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Die größte „Thermoskanne“ in Ostdeutschland

Flexible Energiewirtschaft Die größte „Thermoskanne“ in Ostdeutschland

Erdgas ist ein wertvoller Rohstoff für die Energieerzeugung; Potsdam gewinnt Strom und Wärme aus ihm. Ein riesiger Wärmespeicher soll nun dafür sorgen, dass das Hauptkraftwerk der Landeshauptstadt auch mal Pause machen kann.

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Der neue Wärmespeicher hat seine finale Bauhöhe erreicht und ein Flachkuppeldach bekommen.
 

Quelle: Rainer Schüler

Drewitz.  Er sieht simpel aus, hat es aber in sich: 41224 Kubikmeter Heißwasser fasst der neue Wärmespeicher der Stadtwerke, der seine finale Bauhöhe soeben erreicht und sein Flachkuppeldach bereits aufgesetzt bekommen hat. Er ist nach Angaben der Stadtwerke der zweitgrößte Wärmespeicher Deutschlands, nur der von Nürnberg in Bayern ist noch größer.

Der Turm wirkt mächtig, ist aber nur ein hohler Stahlzylinder, der sich gerade mit Wasser füllt

Der Turm wirkt mächtig, ist aber nur ein hohler Stahlzylinder, der sich gerade mit Wasser füllt. Wenn der Kessel dicht ist, wird er außen isoliert.

Quelle: Bernd Gartenschläger

 11,6 Millionen Euro für die Mega-Thermoskanne auszugeben, macht Sinn, findet des Versorgungsunternehmen EWP, denn Erdgas ist laut Geschäftsführer Wilfried Böhme ein „kostbarer Rohstoff, den man sparsam nutzen muss.“ Potsdam macht daraus in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und warmes Wasser, doch der Bedarf an beidem ist naturgemäß bei warmem Wetter weit geringer als bei kaltem. Deshalb will die Energie und Wasser Potsdam ihr Heizwerk Süd zeitweilig abschalten können. Der Speicher macht das möglich. Für bis zu 66 Stunden hält der 48 Meter hohe Stahlzylinder das Wasser in sich fernwärmeheiß, und bei Bedarf heizen zwei Parat-Elektrodenkessel aus Norwegen nach.

Fernwärme und also auch Fernheißwasser aus dem Hahn stehen künftig auch dann noch zur Verfügung, wenn das Kraftwerk gar nicht mehr arbeitet. Den Strombedarf würde Potsdam in diesem Falle aus dem Überschuss der großen Stromerzeuger oder aus alternativen Stromquellen kaufen, statt Erdgas dafür zu verbrennen . Auch billigerer Nachtstrom kann zum Einsatz kommen. Das ist nach Einschätzung Böhmes preiswerter, als das Kraftwerk pausenlos am Netz zu halten. Damit bläst man denn auch 10000 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre. Insgesamt will die EWP den Ausstoß des Klimakiller-Gases ja um 157000 Tonnen jährlich reduzieren; das ist mehr als die Hälfte  dessen, was das Klimakonzept der Landeshauptstadt fordert.

Das Heizwerk-Süd deckt  fast den gesamten Strom- und Wärmebedarf von Potsdam

Das Heizwerk-Süd deckt fast den gesamten Strom- und Wärmebedarf von Potsdam.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Das mit Erdgas betriebene Heizkraftwerk Süd produziert rund 90 Prozent des jährlichen Strombedarfes sowie circa 95 Prozent des Fernwärmebedarfes der Landeshauptstadt. Der neue Wärmespeicher leistet umgerechnet 1200 Megawattstunden. Das heiße Wasser für das Fernwärmenetz wird im Falle der Kraftwerkspause direkt aus dem riesigen Kessel eingespeist. Der technische Geschäftsführer der EWP, Wilfried Böhme, gab einen Ausblick: „Die Montage wird noch einen Monat dauern. Seit Mitte Juni 2015 wird der Behälter erstmalig mit Wasser befüllt. Dies wird zwei Monate dauern, ehe im August 2015 die Dichtheitsprobe erfolgen soll.“ Sofern diese erfolgreich wird, kann die Isolierung mit 50 Zentimeter dicker Dämmwolle begonnen werden, was rund drei Monate dauern soll. Dann wird der isolierte Kessel mit einer Blechhülle versehen, die blau gestrichen wird, in Richtung Himmel streifenweise immer heller.

Der „Thermosbehälter“ steht in den Nuthewiesen auf schlechtem Baugrund und brauchte ein massives Fundament. Es hat einen Außendurchmesser von 44 Metern, ist zweieinhalb Meter stark und auf 211 Bohrpfähle gegründet, jeder 88 Zentimeter dick. Insgesamt 520 Lkw mit je 7,5 Kubikmetern lieferten 3900 Kubikmeter Spezialbeton von drei Betonwerken aus Potsdam und der näheren Umgebung an. Der Bau hatte am 18. Juni 2014 mit dem ersten Spatenstich begonnen.

Der Stahlbehälter hat einen Innendurchmesser von 36 Metern. Er kann insgesamt 41224 Kubikmeter heißes Wasser für das Fernwärmenetz speichern. Dies entspricht der dreifachen Menge, die derzeit durch das Fernwärmenetz fließt. Die Stahlwand des Kessel ist unten 36 Millimeter dick und nimmt nach oben alle drei Meter um 2,5 Millimeter ab. Oben misst sie nur noch zehn Millimeter, ist dort aber ringverstärkt.

Ziel der EWP ist es, den Wärmespeicher Anfang November 2015 in Betrieb nehmen zu können.

Mächtige Rohre führen zum Kessel

Mächtige Rohre führen zum Kessel. Ihn abzulassen, würde sechs Monate dauern, weil man das Wasser erst abkühlen muss durch allmählichen Austausch gegen kälteres Wasser.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Rainer Schüler

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