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Potsdam Nächstenliebe aus der Gulaschkanone
Lokales Potsdam Nächstenliebe aus der Gulaschkanone
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10:51 04.12.2018
Torsten Witt und sein Märkischer Partyservice Stahnsdorf servieren auf der Von-Herzen-Tour der Awo Gulasch, Hühnersuppe und Burger. Quelle: Nadine Fabian
Potsdam

Salz, Pfeffer, Paprika – mit einer Prise ist es lange nicht getan, wenn Torsten Witt und sein Küchenchef in den nächsten Tagen das pikante Kesselgulasch für die Von-Herzen-Tour der Arbeiterwohlfahrt (Awo) abschmecken. Dann teilen die Herren mit vollen Händen aus. Immerhin wollen hundert Kilogramm Fleisch nebst allerlei Gemüse gewürzt und gesotten werden. Schwerstarbeit an der Gulaschkanone – und dennoch ein Klacks für den Märkischen Partyservice aus Stahnsdorf. Als Torsten Witt auf dem Gelände des VEB Mikroelektronik „Karl Liebknecht“ nach der Wende an den Start ging, um Arbeiter, Schüler, Kindergartenkinder und später auch die Besucher von Grundsteinlegungen und Richtfesten, von Stadtfesten und Firmenpartys zu beköstigen, kam er locker auf 3500 Essen pro Tag.

Ein Pfundskerl mit Know-how und dem Herzen am rechten Fleck

Dass die Awo ihn gern anspricht, wenn’s ans Eingemachte geht, erklärt sich Torsten Witt (64) so: „Wir haben halt das Knowhow“. Angela Schweers, Vorsitzende des Awo-Bezirksverbands, würde eher sagen, dass Witt ein Pfundskerl mit dem Herzen am rechten Fleck ist. Einer, auf den man sich verlassen kann, auch wenn er mit dem Gulasch-Auftrag nicht das große Geld, genauer gesagt gar kein Geld verdient. Weshalb er dann mitmischt? „Weil es mir Spaß macht und ich damit helfe“, sagt Witt. „Es ist doch schön, wenn’s mal nicht ums Geld geht.“

Advent satt an drei Tagen und in drei Kiezen

Die Von-Herzen-Tour der Awo ist ein mobiler Weihnachtmarkt mit allem Drum und Dran, der durch die Landeshauptstadt rollt. Erster Halt ist am Dienstag, 18. Dezember, das Wohngebiet Am Schlaatz. Dort bauen die Awo und ihre Partner die mit Tannengrün und Lichterketten geschmückten Weihnachtsbüdchen auf dem Marktplatz vor der Schatztruhe auf. Von 15 bis 19 Uhr gibt’s alles, was den Advent gemütlich macht: Punsch und Gänseragout, Waffeln, Zuckerwatte – und natürlich Kesselgulasch und Hühnersuppe mit Nudeln aus Witts Feldküche. Dazu spielen die Big Beat Boys auf und die Klinikclowns treiben Schabernack mit den Kindern, auf die auch noch einige Überraschungen warten. Mit dabei ist auch ein treuer Freund, der schon vor der Von-Herzen-Tour durch die Awo-Von-Herzen-Weihnachtsfeier für Familien in Not geführt hat: Moderator Attila Weidemann. Das Allerbeste aber: Auf dem Von-Herzen-Markt muss keiner der Besucher Angst haben, den Euro dreimal umdrehen und dann doch den Kopf schütteln und weitergehen zu müssen: Alle Angebote sind kostenfrei.

Nach dem Schlaatz geht’s am Mittwoch, 19. Dezember, auf den Campus Röhrenstraße Am Stern. Dort weihnachtet es sehr von 14 bis 18 Uhr. Finale der Tour ist am Donnerstag, 20. Dezember: Dann öffnet der Markt für Wohnungslose und Geflüchtete, die am Lerchensteig eine Bleibe gefunden haben. Hoch im Norden der Stadt wird der Advent von 15 bis 19 Uhr gefeiert – dazu serviert Torsten Witt wie auch Am Stern Pulled-Turkey-Burger aus dem Smoker, einen zarten, besonders lange gegarten Putenbraten.

„Warum macht die Politik nichts?“

Dass sich Witt zwischen Firmenweihnachtsfeiern und seinem Gänsebratenlieferservice den Kalender für die Von-Herzen-Tour frei hält: Ehrensache! Weil er im vorigen Jahr schon beim Debüt dabei war, weiß er, was ihn erwartet: viele Kinder in der Röhrenstraße, viele Ältere am Lerchensteig – und ein riesiger, bunter Ansturm am Schlaatz. „Ich finde es traurig, dass so viele Menschen von der Hand in den Mund leben“, sagt Witt. „Und ich finde es traurig, dass es denen, die helfen, genauso geht – dass nicht viel Geld da ist für Projekte und dass sie aufs Ehrenamt und auf Spenden angewiesen sind.“ Er habe das Gefühl, dass immer mehr Familien ins Bodenlose fallen und dass das allzu häufig von Faktoren abhängt, die sie selbst nicht beeinflussen können. „Warum macht die Politik nichts?“, frage er sich dann. „Warum gehen die Politiker da nicht dran? – Wir einfachen Bürger können nur helfen. Das Problem können wir nicht allein beseitigen.“

So können Sie helfen

Sterntaler, die MAZ-Weihnachtsaktion, sammelt Spenden fürs Büro Kindermut der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Das Büro Kindermut ist für Familien in Not da. Wenig Geld für Bildung, für gesundes Essen, für Hobbys und Ausflüge: In Potsdam leben rund 3500 Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Die Zahl der Familien, die nicht über die Runden kommen, ist derweil viel höher. Das Büro Kindermut ist ein erster Ansprechpartner und bietet vielseitige Unterstützung. Allerdings ist bisher nur die Grundfinanzierung gesichert. Daher ist das Büro Kindermut auf Spenden und Partner angewiesen.

Bitte spenden Sie an: Awo Bezirksverband Potsdam Verwendungszweck: Sterntaler Deutsche Kreditbank Berlin BIC: BYLADEM1001 IBAN: DE71 1203 0000 0000 4821 09

Spendenquittungen erhalten Sie, sofern Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift bei der Überweisung mit angeben.

Haben Sie Anregungen zur MAZ-Weihnachtsaktion? Möchten Sie uns die Geschichte erzählen, die Sie ganz persönlich mit Kinderarmut und dem Kampf dagegen verbindet? Dann melden Sie sich per Telefon unter 0331/2840280 oder auch gern per E-Mail an potsdam-stadt@MAZ-online.de

Spenden für Sterntaler sammeln übrigens auch Lakritz-Kontor-Chef Dietmar Teickner an seinem Glögglich-Stand auf dem Weihnachtsmarkt „Blauer Lichterglanz“ und Parick Berger mit seinem Buena Vida Coffee Club. nf

Von Nadine Fabian

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