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Potsdam Vor vier Millionen Zuschauern alles gewusst
Lokales Potsdam Vor vier Millionen Zuschauern alles gewusst
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19:26 25.07.2016
Da staunte auch der Moderator – Jürgen Stelter (l.) gewann das ZDF-Quiz souverän. Es gab nur einen kitzligen Moment. Quelle: ZDF/Max Kohr
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Potsdam

Der Potsdamer Jürgen Stelter (40) hat die ZDF-Show „Quiz-Champion“ gewonnen. Er gewann 200 000 Euro, weil er den kompletten Namen des Freundes von Fred Feuerstein – Barney Geröllheimer – wusste. Seit 2013 ist Stelter Mitglied im Deutschen Quiz-Verein, wurde 2014 sogar Vize-Meister und moderiert Quiz-Abende.


MAZ
: Haben Sie den Sieg schon verdaut oder fühlt sich alles noch etwas unwirklich an?

Jürgen Stelter: Ich denke, das ist schon gut verdaut. Ich war in den Wochen vor der Aufzeichnung sehr viel nervöser, habe kaum etwas gegessen und ein paar Kilogramm abgenommen. Seit der Aufzeichnung, die rund zehn Tage vor der Ausstralung stattfand, bin ich viel ruhiger. Ich bin noch nicht ganz sicher, was ich mit der neuen Situation anfange, aber nun habe ich ja genug Zeit, mir Gedanken zu machen.

Vermutlich haben Sie die Frage schon gehört, aber: Sind die 200 000 Euro schon auf dem Konto?

Stelter (lacht): Ein-, zwei Mal schon, ja. Nein, das Geld ist noch nicht da, ich schaue jetzt aber auch nicht alle fünf Minuten auf meinen Kontostand.

Aber Sie haben schon Ideen, wofür Sie es ausgeben werden?

Stelter: Durchaus. Zunächst werde ich mir sicher die Welt ansehen, viel reisen, dazu kam ich bislang noch nicht. Dann will ich unbedingt den nächsten Eurovision Song Contest live erleben – ich bin ein großer Fan, für mich gibt es da nicht nur das Finale, auch die zweiwöchigen Vorbereitungen sind hochgradig spannend. Im nächsten Jahr in der Ukraine bin ich definitiv dabei. Nach einer Krankheit befinde ich mich zudem in einer beruflichen Findungsphase, da ist jetzt zum Glück der Druck etwas raus. Ich erwäge zum Beispiel auch, meine Quizleidenschaft zum Beruf zu machen.

Deutschlands selbst ernanntes „härtestes Quiz“

Die Sendung Quiz-Champion im ZDF bezeichnet sich selbst als härtestes Quiz Deutschlands.

Kandidaten müssen zunächst in einer Minute mindestens sieben offene Fragen beantworten. Jürgen Stelter war nach 31 Sekunden ohne Fehler durch.

In der Hauptrunde gilt es, gegen fünf Experten in fünf Wissensgebieten zu bestehen – bei Stelter waren dies Stefan Effenberg (Sport), Wigald Boning (Erdkunde), Ulrich Wickert (Zeitgeschehen), Natalia Wörner (Literatur/Sprache) und Steven Gätjen (Film/TV).

Dabei bekommen Experte und Kandidat die selbe Frage gestellt, die sie verdeckt beantworten. Wer die Antwort weiß, hat einen Punkt, wer zuerst drei Punkte hat, gewinnt. Haben beide Spieler drei Punkte, wird so lange weitergespielt, bis einer einen Punkt mehr hat.

Wer alle Fünf besiegt, kommt ins Finale. Wenn das mehr als einem gelingt, gibt es am Ende eine Stechrunde. Stelter setzte sich im Stechen in zweiter Runde gegen eine Mitkandidatin durch.

Ihre Quizleidenschaft ist offenbar groß, sie waren ja auch schon deutscher Quiz-Vizemeister.

