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Waldstadt-Brandstifter muss ins Gefängnis

Duisburger legt Feuer in Potsdam Waldstadt-Brandstifter muss ins Gefängnis

Seit er mit Julia S. aus der Potsdamer Waldstadt liiert war, brannte es in deren Haus immer mal wieder. Aber ist Björn S. aus Duisburg wirklich der Mann, der den ganzen Kiez in Atem hielt? Im Prozess vor dem Amtsgericht gesteht der 37-Jährige lediglich die Tat, bei der er erwischt wurde. Die Kripo hatte dem Brandstifter eine simple aber effektive Falle gestellt.

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Ob auch der Kellerbrand Ende August 2015 in der Saarmunder Straße auf das Konto von Björn S. geht, konnte nicht geklärt werden.

Quelle: Pascal van der meer

Waldstadt. Björn S. ist ein Brandstifter. Aber ist er auch der Brandstifter, der die Waldstadt in den Jahren 2014 und 2015 in Atem hielt? Diese Antwort bleibt der Prozess gegen den 37-jährigen Duisburger vor dem Potsdamer Amtsgericht am Montag schuldig. Ins Gefängnis muss Björn S. trotzdem.

Probleme mit den Eltern und den Frauen

Der Mann mit dem Stiernacken und der Knabenstimme, mit dem Kreuz eines Schwergewichtsboxers und den kleinen Händen ist ein schlichtes Gemüt. Der psychiatrische Gutachter bescheinigt ihm eine Lernbehinderung und einen Intelligenzquotienten von 66, was als außergewöhnlich niedrig gilt. Er sei aber weder geistig behindert noch habe er eine krankhafte seelische Störung. Vielmehr ist in der Expertise von Misserfolgen und Frustration die Rede. So hat Björn S. zwar einen Hauptschulabschluss, aber keine Berufsausbildung und keinen Job. Auch von starken Anlehnungs- und Bindungssehnsüchten ist die Rede. Die Beziehung zu den Eltern, die ihm ein gutbürgerliches Leben ermöglicht haben, sei kompliziert gewesen. Noch schwieriger hatte es Björn S. mit den Frauen. Nicole A. aus Stralsund, die er im Internet kennenlernte und mit der er mehrere Jahre liiert war, soll ihm gegenüber sogar gewalttätig geworden sein. Auch Julia S. aus Potsdam – ebenfalls eine Internetliebe – habe ihn schikaniert, sagt Björn S. Hat es deshalb immer mal wieder in ihrem Wohnblock gebrannt, wenn er zu Besuch war?

„Irgendwann ist der Kopf explodiert“

Björn S. räumt lediglich ein, am 9. August 2015 Feuer im Keller gelegt zu haben. An diesem Tag hätten sie sich besonders hässlich gestritten: Wieder mal habe sie ihn gedrängt, sich Arbeit zu suchen. Zudem habe sie ihm aufgetragen, die Wohnung zu putzen, abzuwaschen und den Müll herauszubringen. „Ich habe mich benutzt gefühlt“, sagt Björn S. „Ich habe nicht eingesehen, dass ich jeden Tag mit dem Staubsauger und dem Wedel durch eine Ein-Raum-Wohnung gehen soll. – Irgendwas ist bei mir im Kopf explodiert.“ Nachdem die Freundin am Vormittag zur Arbeit gegangen sei, habe er fern gesehen und die Hausarbeit erledigt. Erst gegen 17.45 Uhr habe er sich das Feuerzeug, das die beiden Nichtraucher zum Kerzenanzünden für romantische Stunden gebraucht hatten, geschnappt und sei in den Keller gegangen. „Ich hatte so einen Frust, dass ich nicht wusste, was ich mache.“ Im unverschlossenen Verschlag einer Nachbarin zündet er eine Plastiktüte an und geht zurück nach oben in die Wohnung. Keine fünf Minuten später ist er wieder im Keller, wo der Schwelbrand schon in Gange ist. Als Björn S. den Rauch sieht, macht er kehrt und verlässt das Haus. Er ruft weder die Feuerwehr noch warnt er die Nachbarn, von denen drei mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus kommen.

Schon einmal war Björn S. ins Visier der Potsdamer Kriminalpolizei geraten und von den Beamten befragt worden. Die Kripo überführte ihn schließlich mit einer Foto-Falle – nach einem halben Dutzend Bränden hatten die Kriminalisten im Keller eine Kamera installiert. Mit den erdrückenden Beweisen konfrontiert, gestand Björn S. schließlich und gab auch zu, schon einige Male zuvor gezündelt zu haben. Die Brände vor dem 9. August 2015 konnte man ihm allerdings nicht nachweisen. Die Verfahren wurden laut Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt.

Kein krankhafter Pyromane

Das Gesetz sieht für schwere Brandstiftung eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu 15 Jahren vor. Zwar attestierte der psychiatrische Gutachter dem Angeklagten eine erheblich geminderte Steuerungsfähigkeit und legt auch eine verminderte Schuldfähigkeit nahe. Dennoch müsse das Urteil laut Staatsanwaltschaft ein Zeichen der Abschreckung setzen, schließlich hätten einige Potsdamer Plattenbaugebiete unter regelmäßigen Brandstiftungen zu leiden. Die Forderung: zwei Jahre sechs Monate – eine Strafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Verteidiger Thomas Arndt betonte, dass Björn S. kein krankhafter Pyromane sei, plädierte auf einen minderschweren Fall und eine Bewährungsstrafe. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Bettina Thierfeldt folgte dem allerdings nicht und verurteilte Björn S. wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Der Angeklagte kann binnen einer Woche Rechtsmittel einlegen, was angesichts seiner Schilderungen aus der Untersuchungshaft zu erwarten ist. Die zweieinhalb Monate in der JVA in Brandenburg an der Havel seien „eine Qual, die Hölle“ gewesen. „Ja, ich hab’s getan, ich hab ein Mal Feuer gelegt und ich sitze hier zu Recht. Aber ich bereue und will es nie wieder tun.“

Von Nadine Fabian

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