräber erklärte nach 1945, dass Plettenberg ihm bei einem Besuch in Berlin schon 1942 erklärt hatte: „Wir müssen Hitler beseitigen“. Dass er an den Planung zum Attentat auf Hitler beteiligt war, geht unter anderem aus einem Bericht von Gotthard von Falkenhausen hervor, der von Cäsar von Hofacker aus dem Pariser Verschwörerkreis Anfang 1944 nach Berlin entsandt worden war und sich u.a. mit Plettenberg traf. Kurz vor dem Attentat erreichte Plettenberg, wie andere Mitverschwörer auch, ein Fernsprechanruf, den Stauffenbergs Adjutant Werner von Haeften abgesetzt hatte: „Oberst Graf Stauffenberg bittet Baron Plettenberg, am 19.Juli , 14 Uhr nachmittags mit ihm nach Neuhardenberg zu fahren“. Eine codierte Nachricht, die den Zeitpunkt des Attentats ankündigte.

Während viele Verschwörer des 20. Juli unmittelbar nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler in die Fänge von Gestapo und SS gerieten und ihren Mut mit dem Leben bezahlen mussten, blieb Freiherr von Plettenberg zunächst unbehelligt. Er soll im Februar 1945 im Auftrag des Kronprinzen sogar die preußische Königskrone und 15 goldene Tabakdosen Friedrichs des Großen von Berlin nach Bückeburg gebracht und versteckt haben, um sie vor Plünderungen in Sicherheit zu bringen. Wahrheit oder Legende?

Plettenberg hat im Februar 1945 im Auftrag der Hohenzollern die wertvollen Kleinode von Potsdam persönlich nach Bückeburg gebracht und in der Kirche im benachbarten Dorf Kleinenbremen einmauern lassen. Noch heute befindet sich dort eine Erinnerungstafel über den Vorgang. Nach dem Krieg zwangen die Engländer den eingeweihten Prinzen Oskar, das Versteck preiszugeben. Nach einem Prozess erhielten die Hohenzollern den Schatz 1948 zurück. Dass Plettenberg zunächst unbehelligt blieb, hatte er nicht zuletzt seiner Vorsicht zu verdanken, seinen Namen nicht auf Listen zu setzen, die der Gestapo nach dem 20. Juli in die Hände fielen. Seine besondere Sorge galt den Mitgliedern des Hauses Hohenhzollern, die er auf keinen Fall durch seine eigenen Aktivitäten im Widerstand belasten wollte. Die Verhaftung Plettenbergs war Folge einer Denunziation.

Die Verhaftung erfolgte am 3. März 1945. Wenige Tage später stürzte er aus einem Fenster des Berliner Gestapo-Hauptgefängnisses. Was konnten Sie darüber in Erfahrung bringen?

Dazu gibt es die ausführliche eidesstattliche Erklärung des Augenzeugen Fabian von Schlabrendorff, damals Mithäftling im Gestapogefängnis in Berlin, der die Haft mit Glück überlebte. Ihm vertraute Plettenberg am Morgen des 10. März 1945 beim Hofgang seinen Entschluss an, sich das Leben zu nehmen. Der Vernehmungsbeamte hatte ihm die Folter angedroht, falls er die Namen seiner noch überlebenden Mitverschwörer nicht nennen würde. Plettenberg fürchtete, der ihm angedrohten Folter unter Umständen nicht standhalten zu können. Schlabrendorff konnte dann den Aufprall nach dem Sturz Plettenbergs aus dem 4. Stock des Gestapogefängnisses in seiner Zelle hören und sehen, wie die Kalfaktoren die Leiche Plettenbergs wegtrugen.

Wie bewerten Sie angesichts dieser Fakten die Behauptungen von Hans Ulrich Gräf über den Widerstandskämpfer Kurt Freiherr von Plettenberg?

Die unbewiesenen Behauptungen, die Herr Gräf über Kurt von Plettenberg seit einiger Zeit verbreitet, haben verleumderischen Charakter und erfüllen den Tatbestand der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, sind also nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Was den Stand der wissenschaftlichen Forschung betrifft, die Herr Gräf völlig ignoriert, so verweise ich auf die Archivalien in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

Von Jens Trommer

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