Stelter: Sie ist sogar unbegrenzt, würde ich sagen. Hier in Potsdam nehme ich alle Quizzes wahr, die es gibt: Das im Rückholz, das im Pub-a-la-Pub, das in der Bar Gelb, das Filmquiz und, als es noch existierte, das Fritz-Kneipen-Quiz. Außerdem habe ich im Shamrock seit einem halben Jahr ein eigenes Quiz.

... und das war vermutlich noch nicht alles?

Stelter: Nein, wann immer Zeit ist, fahre ich auch in Berlin zu Quizzes, ich bin Mitglied eines Quizvereins, der in der Quizliga spielt und fahre regelmäßig zur Deutschen Meisterschaft. In diesem Jahr war ich immerhin siebter.

Sie trugen in der ZDF-Show ein auffallendes grünes Hemd. Ein Gruß an die Grünen, deren Kreisvorstand in Potsdam sie für einige Zeit führten?

Stelter: Die Frage, ob das eine politische Aussage ist, hat mir Moderator Johannes B. Kerner auch gestellt. Ich habe „ein bisschen“ gesagt, denn es ist ja auch die Farbe Irlands. Ich habe damit quasi das Shamrock mit meinem eigenen Quiz gegrüßt.

Menschen, die einmal im TV-Quiz waren, sagen, die Aufregung mache es schwer, richtig zu antworten. Fragen, die man auf der Couch sofort beantworten könnten, werden im Scheinwerferlicht unüberwindlich groß. Wie haben Sie das erlebt?

Stelter: Ganz anders. Ich war, wie gesagt, die Wochen vor der Aufzeichnung sehr nervös, aber als ich dann auf der Bühne stand, sehr ruhig. Beim Quiz ist es oft entscheiden, wie gut man hineinkommt. Gleich die erste Frage war eine nach meinem Lieblingsbuch, und so lief es recht geschmeidig weiter. Blockiert fühlte ich mich in keinem Moment.

Diesen Eindruck hatten auch die meisten Zuschauer. Gab es dennoch einen Moment, den Sie als kitzlig in Erinnerung haben?

Stelter: Ja, das war, als es gegen den Sportexperten Stefan Effenberg 2:2 stand und die nächste richtige Frage über mein Ausscheiden entschied. Gefragt war die Größe eines Fußballfeldes. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, nur ein vages Gefühl. Zum Glück wusste Stefan Effenberg die richtige Antwort nicht.

Hatten Sie unter den fünf Fragekategorien solche, die Ihnen besonders lagen und solche, vor denen Ihnen bange war?

Stelter: Nein, eigentlich fühlte ich mich in allen Bereichen recht sicher, mich wunderte nur, dass ich im Sport zunächst zurücklag. Sport ist eigentlich meine starke Seite. Da mein Kontrahent aber sein Antwortverhalten nicht kommentierte, weiß ich auch nicht, ob er mehr wusste oder einfach mehr Rateglück hatte.

Die Frage, die Ihnen den entscheidenden Punkt lieferte, war die nach dem vollen Namen des Freundes von Fred Feuerstein – Barney Geröllheimer. Bekommt der jetzt einen Ehrenplatz?

Stelter (lacht): Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber jetzt, wo Sie’s sagen: Ein kleines Poster auf einem Ehrenplatz über dem Sofa wäre eigentlich angemessen. Ich habe die Zeit voll ausgekostet, weil ich mir nicht sicher war, ob Barney nicht noch einen Mittelnamen oder ein Initial hat, mich dann aber dagegen entschieden.

Zum Glück. Gab’s nach der Sendung eigentlich noch eine Party?

Stelter: Ja, für die Kandidaten, die Prominenten waren aber schon weg. Ich bin auch nicht lange geblieben, denn ich musste in der Nacht noch zwei Quizzes schreiben. Die Party steht also noch aus. Wir haben die Ausstrahlung allerdings mit Freunden im Garten gesehen und ein bisschen gefeiert. Ich hatte Sorge, ob ich mit meinem Auftreten im Fernsehen denn auch wirklich zufrieden wäre.

Und?

Stelter: Ich war’s.

Von Jan Bosschaart

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