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Vorhang auf für die „Neue Berliner Straße“

Filmstudio Babelsberg eröffnet Kulisse Vorhang auf für die „Neue Berliner Straße“

Schon bald soll die erste Klappe in der Neuen Berliner Straße in Babelsberg fallen. Doch die Straße ist nicht etwa ein offizieller Weg in der Landeshauptstadt Potsdam, sondern eine aufwendig gebaute Kulisse des Filmstudios Babelsberg. Gut 9 Millionen Euro flossen in vier komplette Straßenzüge. Samstag war die offizielle Eröffnung.

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Ein Blick auf die neue Kulisse im Studio Babelsberg.

Quelle: dpa

Potsdam. Die erste Klappe soll bald fallen: Die „Neue Berliner Straße“ ist am Samstag im Studio Babelsberg eröffnet worden. Für neun Millionen Euro Baukosten entstanden dabei vier komplette Straßenzüge, die Drehmöglichkeiten mit neuesten technologischen Bedingungen bieten, wie Studio-Chef Carl Woebcken erklärte.

Als erstes Filmprojekt wird „Babylon Berlin“ die neue Außenkulisse nutzen. Regisseur Tom Tykwer verfilmt mit großem Aufwand Volker Kutschers Krimi-Bestseller im Serienformat, die im brodelnden Berlin der Zwanzigerjahre spielen.

Danach steht die „Neue Berliner Straße“ Filmemachern aus aller Welt für Kino-, Fernseh- und Werbefilmproduktionen zur Verfügung.

Die Fronten der Häuser sind besonders realistisch.

Quelle: dpa

Die Ausmaße sind für eine Film-Außenkulisse gigantisch: Vier komplette Straßenzüge mit 54 Hausfassaden, 600 Fenstern und Türen, ewig breite Straßen, auf denen Lastwagen bis zu 20 Tonnen fahren können, wurden in nur 140 Arbeitstagen im Studio Babelsberg aus dem Boden gestampft. Dazu wurden 500 Tonnen Stahlkonstruktionen mit 400 Stahl-Erdankern in die Erde getrieben. „Für die Neue Berliner Straße haben wir Material wie für 20 Einfamilienhäuser verbaut und das nur in fünf Monaten“, erklärte Studiochef Carl Woebcken am Samstag.

Die Häuser in der "Neue Berliner Straße" sind im Stil originalgetreuer Altbauten.

Quelle: dpa

Zusammen mit seinem Geschäftspartner Christoph Fisser hat er mehr als 16 Millionen Euro in Europas größte und modernste Filmkulisse investiert. „Die Finanzierung war schon ein Ritt auf der Kanonenkugel“, gestand Woebken. „Wir brauchen zehn Jahre, um diese Kosten wieder hereinzubekommen.“

Berlin auf engstem Raum

Ohne Regisseur Tom Tykwer und die Produktionsfirma X-Films wäre das Projekt nicht so gestemmt worden. „Da haben zwei Sachen ganz gut zusammengepasst“, erklärte Production Designer Uli Harnisch, der seit Jahren mit Tykwer zusammenarbeitet. „Wir wollten für die Serie "Babylon Berlin" eine Kulisse der Stadt wie aus den 1920er Jahren. Das Studio wollte einen Ersatz für die alte Berliner Straße. Da habe wir zusammen Berlin auf engsten Raum aufgebaut“, sagte Harnisch.

Tykwer seien per Zufall die Krimis von Bestseller-Autor Volker Kutscher in die Hände gefallen. Die spielen im brodelnden Berlin der Zwanzigerjahre. „Der einzige Film, der diese Zeit abbildet, ist immer noch "Cabaret" und das ist 44 Jahre her. In diesem Film gab es gefühlt nur siebeneinhalb Außenaufnahmen. Der Rest wurde drinnen gedreht“, sagte Tykwer. Dies habe ihn elektrisiert.

In realer Umgebung in Berlin dies nachzuzeichnen, sei fast unmöglich gewesen. Das hätte jedes Budget gesprengt. „Erst war es irgendwie Irrsinn, vier Straßenzüge von euch hier in Babelsberg zu verlangen. Aber ihr habt es möglich gemacht“, lobte der Starregisseur. An der „Neuen Berliner Straße“ könnten gleichzeitig mehrere Motive gedreht werden. „Das gibt es nirgendwo anders. Wir können hier monatelang ungestört campen“, kündigte Tykwer an. „Ende Juni ziehen wir in die neue Außenkulisse.“

Babelsberg macht Hollywood Konkurrenz

Schwer beeindruckt zeigte sich auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). „Ich habe weniger erwartet. Das ist so groß wie ein neuer Stadtteil“, schwärmte sie. Sie habe früher in Berlin-Wedding mit Ofenheizung gewohnt. „Die Kulisse sieht ganz genauso aus.“

So macht Babelsberg Hollywood Konkurrenz. „Diese Kulisse ist größer als die von den Universal Studios“, ergänzte Set-Dekorator Bernhard Henrich. Und er muss sich auskennen - schließlich war er zuletzt für die Ausstattung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ für einen Oscar nominiert. „Ich will hier unbedingt einmal drehen“, betonte Henrich.

Noch fehlt der digitale Feinschliff

In diesen Kanon reihten sich viele Schauspieler ein. „Ich habe so etwas das letzte Mal in L.A. gesehen“, sagte Götz Schubert. „Es ist spektakulär, weil alles architektonisch präzise und massiv facettenreich ist. Ich habe den Eindruck, hier ist alles so perfekt, dass man gleich anfangen könnte zu drehen“, ergänzte Ulrich Matthes. „Ich hoffe einfach nur, dass ich in dieser Kulisse einmal spielen darf. Es ist beeindruckend, dass man das digital auch in New York oder Paris verwandeln kann“, fügte Christian Berkel an. „Paul und Paula“-Star Winfried Glatzeder gab zu, sich auf dem Studio-Gelände verlaufen zu haben. „Ich wollte erst ganz nostalgisch zum Gelände der alten "Berliner Straße" laufen und dann habe ich das hier entdeckt - riesig.

Doch ganz fertig ist die Straße nicht. Nach den Dreharbeiten für „Babylon Berlin“ soll die Kulisse weiter „digital aufgepimpt“ werden, versprach Studiochef Woebcken.

dpa

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